Optimale Arbeitsbedingungen schaffen

Arbeitsplatz mit Schreibtisch und zwei Bürostühlen (Rainer Sturm/pixelio.de)
Die Asperger Informatik zeigt vor, wie ein idealer Arbeitsplatz für autistische Menschen gestaltet werden soll (Rainer Sturm/pixelio.de)

Menschen mit Autismus sind zu außerordentlichen Leistungen fähig. Sie sind ehrlich, loyal, pflichtbewusst, zuverlässig und fleißig. Damit sie produktiv und effizient arbeiten können, müssen Arbeitgeber jedoch geeignete Rahmenbedingungen schaffen.

Grossraumbüro? Call Center? Ständiges Klingeln von Telefonen? Das Radio, aus dem die Top-40, angereichert mit viel überflüssigem Gerede, Berieselung bringen soll? So können Arbeitplätze von Menschen mit Autismus nicht gestaltet sein. Gefragt ist eine weitgehende Ausschaltung von permanenten Störfaktoren akustischer und optischer Art.

In Besprechungen ist eine gewisse Gesprächsdisziplin gefragt, im Büro wie in der Küche hat alles seinen festen Platz, um keine Unruhe aufkommen zu lassen. Von den Arbeitskollegen wie Vorgesetzten ist Toleranz und Verständnis gefragt.

Zugegeben – die Anforderungen hinsichtlich Arbeitsplatz und Organisation zu erfüllen, ist für einen Arbeitgeber nicht leicht. Aber es ist durchaus möglich: Wie der ideale Arbeitsplatz für Menschen mit Asperger-Autismus aussehen könnte, zeigen die Büroräumlichkeiten und die Arbeitsorganisation bei der Asperger Informatik AG in Zürich.

Drei Einmachgläser mit Lebensmittelinhalt (catlovers/pixelio.de)
Ob im Büro oder in der Kantine – alles sollte seinen festen Platz haben (catlovers/pixelio.de)

Freundliches Licht, weiche Teppiche

Um äußerliche Reize und jede Form von Veränderung möglichst auszuschließen, gibt es Einzelarbeitsplätze oder es arbeiten maximal 2-3 Personen in einem Raum. Grelle Beleuchtung wird vermieden, in allen Räumen wird für ein warmes, freundliches Licht gesorgt. Weiche Teppiche dämpfen den Schall, die Wände sind allesamt weiss gestrichen, keine Bilder hängen an den Wänden.

Klare Strukturen

In der Regel haben die Mitarbeitenden keine Telefone am Arbeitsplatz, die Kommunikation erfolgt meist per E-Mail. Grundsätzlich werden der Arbeitsplatz ebenso wie der Aufgabenbereich, die Arbeitszeiten und die Strukturierung des Arbeitsalltags individuell auf die Mitarbeitenden abgestimmt. Die Asperger Informatik AG sorgt für eine hohe Strukturierung des Arbeitsalltages, was ihn für die Mitarbeitenden berechenbar macht.

Da Menschen mit Asperger-Autismus während der Arbeitszeit extrem fokussiert und sehr konzentriert arbeiten, arbeiten sie bei der Asperger Informatik AG in einem 80-%-Pensum. Damit soll den Mitarbeitenden genügend Freizeit eingeräumt werden, um sich zu erholen.

Ausschnitt eines Kalenders (deadshot/pixelio.de)
Klare Strukturen erleichtern den Arbeitsalltag von Menschen mit Asperger Syndrom (deadshot/pixelio.de)

Unterstützung vom Job-Coach

Und – die Angestellten erhalten auch Unterstützung von „außen“. Ein Job-Coach begleitet die Mitarbeitenden in engem Kontakt. Er bietet ein Arbeitscoaching und ist Ansprechpartner für alle Anliegen. Und ganz wichtig: Vor einem allfälligen Arbeitseinsatz außerhalb des Unternehmens bespricht er mit dem Kunden die nötigen Arbeitsbedingungen und weist sie auch darauf hin, sich klar und deutlich zu äußern, damit keine Missverständnisse entstehen.

Haben Mitarbeiter mit dem Asperger Syndrom nach einem wahrscheinlich langen und schweren Weg endlich die Möglichkeit zu arbeiten, wird ihnen der passende Arbeitsplatz eingerichtet und überhaupt Akzeptanz ihrem „Anderssein“ gegenüber gezeigt – kann dies für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer eine einzigartige Beziehung und Erfolgsgeschichte werden.


Text: PG – 06/2010

Fotos: pixelio.de

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