Das Worldwideweb als Arbeitsplatz: Genashtim Innovative Learning

Logo Genashtim, Wort mit drei hellgrünen Blättern drüber (Foto: Genashtim)
Genashtim steht für eine umweltbewusste und sozial nachhaltig organisierte Firma (Foto: Genashtim)

Bei Genashtim Innovative Learning (GIL) können Angestellten übers Internet von zu Hause aus arbeiten. Menschen mit Mobilitätseinschränkung profitieren davon.

Ein langer Arbeitsweg oder ein mangelhaft barrierefreier Arbeitsplatz sind für Genashtim Innovativ Learning kein Thema. Thomas Ng (Link zur Seite von Thomas Ng), Gründer von Genashtim Innovative Learning, stellt sein Unternehmen exklusiv für MyHandicap vor.

Genashtim Innovative Learning ist ein auf eLearning spezialisiertes Unternehmen. Es führt globale Marken wie eCornell von der Cornell Universität New York und U21Global. Seit 2009 verwendet GIL die Online-Konversationsanwendung EPiC-Online (English Proficiency in Conversation, online).

Der Hauptsitz der Firma ist auf den Philippinen. Öffentliche Verkehrsmittel sind hier für Menschen mit Behinderung schwer oder gar nicht zugänglich. Menschen mit Handicap finden daher aufgrund ihrer fehlenden Mobilität wenige Arbeitsstellen. Das Heimarbeitsmodell EPiC-Online bringt eine Lösung. Sehbehinderte Menschen können EPiC-Online dank Screen-Reader und anderen Softwaretools für ihren Heimarbeitsplatz verwenden.

Einsatz behinderter Menschen in verschiedenen Bereichen

Mithilfe von EPiC-Online können sehbehinderte oder auf einen Rollstuhl angewiesene Personen zum Beispiel als Englischlehrer tätig sein. Sie sind den anderen Lehrern völlig gleichgestellt.

Grave Balbin arbeitet als Englischlehrerin. Die Studierenden bewerten die blinde Lehrerin überdurchschnittlich positiv.

Villy Villano ist ebenfalls vollständig blind. Er war einer der ersten Lehrer für EPiC-Online und wurde kürzlich zum Qualitätsüberwacher ernannt. Er verbringt die meiste Arbeitszeit damit, die Bewertungen der Studierenden und die aufgenommenen Sitzungen zu prüfen. Assistiert wird ihm von Chinchin Bascones. Sie hat einen Heimarbeitsplatz und wohnt im philippinischen Cagayan de Oro. Mit ihr arbeiten zurzeit drei visuell beeinträchtige Lehrer bei Genashtim. Weitere werden eingestellt.

Portaits von neun der behinderten Mitarbeiter (Foto: Genashtim)
„Menschen mit Behinderung machen uns zu einer stärkeren Unternehmung“ (Foto: Genashtim)

Delia Mira und Sophia Manlapaz arbeiten in zwei Schichten als Operation Supervisors. Sie überwachen alle laufenden EPiC Online-Sitzungen, um sicherzustellen, dass die Lehrer zur festgelegten Zeit bereit sind. Sie helfen technische Probleme zu lösen. Mira und Manlapaz sind seit ihrer Kindheit auf den Rollstuhl angewiesen.

Olivia Mananquil entwickelt Inhalte für EPiC-Online und ist derzeit Teil eines Teams, das an einem Programm für die Krankenhausindustrie in Singapur arbeitet. Hier werden vermehrt ausländische Personen angestellt. Englisch ist für sie eine Herausforderung.

Vicky Suarez ist die Sekretärin des Firmengründers Thomas Ng. Ng lebt in Melbourne und verbringt zwei Drittels seines Lebens auf Reisen. Suarez vereinbart alle Meetings in verschiedenen Ländern und kümmert sich um die Flüge, Visa, Hotels und den Transport.

Mananquil und Suarez arbeiten die meiste Zeit von ihren Betten aus, da sie nicht längere Zeit aufrecht sitzen können.

Logos der vier Produkte (Foto: Genashtim)
U21 Global, eCornell, EPiC-Online und SpED sind alles Produkte von Genashtim (Foto: Genashtim)

„Das Leben nicht mit Selbstmitleid verschwenden“

Als Mananquil gefragt wurde, ob sie nicht eine längere Auszeit nehmen wolle, antwortete sie: „Vielen Dank für Ihr Verständnis . Nein, ich will nicht aufhören zu arbeiten, ausser man braucht mich nicht mehr. Mein Lohn hilft mir sehr zurechtzukommen, deshalb muss ich arbeiten. Ich fühle mich so als Person mit einer Behinderung nützlich. Es ist besser, mich anzustrengen und Schmerzen zu haben, als mein Leben mit Selbstmitleid und Nichtstun zu verschwenden.“

Ryan Allegado sitzt im Rollstuhl seit er zwei Jahre alt ist. Anthony Rebenque, früher Matrose, brach seine Wirbelsäule bei einem Schiffsunfall auf See. Die zwei Männer sind Teil des IT-Teams von GIL.

Da die GIL-Mitarbeiter über das ganze Land verteilt sind, hat das IT-Team Prozesse entwickelt, die einen effektiven Support übers Internet ermöglichen. Sie unterstützen GIL-Klienten in vielen verschiedenen Ländern. Allegado hat die Projektleitung inne, dieses Angebot als separates Geschäft aufzuziehen, das Klienten aus aller Welt bedient.

Mickey Shi war 15, als sie an der Autoimmunkrankheit Lupus Erythematodes erkrankte. Sie erblinde aufgrund der für die Heilung nötigen Medikamente. Shi arbeitet von ihrem Zuhause in Tai-Yuan, China, aus. Sie verbindet die Operationsleute von EPiC-Online und die Studierenden in China. Wann immer sie Zeit findet, versucht sie, EPiC-Online an mögliche Kunden in China zu vermarkten.

blinder philippinischer Mitarbeiter arbeitet an der PC-Tastatur (Foto: Genashtim)
Viele Mitarbeiter bei Genashtim haben eine visuelle Behinderung (Foto: Genashtim)

Menschen mit Behinderung als Stärke einer Firma

Menschen mit einer Behinderung verdienen die Chance auf Erfolg. „Es ist wirklich nicht so schwer, sich auf die Fähigkeiten einer Person, statt auf deren Behinderung, zu konzentrieren. Die Möglichkeiten der heutigen Technik geben Menschen mit Behinderung die Chance, im globalen Markt ihren Beitrag zu leisten. Wir von Genashtim glauben, dass uns die Beschäftigung von Menschen mit Handicap zu einem stärkeren Unternehmen macht. Sie arbeiten fokussierter, sind stabiler und verlässlicher und generell engagierter“, sagt der Geschäftsführer Thomas Ng.

Thomas Ng ist davon überzeugt, dass der Einsatz von Menschen mit Behinderung und andere Initiativen im Rahmen der sozialen Verantwortung, fester Bestandteil eines Unternehmens sein sollte. Dies entspreche auch der Würde von Menschen mit Behinderungen.

„Unsere Mitarbeiter mit einer Behinderung nutzen aktiv Technologie, um im globalen Markt mit wichtigen globalen Klienten zu arbeiten“, sagt Thomas Ng.

EPiC-Online besteht seit einem Jahr und beschäftigt aktuell 40 Mitarbeiter, von denen vierzig Prozent eine Behinderung haben. Es ist geplant, das Unternehmen in drei bis fünf Jahren auf eine Grösse von tausend Mitarbeitern zu vergrössern. Die Hälfte der Stellen soll mit Menschen mit einer Behinderung besetzt werden.

Trotzdem ist Genashtim keine mildtätige und gemeinnützige Organisation. „Wir sind ein seriöses Unternehmen und behandeln unsere Mitarbeiter mit einer Behinderung wie alle anderen. Wer nichts leistet, verliert seine Anstellung. Wir glauben, dass dies der einzige Weg ist, ein nachhaltiges und vergrösserbares Business-Modell zu schaffen“, ist Thomas Ng überzeugt.

Text: Thomas Ng / MHA

Übersetzung: MPL

Bilder: Genashtim

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