Förderungen der Arbeitsagentur bei behinderten Arbeitnehmern

Die Agentur für Arbeit stellt Arbeitgebern verschiedene Fördermöglichkeiten zur Verfügung (Foto: Bundesagentur für Arbeit)

Immer noch gibt es viele Arbeitgeber, die sich noch nicht überzeugt von der Leistungs-fähigkeit behinderter Menschen zeigen. Deshalb unterstützt der Staat die Beschäftigung von Arbeitnehmern mit Handicap finanziell.

Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahre 2007 war in rund jedem dritten Unternehmen in der freien Wirtschaft (ab 20 Angestellte) kein einziger behinderter Arbeitnehmer beschäftigt. Über 40.000 Unternehmen derselben Größe mussten eine Ausgleichsabgabe an den Staat entrichten, weil sie ihre „Behindertenquote“ nicht erfüllten. Heute dürften sich die Zahlen kaum groß geändert haben.

Die Agentur für Arbeit stellt aus diesem Grund zahlreiche Fördermaßnahmen für private Arbeitgeber, die behinderte Arbeitnehmer einstellen, zur Verfügung. Dadurch sollen niedrigschwellige Anreize geschaffen werden, um die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben und somit deren Integration in die Gesellschaft zu fördern.

Diese sind hier aufgelistet. Klicken Sie auf die Maßnahmen, um zu deren Beschreibungen zu gelangen:

Hinweis: Finanzielle Hilfen für bauliche Maßnahmen oder behindertengerechte Einrichtungen sowie Leistungen, die die Behinderung des Arbeitnehmers kompensieren sollen, werden in separaten Artikeln behandelt.

Einsparpotenzial bei Ausgleichsabgabe

Als Erstes darf als sozusagen indirekter Zuschuss die Ausgleichsabgabe erwähnt werden: Ist in einem Unternehmen ab einer Betriebsgröße von 20 Mitarbeitern ein gewisser Prozentsatz der Angestellten schwerbehindert, wird der Arbeitgeber stufenweise mit der Befreiung von der Ausgleichsabgabe, auch Schwerbehindertenabgabe genannt, „belohnt“.

Hier eine Tabelle zur Ausgleichsabgabe (pro Monat):

0 Euro bei einer Beschäftigungsquote ab 5 Prozent
105 Euro bei einer Beschäftigungsquote ab 3 bis unter 5 Prozent
180 Euro bei einer Beschäftigungsquote ab 2 bis unter 3 Prozent
260 Euro bei einer Beschäftigungsquote unter 2 Prozent

Für Unternehmen mit weniger als 40 beziehungsweise weniger als 60 Mitarbeitern gelten jedoch Ausnahmen. Erstere müssen 105 Euro entrichten, wenn sie keinen schwerbehinderten Menschen beschäftigen. Das gilt ebenfalls für Unternehmen mit zwischen 40 und 59 Beschäftigten mit nur einem schwerbehinderten Arbeitgeber. Hat ein solches Unternehmen aber keinen einzigen schwerbehinderten Mitarbeiter, sind 180 Euro zu entrichten.

Aufträge an WfbM anrechnen lassen

Arbeitgeber haben eine zweite Möglichkeit, sich von der Ausgleichsabgabe zu befreien: Indem sie Aufträge an Werkstätten für behinderte Menschen erteilen, können sie bis zu 50 Prozent der Arbeitskosten auf die Ausgleichsabgabe anrechnen. Die Ausgleichsgabe geht an die Integrationsämter, welche Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben behinderter Menschen wie beispielsweise Arbeitsassistenz, technische Arbeitshilfen oder behindertengerechte Einrichtungen finanzieren.

Obwohl die Ausgleichsabgabe ein deutliches Einsparpotenzial darstellt, zahlten deutsche Unternehmen 2008 insgesamt 519,5 Millionen Euro an die Integrationsämter. Im darauffolgenden Jahr verringerte sich die Zahl behinderter Arbeitsuchender nicht, sie erhöhte sich sogar leicht auf 166.489 Menschen (mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50).

Für einen Start ins Arbeitsleben: Eingliederungszuschuss

Stellt ein Arbeitgeber einen behinderten, arbeitsuchend gemeldeten Menschen ein, zahlt die Agentur für Arbeit bis zu 50 Prozent des Arbeitsentgelts als Eingliederungszuschuss (nach § 217-221 SGB III). Die Regelförderungsdauer bei schwer vermittelbaren (das schließt behinderte Menschen ein) beträgt 12 Monate; sie kann in begründeten Fällen jedoch auf die doppelte Regelförderungsdauer, also 24 Monate, verlängert werden.

Nach Ablauf der Regelförderungsdauer muss der Prozentsatz um mindestens 10 Prozent verringert werden. Bei älteren Arbeitnehmern kann der Eingliederungszuschuss übrigens in der Regel 24 Monate lang, in begründeten Fällen bis zu 60 Monaten lang gewährt werden.

Hilfen für junge Unternehmen

Sie haben sich innerhalb der letzten zwei Jahre selbstständig gemacht und beschäftigen nicht mehr als fünf Arbeitnehmer? Dann können Sie für maximal zwei schwerbehinderte Mitarbeiter den erhöhten Eingliederungszuschuss für Neugründungen in Anspruch nehmen: Bis zu 50 Prozent des Arbeitsentgelts werden für maximal 12 Monate übernommen.

Bildet ein Unternehmen einen (schwer)behinderten Menschen aus, können Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung gewährt werden. Dasselbe gilt auch für eine betriebliche Weiterbildung. Hierzu übernimmt die Arbeitsagentur für die gesamte Dauer der Ausbildung bis zu 80 Prozent der Ausbildungsvergütung einschließlich des Arbeitgeberanteils für die Sozialversicherungen, in Ausnahmefällen bis zu 100 Prozent.

Zuschüsse auch bei behinderten Azubis

Hat ein schwerbehinderter Azubi seine Ausbildung in Ihrem oder einem anderen Betrieb abgeschlossen und Sie möchten ihn im Anschluss in ein Arbeitsverhältnis übernehmen, steht Ihnen ein Jahr lang 70 Prozent des Arbeitsentgelts als Zuschuss zu.

Ein um 30% erhöhter Ausbildungsbonus als Zuschuss kommt in Frage, wenn der Arbeitgeber einen Jugendlichen mit Handicap, der bereits seit einem Jahr eine Ausbildungsstelle sucht, aufnimmt. Die Agentur für Arbeit gewährt pro schwerbehinderten Azubi 5.200 Euro im ersten, 6.500 Euro im zweiten und 7800 Euro im dritten Lehrjahr.

Einstellung auf Probe

Für Arbeitgeber, die vorerst lieber keinen längeren Vertrag mit einem behinderten Arbeitnehmer abschließen möchten, eignet sich diese „Schnuppermaßnahme“. Stellt ein Unternehmen einen behinderten Menschen zu einer befristeten Probe-beschäftigung ein, können die Personalkosten drei Monate lang in voller Höhe übernommen werden. Ziel dieser Maßnahme ist, die Chancen des Arbeitnehmers auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen sowie die Hemmschwellen des Arbeitgebers abzubauen.

Als Definition einer Schwerbehinderung gilt § 72 Absatz 1 Nummer 1 des Neunten Sozialgesetzbuches. In der Praxis reicht grundsätzlich ein Schwerbehinderten-ausweis aus, also ab einem Grad der Behinderung von 50. Bei Fördermaßnahmen für schwerbehinderte Menschen sind ihnen gleichgestellte Menschen aber ebenfalls mit eingeschlossen.

Länderspezifische Förderprogramme

Darüber hinaus existieren weitere befristete Förderprogramme, die bundes- oder länderweit gelten wie zum Beispiel Job4000 oder JobPerspektive. Dazu gibt es hier einen sehr guten Überblick inklusive Links zu den einzelnen Maßnahmen. Darüber hinaus bieten manche Kommunen zusätzliche Maßnahmen an, so MyHandicap-Fachexperte Frank Opper. Diese müssen bei der örtlichen Arbeitsagentur erfragt werden.

Bei allen hier beschriebenen direkten Förderungsmaßnahmen ist die Rehabilitations-abteilung der örtlichen Agentur für Arbeit zuständig. Die Antragsformulare erhält man ebenfalls dort. Arbeitgeber, die sich zu den einzelnen Maßnahmen informieren möchten, können sich an die Servicenummer der Bundesagentur wenden: 01801 / 664466. Und zahlen Sie, liebe Arbeitgeber, noch die Ausgleichsabgabe oder beschäftigen Sie schon behinderte Arbeitnehmer?

Text: TMI

Fotos: Bundesagentur für Arbeit

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