So gelingt die Inklusion gesundheitlich eingeschränkter Menschen am Arbeitsplatz

Befähigen anstatt ausbremsen – dieses Motto sollte für Arbeitgeber bei der Inklusion von Menschen mit einem Handicap gelten.

Fast zehn Millionen Menschen haben in Deutschland eine körperliche oder geistige Einschränkung. Statistisch gesehen sind diese Menschen mit Handicap hoch qualifiziert und stellen aus gesamtwirtschaftlicher Sicht mehr Fachkräfte als nicht-schwerbehinderte Arbeitnehmer. Für Kollegen und Arbeitgeber stellt die Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Herausforderung dar. Es scheitert oftmals am notwendigen Wissen oder an barrierefreien Arbeitsplätzen, die notwendig sind, um den Arbeitnehmern mit einem Handicap dieselben Bedingungen für die Arbeit zu ermöglichen. Hinzu kommt die soziale Komponente. Kollegen haben oft Angst, im Umgang mit ihren schwerbehinderten Mitarbeitern etwas falsch zu machen. Wir verraten, worauf Kollegen aus sozialer Sicht achten sollten.

Menschen mit Handicap freuen sich im Arbeitsalltag über Unterstützung

Schätzungsweise leben rund 7,6 Millionen schwerbehinderte Menschen in Deutschland. Den Zahlen des statistischen Bundesamtes zufolge sind die meisten schwerbehinderten Menschen älter als 75 Jahre, knapp die Hälfte ist über 55 Jahre alt. Viele Menschen sind nicht von Geburt an eingeschränkt, sondern erst im Laufe des Lebens infolge einer Krankheit. Für Kollegen gilt es, diesen Umstand beim täglichen Umgang mit gesundheitlich eingeschränkten Mitarbeitern zu berücksichtigen, aber den Betroffenen nicht von selbst auf die Hintergründe anzusprechen. Es ist sinnvoller, auf die Initiative des Kollegen zu warten.

Menschen mit Handicap sind für andere Arten von Anteilnahme dankbar und wünschen sich keine Sonderbehandlung. Kollegen können ihre Anteilnahme ausdrücken, indem sie Unterstützung anbieten und dem anderen einen kleinen Gefallen tun, der ihm den Alltag erleichtert. Sofern beispielsweise bekannt ist, dass der andere Kollege gerne Pflanzen mag, ist eine mitgebrachte Pflanze für die Fensterbank eine schöne Überraschung. Ist der Arbeitskollege beispielsweise Allergiker und reagiert empfindlich auf Pollen, Staub oder unangenehme Gerüche, ist ein leistungsfähiger Luftreiniger im Büro eine hervorragende Lösung, um frischere Luft zu atmen. Von der hohen Reinigungswirkung des Geräts profitieren grundsätzlich alle Mitarbeiter, die ihre Lebensqualität infolge der gründlichen Filterung der Luft erheblich verbessern. Auch Menschen, deren Handicap auf eine Lungenerkrankung wie etwa COPD, der Chronic Obstructive Pulmonary Disease, zurückzuführen ist, profitieren von gereinigter Luft.

Kollegen mit einem Handicap freuen sich, wenn sich Mitarbeiter respektvoll, aber ihnen gegenüber normal verhalten.
(pixabay.com © geralt (CC0 Creative Commons)

Personen mit Handicap stets in Gespräche und Entscheidungen integrieren

Inklusion ist ein Grundrecht des Menschen. Jeder hat das Recht, so zu sein, wie er ist. Kollegen sollten im Arbeitsalltag mit Respekt, aber ohne unnötige Barrieren interagieren. Einige Arbeitgeber, die zuvor keine schwerbehinderte Person in ihrem Unternehmen beschäftigten, agieren oft verunsichert und wissen nicht, welche Maßnahmen richtig sind, um die Arbeitnehmer zu fördern. Für Menschen mit einem Handicap ist es wichtig, bei allen Prozessen miteinbezogen und stets persönlich angesprochen zu werden, wenn es um Belange geht, die sie betreffen. Die bewusste Integration hat wiederum einen positiven Effekt auf die Arbeitsleistung. Jedoch hat jeder Mensch mit einer Behinderung unterschiedliche Bedürfnisse, die es zu berücksichtigen gilt.

Besser zu viel, als zu wenig kommunizieren

Kommunikation ist im Berufsleben das A und O. Dies gilt für gesundheitlich eingeschränkte Menschen ganz besonders, beispielsweise dann, wenn sie eine Hörschwäche haben oder blind sind. Dann ist es besser „zu viel“ zu kommunizieren, als zu wenig zu sprechen. Die blinde Person fühlt sich wohl und in den Arbeitsalltag eingebunden, wenn sie über alle Abläufe Bescheid weiß und sich in das Gespräch eingebunden fühlt. Sofern während des Arbeitstages ein Ortswechsel stattfindet, kann ein Kollege gern seine Hilfe anbieten und den Blinden zu den Räumen begleiten. Im Zweifelsfall ist es immer eine gute Lösung, den Kollegen nach seinen Vorstellungen zu fragen und die Kommunikation für beide Seiten passgenau zu gestalten.

Die natürliche Distanz einhalten

Wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, gibt es gemeinhin einen Sicherheitsabstand, der als höflich und angemessen gilt. Besonders für eingeschränkte Menschen hat die erwünschte Distanz eine große Bedeutung. Es ist auch für Menschen mit einem Handicap ein zwischenmenschliches Vergehen, wenn Kollegen sie ungefragt berühren oder nicht notwendige Hilfsmittel anbieten. Für Blindenhunde gilt: Sie sind bei der Arbeit und wollen nicht gestört werden. Kollegen sollten akzeptieren, wenn sie den Blindenhund nicht streicheln und anfassen dürfen.

Gewohnte Redewendungen gebrauchen

Im Umgang mit behinderten Menschen im Arbeitsleben ist es nicht notwendig, auf bestimmte Redenwendungen zu verzichten, solange diese fair und anständig sind. Es ist erlaubt, blinde Menschen mit „Auf Wiedersehen“ zu verabschieden und mit Rollstuhlfahrern „einen Spaziergang“ zu machen. Andere Redewendungen, die auf die Behinderungen als solche abzielen, sind zu unterlassen. Auch wenn diese im täglichen Sprachgebrauch üblich sind, könnten sie den gesundheitlich eingeschränkten Kollegen kränken oder beleidigen. Verantwortungsbewusste Mitarbeiter sollten im täglichen Betrieb auf keinen Fall diskriminierende Äußerungen von anderen tolerieren und in solchen Fällen den Betriebsrat informieren.  

Im Arbeitsleben sollten alle Menschen – unabhängig von der Nationalität oder Behinderung – gleich behandelt werden.
pixabay.com © Free-Photos (CC0 Creative Commons)

Achtung vor falschen Verwendungen und Diskriminierungen

Falls das Handicap zur Sprache kommt, ist große Sorgfalt angebracht. Für einen Menschen mit Handicap gibt es nichts Schlimmeres, als fehlerhafte Informationen zu seiner Einschränkung zu erfahren. So sind gehörlose Menschen nicht stumm, da sie trotzdem kommunizieren – zwar nicht über die gewöhnliche Sprache, aber mithilfe von Gebärdensprache. Falsche Begriffe gilt es, tunlichst zu vermeiden, etwa beim „Down Syndrom". „Mongolismus“ ist ein Begriff, den Menschen weiterhin verwenden, er ist aber diskriminierend und sollte nicht ausgesprochen werden.

Blickkontakt halten

Augenkontakt ist höflich und vermittelt Respekt. Dies gilt grundsätzlich für alle Kollegen und Mitarbeiter, selbstverständlich auch für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Schwerhörige Menschen lesen beispielsweise viel anhand der Mimik und Gestik des Gegenübers ab – dann ist es umso wichtiger, die Person anzusehen und sich nicht während des Gespräches mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Mitarbeiter mit einem Handicap bereichern mit ihrer Charakterstärke den Arbeitsalltag

Eine gesundheitliche Einschränkung ist nur ein kleines Puzzleteil im großen Ganzen. Menschen, die ein Handicap haben, weisen ebenso viele liebeswerte und facettenreiche Eigenschaften auf wie es bei Menschen ohne körperliche oder geistige Einschränkungen der Fall ist. Im Unternehmen profitieren Arbeitgeber von Mitarbeitern mit einem Handicap. Sie sind es gewohnt, allen Herausforderungen zu trotzen, zeigen sich im Arbeitsalltag oftmals überdurchschnittlich motiviert und leistungsbereit und bereichern das Betriebsklima mit kreativen, offenen und flexiblen Denkweisen, von denen die anderen Mitarbeiter lernen können.

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!

Links zu diesem Artikel