Umzug an die Uni, was nun?

Ein Plakat mit der Aufschrift behindert. Der Wortteil "hindert" ist durchgestrichen und andere Begriffe als Ersatz daneben geschrieben etwa "herzt".
Johannes Hirsekorn, „Bereichernd“, Hochschule Anhalt, 26. DSW-Plakatwettbewerb „Studieren mit Behinderung oder chronischer Krankheit“ 2012

Die IBS zeigt angehenden und aktuellen Studierenden mit Beeinträchtigung, wo und wie sie Unterstützung erhalten.

Nach der aktuellen, 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks haben 7 Prozent aller bundesweit Studierenden eine studienerschwerende Beeinträchtigung. Hochgerechnet, auf Basis dieser Zahl aus 2012, stellen sich in 2017 für rund 200.000 Studierende mit Behinderung unterschiedliche Herausforderungen: Für die Einsteiger sind es viele Fragen zur Neuorientierung, für bereits Studierende sind es oftmals Fragen, die sich erst im Studienalltag ergeben. Mit der Entscheidung für einen bestimmten Studiengang ist zunächst meist ein Umzug verbunden. Weg von gewohnten Rahmenbedingungen aus dem vertrauten Umfeld hin zu neuen Anforderungen. Die Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung, kurz IBS, möchte allen aktuellen und angehenden Studierenden mit Beeinträchtigung helfen. Auf ihrer Internetseite bietet sie umfassende Informationen und ein Handbuch zum Thema „Studium und Behinderung“ als kostenfreien Download.

Welche Anwesenheitspflichten bestehen an meiner Uni? Was mach ich, wenn Fehlzeiten durch Therapietermine oder Krankenhausaufenthalte entstehen? Welche Ärzte und therapeutische Einrichtungen gibt es in der Nähe meiner Hochschule? Wo kann ich vor Ort eine Wohngemeinschaft finden, die mir einen einfachen und sicheren Weg zur Uni ermöglicht? Gibt es in den Hörsälen Barrieren für Sehbehinderte und welche für Rollstuhlfahrer? Welchen Nachteilsausgleich kann ich beantragen?

Diese, ähnliche und viele weitere Fragen und Sorgen kennt die IBS. Vor 35 Jahren wurde sie beim Deutschen Studentenwerk eingerichtet und setzt sich seit dem dafür ein, dass Menschen mit Beeinträchtigungen einen diskriminierungsfreien Zugang zur Hochschulbildung haben und mit gleichen Chancen studieren können.

Kompetente Aufklärung durch Erfahrung und Vernetzung

Die Angebote der IBS richten sich in erster Linie an Beauftragte für Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten und an die Berater bzw. Beraterinnen für Studentinnen und Studenten mit Beeinträchtigungen in den Hochschulen und Studentenwerken. Dazu gehören zahlreiche wie unterschiedliche Veranstaltungen, Fachtagungen, Qualifizierungsseminare und Infoberichte zu aktuellen Rechtslagen. „So ist eine sachgerechte, qualifizierte und stets aktuelle Beratung vor Ort möglich“, erklärt Dr. Christiane Schindler, Leiterin der IBS „natürlich können sich auch Studieninteressierte und Studierende an uns wenden, vor allem dann, wenn es vor Ort kein entsprechendes Beratungsangebot gibt. Aber,“ so Schindler, „wir ermutigen alle angehenden Studierenden mit Beeinträchtigungen dazu, sich direkt an die Beauftragten der Hochschulen und die Sozial- oder Behindertenberater des zuständigen Studentenwerks zu wenden. Sie sind offen und fit für alle Fragen. Sie kennen die einzelnen Problemstellungen und Anforderungen der jeweiligen Wunsch-Hochschule am besten. Sie wissen auch um die Unterstützungsangebote, die es an der Hochschule gibt.“

Eine Liste der Beraterinnen und Berater in Hochschulen und Studentenwerken findet man online über www.studentenwerke.de/de/content/kontakt-für-studierende-mit-beeinträchtigung. Oft können aber auch schon die Berater der Arbeitsagentur am noch aktuellen Wohnort erste nötige Orientierung und Aufklärung bei Berufswahl- und Studienwahlentscheidungen geben.

Die Absolventinnen und Absolventen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen haben später bei der IBS zusätzlich die Möglichkeit, ein Seminarangebot für den Berufseinstieg wahrzunehmen. (Infos & Termine unter www.studentenwerke.de/de/content/veranstaltungen-und-weiterbildungen-der-ibs)

Flexibilisierung als inklusives Studienkonzept von morgen

Dr. Christiane Schindler, Leiterin der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) des Deutschen Studentenwerks
Dr. Christiane Schindler, Leiterin der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) des Deutschen Studentenwerks. Foto: Dr. Schindler

„Für die Zukunft“, so die Leiterin der IBS, „sehen wir es vor allem als unsere Aufgabe an, Hochschulen in Deutschland in ihrem Perspektivwechsel zu unterstützen. Dabei geht es darum, dass Hochschulen es sich stärker als Ganzes, das heißt von der Chefetage bis hin zum einzelnen Lehrenden, zu ihrer Aufgabe machen, die Situation der Studierenden mit Beeinträchtigungen zu verbessern. Noch liegt die Verantwortung für den Ausgleich der Studienerschwernis zumeist bei den Studierenden selbst. Zugleich geht es darum, dass Hochschulen sich dem Thema ´Studieren mit Beeinträchtigungen´ konzeptionell stellen. Bisher setzen sie fast ausschließlich auf Einzelfalllösungen. Wir brauchen aber mehr strukturelle Veränderungen zum Beispiel in Form der Flexibilisierung des Studienverlaufs. Konkret könnte dies beispielsweise bedeuten“, erläutert Dr. Christiane Schindler, „dass die Studierenden die Anzahl der zu belegenden Module je Semester selbst festlegen und Prüfungstermine flexibel und unkompliziert verschoben werden können. Darüber hinaus wäre es notwendig, dass sich Hochschulen insgesamt zu einer inklusiven Hochschule entwickeln, in der nicht allein bauliche Barrieren, sondern auch organisatorische, kommunikative und didaktische Barrieren abgebaut werden. Gerade im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung von Lehrmitteln und -methoden halte ich es für wichtig, auch hier inklusive Konzepte zu erarbeiten. Eine spannende Herausforderung für alle Beteiligten. Aber dafür sind wir letztlich angetreten. Das Ziel ist es, tatsächliche Chancengleichheit an den Hochschulen zu ermöglichen.“

Jetzt klicken, downloaden, informiert sein

Alles Wissenswerte über die IBS, ihre Aufgaben und Kontaktstellen gibt es unter www.studentenwerke.de/de/content/die-ibs-stellt-sich-vor. Unbedingt empfehlenswert ist hier vor allem „Das Handbuch/ Studium und Behinderung“, das per Klick zum Downloaden zur Verfügung steht und auch als 264-seitenstarkes Druckexemplar kostenfrei bestellt werden kann. Ob Tipps zur Studienvorbereitung, Infos zu Zulassung und Organisation des Studienalltags, Wissenswertes zum Thema Finanzierung des Lebensunterhalts oder Ratgeber zu den Fragen „Nachteilsausgleiche im Studium und in Prüfungen“ – dieses Handbuch hält alle Antworten von A bis Z parat und gehört auf jeden Schreibtisch von Studieninteressierten mit Beeinträchtigungen.

Wer möchte, kann sich ebenfalls über www.studentenwerke.de/de/content/postkarten-studium-und-behinderung noch sechs Postkarten mit Motiven aus dem 26. Plakatwettbewerb „Studieren mit Behinderung oder chronischer Krankheit“ des Deutschen Studentenwerks (DSW) bestellen. Ein Klick in die Bildergalerie lohnt sich!

Text: Inka Hohaus