Ausgleichsabgabe für Unternehmen

Junger Businessman sitzt am Schreibtisch über Papieren. (Bild: Benjamin Thorn/pixelio.de)
Arbeitgeber müssen gegenüber dem Integrationsamt selbstständig angeben, wie viele Mitarbeiter sie beschäftigen. (Bild: Benjamin Thorn/pixelio.de)

Private und öffentliche Arbeitgeber mit mindestens 20 Beschäftigten müssen Menschen mit Behinderung einstellen. Erfüllen sie die gesetzlich vorgeschriebene Quote von fünf Prozent nicht, wird eine so genannte Ausgleichsabgabe fällig.

Diese wurde 2016 angehoben. Pro unbesetzten Pflichtarbeitsplatz sind nun zwischen 125 und 320 Euro im Monat zu bezahlen. Das betrifft erstmals die Meldungen zum 31. März 2017.

Entscheidend für die Höhe der Ausgleichsabgabe ist, wie viele Menschen mit Behinderung ein Arbeitgeber im Jahresdurchschnitt beschäftigt hat. Liegt deren Anteil zwischen drei und weniger als fünf Prozent der Belegschaft, muss für jeden unbesetzten Pflichtplatz eine Ausgleichsabgabe von 125 Euro (bisher 115 Euro) pro Monat entrichtet werden.

Bei einer Beschäftigungsquote zwischen zwei und drei Prozent sind es 220 Euro (bisher 200 Euro), unter zwei Prozent 320 Euro (bisher 290 Euro).

Für kleinere Unternehmen gelten Sonderregelungen. Arbeitgeber mit weniger als 40 Beschäftigten müssen nur einen schwerbehinderten Menschen einstellen und bezahlen pro Monat 125 Euro, wenn sie diesen Pflichtplatz nicht besetzen. Arbeitgeber mit weniger als 60 Mitarbeitern müssen zwei schwerbehinderte Menschen beschäftigen. Sie bezahlen monatlich 125 Euro, wenn sie nur einen Pflichtplatz besetzen und 220 Euro wenn sie keinen Arbeitnehmer mit Handicap beschäftigen.

Vorderdruck eines Schwerbehindertenausweises, auf unbefristet ausgestellt. (Bild: MyHandicap)
Der Schwerbehindertenausweis muss im Job kein Nachteil sein. Mitarbeiter mit Handicap sind für Unternehmen oft eine große Bereicherung. (Bild: MyHandicap)

Ausbildungsplätze werden stark gewichtet

Unternehmen, die einen Menschen mit Behinderung ausbilden, können dafür zwei Pflichtplätze anrechnen. Wird der Betroffene anschließend in ein festes Beschäftigungsverhältnis übernommen, besteht diese Regelung im ersten Jahr fort. War ein Arbeitnehmer zuvor in einer Behindertenwerkstatt untergebracht und erhält nun eine reguläre Stelle, so gelten hierfür sogar bis zu drei Pflichtplätze als besetzt.

Die Höhe der Ausgleichsabgabe berechnet der Arbeitgeber selbst

Die Höhe der zu bezahlenden Ausgleichsabgabe wird vom Arbeitgeber selbst berechnet (Selbstveranlagung). Hierzu stehen das elektronische Anzeigeverfahren Elan sowie folgende Vordrucke der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung:

  • Anzeige zur Ermittlung der Beschäftigtendaten (§80 Abs. 2 SGB IX)
  • Verzeichnis der schwerbehinderten Beschäftigten (§ 80 Abs. 1 SGB IX)
  • Aufstellung der in Abzug gebrachten Werkstattaufträge (§140 SGB IX)

Die Meldung muss bis spätestens 31. März des Folgejahres abgegeben werden. Gleichzeitig wird die berechnete Ausgleichsabgabe an das zuständige Integrationsamt überwiesen.

Ausgleichsabgabe kommt behinderten Menschen zugute

Durch die Ausgleichsabgabe ist gewährleistet, dass Unternehmen, die keine behinderten Menschen beschäftigen, dennoch einen Beitrag zur Integration in den Arbeitsprozess leisten. Dabei wird auch berücksichtigt, dass Arbeitnehmer mit Handicap teilweise höhere Kosten verursachen, als gesunde Mitarbeiter - etwa durch zusätzliche Urlaubstage oder eine eventuell notwendige Anpassung des Arbeitsplatzes.

Die Ausgleichsabgabe darf nur für Zwecke verwendet werden, die die Teilhabe von Menschen mit Behinderung im Beruf verbessern. Hierzu zählen die finanzielle Förderung der Arbeitgeber, Beihilfen für den Beschäftigten sowie Integrationsfachdienste.

30 Prozent der Ausgleichsabgabe fließen in einen Ausgleichsfond, der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales aufgelegt wurde. Daraus werden überregionale Vorhaben zur Beteiligung schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben finanziert. Außerdem erhält die Bundesagentur für Arbeit daraus Geld zur Förderung von Arbeitnehmern mit Handicap.

Mitarbeiter mit Behinderung sind eine Bereicherung für das Unternehmen

Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung einstellen, leisten einen Beitrag zur Integration, der sich positiv auf das Unternehmen auswirken kann. Das trägt auch zum wirtschaftlichen Erfolg bei, zumal es einen Kundenkreis gibt, der bevorzugt die Produkte von Anbietern kauft, die sozialverantwortlich handeln.

Da sie weniger oder keine Ausgleichsabgabe bezahlen müssen, sparen Unternehmen durch die Beschäftigung von behinderten Mitarbeitern unmittelbar Geld. Außerdem können Arbeitgeber über einen Zeitraum von 36 Monaten bis zu 70 Prozent des Gehalts als Förderung erhalten. Bei Arbeitnehmern ab 55 Jahre sind es sogar 96 Monate.

Der finanzielle Anreiz sollte indes niemals die einzige Motivation sein, Mitarbeiter mit einem Handicap zu beschäftigen. Stattdessen ist es wichtig, die individuellen Fähigkeiten und Stärken des Einzelnen zu betrachten und zu fördern. Richtig eingesetzt und punktuell unterstützt sind Mitarbeiter mit Behinderung eine Bereicherung für jedes Unternehmen.

 

Text: Philipp Jauch - 04/2012, aktualisiert 05 / 2016

Bilder: pixelio.de, MyHandicap

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