Menschen mit Handicap im Berufsleben

Menschen mit Handicap im Berufsleben (Foto: Firma V Fotolia.com)
Menschen mit Handicap im Berufsleben (Foto: Firma V Fotolia.com)

Menschen mit einer Behinderung können einem Unternehmen und seinen Mitarbeitern große Vorteile bringen. Leider ist es immer noch so, dass viele Arbeitgeber mit großer Skepsis reagieren, wenn sich ein Mensch mit Behinderung bei ihnen bewirbt. Dabei sind diese Personen oftmals sehr viel motivierter als ihre Mitbewerber. Bekommen sie die Chance, sich zu beweisen, reagieren viele von ihnen darauf mit großem Engagement. Umso pflichtbewusster werden sie ihre Tätigkeiten ausüben.

Außerdem hat die Praxis gezeigt, dass eine gegebenenfalls nötige Rücksichtnahme und die Unterstützung der übrigen Mitarbeiter zur Verbesserung des Betriebsklimas beitragen können. Zudem reagieren Kunden mit Anerkennung auf die Einstellung von behinderten Menschen. Das Image eines Unternehmens kann sich auf diese Weise ebenfalls verbessern. Wie sich der Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung 2014 entwickelt hat, ist hier nachzulesen.

Dennoch fürchten viele Arbeitgeber finanzielle Verluste durch die Beschäftigung von Mitarbeitern mit Handicap. Zum einen muss eventuell ein behindertengerechter Arbeitsplatz geschaffen werden, zum anderen besteht die Angst, der eingeschränkte Mitarbeiter benötige eine längere Zeit zur Erledigung von Aufgaben und falle auf Grund von Arztbesuchen und Ähnlichem öfter aus. Einen Ausschluss von Menschen mit Behinderung bereits in der Ausschreibung ist aber im Rahmen des Gesetzes nicht erlaubt. Auch im Vorstellungsgespräch darf nicht nach einer Schwerbehinderung gefragt werden. Möchten Firmen bewusst behinderte Mitarbeiter einstellen, können sie sich auf entsprechenden Jobbörsen umsehen und sich von den zuständigen Institutionen beraten lassen. Denkbar wäre auch die Auslagerung von Betriebszweigen in Behindertenwerkstätten. Durch entsprechende staatliche Förderungen kommen hier geringe Kosten auf die Arbeitgeber zu.

Selbst wenn der Arbeitsplatz behindertengerecht umgestaltet werden muss und der neue Mitarbeiter etwas langsamer arbeitet, kostet ein Angestellter mit Behinderung den Betrieb aber auf Grund von Förderungen recht wenig. Diese können unter anderem beim Integrationsamt und der Agentur für Arbeit beantragt werden. Die Zuständigkeit ist von diesen Institutionen innerhalb von 14 Tagen zu bestätigen oder abzulehnen. Bei Bestätigung ist 3 Wochen nach Antragstellung ein Ergebnis bekanntzugeben. So ist es zum Beispiel möglich, dass ein Mensch mit Schwerbehinderung drei Monate auf Probe arbeitet und das Unternehmen den kompletten Lohn erstattet bekommt. Außerdem können mit einer Obergrenze von 2 Jahren bis 70 Prozent des Gehalts übernommen werden. Zur Beantragung dieser Gelder kann unter Umständen ein Integrationsberater unterstützend zur Seite gestellt werden. Die Gehaltsabrechnung erfolgt mit einer guten Steuersoftware zum Beispiel von Anbietern wie Lexware ganz einfach. Tatsächlich ist es sogar so, dass Unternehmen mit einer bestimmten Mitarbeiteranzahl unabhängig von ihren Begründungen eine Abgabe zahlen müssen, wenn sie keine Mitarbeiter mit Schwerbehinderung beschäftigen. In Firmen mit 40 bis 59 Mitarbeitern etwa müssen zur Erfüllung der Auflagen 2 behinderte Menschen beschäftigt werden. Arbeiten im Unternehmen mindestens 6 schwerbehinderte Menschen, muss ein Interessensvertreter sowie ein Stellvertreter gewählt werden.

Sonderregelungen für behinderte Mitarbeiter

In der Probezeit kann Menschen mit Schwerbehinderung wie anderen Arbeitnehmern auch jederzeit gekündigt werden. Danach müssen die üblichen Kündigungsfristen eingehalten werden. Eine Kündigung ist dann jedoch nur mit Zustimmung des zuständigen Integrationsamts zulässig. Dieses überprüft im Normalfall aber lediglich, ob die Kündigung im Zusammenhang mit der Behinderung steht, sodass Menschen mit Behinderung keinesfalls unkündbar sind. Ein Schwerbehinderter kann sich außerdem weigern, Überstunden zu machen. Ihm stehen des Weiteren 5 Tage Urlaub über die übliche Anzahl hinaus zu. Tritt bei einem Mitarbeiter des Unternehmens erst im Laufe seiner Tätigkeit eine Schwerbehinderung ein, muss der Arbeitgeber alles daran setzen, dessen Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. Wenn der Arbeitnehmer mit Behinderung nur noch halbtags arbeiten kann, ist auch dies, wenn möglich, einzurichten. Darunter fällt jedoch nicht der Einsatz in einer Position, die der vorangehenden übergeordnet ist. Möglicherweise werden aber die Kosten für Fortbildungen etc. übernommen, die die weitere Anstellung in einem anderen Bereich der Firma garantieren. Unter dem Begriff Barrierefreiheit verbergen sich in dem Zusammenhang nicht nur Dinge wie der Einbau einer Rollstuhlrampe. Für blinde Menschen, die beispielsweise oftmals hervorragend mit Kunden und Geschäftspartnern telefonieren können, ergeben sich aufgrund von Unwissenheit oft große Probleme beim Arbeiten am PC. Hier sollten sich Arbeitgeber und Kollegen ausführlich informieren. Mittel und Wege gibt es in den meisten Fällen und die technischen Hilfsmittel sind auch in diesem Bereich heute weiter fortgeschritten, als viele wissen.