Barrierefreies Wohnen während des Studiums

Ein Schild mit der Aufschrift barrierefreier Zugang, darunter ein Pfeil nach rechts und ein Rollstuhlfahrersymbol.
Die barrierefreie Zugänglichkeit kann nicht nur an der Hochschule, sondern auch bei der Wohnungssuche entscheidend sein. Foto: pixabay.com

Gerade zu Semesterbeginn besteht immer wieder eine große Nachfrage nach möglichst preisgünstigen und hochschulnahen Wohnungen. Bei Menschen mit Behinderung hingegen schränken zusätzliche Anforderungen bei der Wohnungssuche das ohnehin schon begrenzte Angebot an Wohnraum weiter ein. Ratsam ist daher abermals das frühzeitige Suchen nach einer Wohnung, die die gewünschten Kriterien erfüllt.

Neben den barrierefreien Einrichtungen am jeweiligen Hochschulort können ebenso die behindertengerechten Ansprüche an eine  Wohnung für Studieninteressierte oder Studierende mit Handicap von großer Bedeutung sein. Entscheidende Kriterien bei der Wohnungssuche sind dabei häufig die Anbindung zum Campus, die hindernisfreie Zugänglichkeit sowie die behindertengerechte Ausstattung einer Wohnung.

Um rechtzeitig vor dem Studienbeginn eine geeignete Wohnung zu finden, ist vorab eine Kontaktaufnahme mit dem Studentenwerk bzw. den Beraterinnen und Beratern für Studierende und Studieninteressierte mit Behinderung zu empfehlen.

Studierendenwohnheime mit barrierefreien Wohnmöglichkeiten

„In den vergangenen fünf Jahren, seit 2011 (doppelte Abiturjahrgänge), ist die Anzahl der öffentlich geförderten Wohnheimplätze um rd. 14.300 auf nun 239.934 gestiegen, davon bewirtschaften die Studentenwerke mit rd. 191.000 Plätzen ca. 80%“, teilt das Deutsche Studentenwerk (DSW) in der letztjährigen Wohnraumstatistik mit. Ebenfalls ist der Anteil an Wohnplätzen, die von Rollstuhlbenutzer/innen beansprucht werden können, im Vergleich zum Vorjahr auf eine Gesamtanzahl von 1.816 gestiegen (Stand: 2016). Insbesondere in den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen können Rollstuhlbenutzer/innen von den zusätzlich geschaffenen, barrierefreien Wohnräumen profitieren.

Dennoch besagt die statistische Erhebung des Deutschen Studentenwerks auch, dass nur rund jeder zehnte Studierende in Deutschland in einem Wohnheim einzieht. Daher sollten sich gerade Studieninteressierte mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten rechtzeitig beim Studierendenwerk oder auf der Internetseite der Hochschule erkundigen, welche barrierefreien Zimmer oder Wohnungen aktuell zur Verfügung stehen.

Bevorzugung bei der Vergabe von Wohnheimplätzen nutzen

Front eines Wohnheim. Foto: pixabay.com
Immer mehr Studierendenwohnheime bieten barrierefreie Wohnungen an. Foto: pixabay.com

Vielerorts werden Studierende, die auf die Barrierefreiheit von Räumlichkeiten angewiesen sind, bei der Vergabe von Zimmern oder Appartements bevorzugt. Daher sollte bei der zuständigen Wohnheimverwaltung erfragt werden, welche Formalitäten bei der Beantragung des gewählten Wohnraums beachtet werden müssen. Außerdem sollte ausfindig gemacht werden, ob gegebenenfalls Nachweise von der Verwaltung eingefordert werden, die eine Behinderung oder chronische Erkrankung schriftlich bestätigen. Sind diese vergleichsweise kleinen Hürden gemeistert, kann eine Bevorzugung beansprucht werden.

Darüber hinaus ist Menschen mit Handicap immer eine Begutachtung der Räumlichkeiten der Hochschule und deren Campus zu empfehlen, sofern dies vorab möglich ist. Bei einem Besuch vor Ort kann häufig besser eingeschätzt werden, ob die Zugänglichkeit und die Ausstattung des Zimmers bzw. der Wohnung den Anforderungen gerecht werden.

Wohnraum mit Assistenz

Je nach Grad der Behinderung kann eine zeitweise oder dauerhafte Assistenz notwendig sein. Dies kann unmittelbare Auswirkungen auf die Wohnungssuche haben, da die Unterbringungsmöglichkeiten einer Pflege- oder Assistenzkraft berücksichtigt werden müssen. So betreut beispielsweise das Studentenwerk Marburg ein integratives Wohnheim, in dem alle Zimmer zweckmäßig für Rollstuhlbenutzer/innen eingerichtet sind. Dazu wird ein dauerhaftes Pflegeteam bereitgestellt, dass die pflegebedürftigen Bewohner/innen bei Bedarf unterstützt.

Tipps für die Suche nach einer eigenen Wohnung

Sollte die Größe eines Zimmers bzw. einer Wohnung in einem Studierendenwohnheim nicht ausreichend sein oder aus anderen Gründen eine eigene Wohnung bevorzugt werden, kann das Kontaktieren des örtlichen Wohnungsamts nützlich sein. Häufig können die Ämter Wohnungen vermitteln, die in den gängigen Online-Wohnungsbörsen nicht inseriert sind. Überdies ist zu einer Anfrage bei der oder dem Behindertenbeauftragten der Stadtverwaltung anzuraten, da dort Informationen über die örtlichen Wohnmöglichkeiten für beeinträchtigte Menschen eingeholt werden können. 
 
Text: Valentin Wyremba