Inklusion in der Berufspraxis: Wie das gelingen kann

Buchcover von "Berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderung" (Bild: Center for Disability and Integration)
Der neue Ratgeber zeigt anhand einer großen Vielfalt an Best- Practice-Beispielen, was möglich ist. (Bild: CDI)

Das Center for Disability and Integration stellt ein neues Buch vor: „Berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderung – Best Practices aus dem ersten Arbeitsmarkt“. Ein Mut machender Ratgeber für Unternehmer und Personaler.

Frau B. ist seit 15 Jahren fast vollständig gehörlos und hat Probleme durch Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates. Vor Beginn ihrer körperlichen Einschränkungen war sie als gelernte Schneiderin selbstständig, doch das war eines Tages nicht mehr möglich. Mit einem Grad der Behinderung von 80 hatte Frau B. große Schwierigkeiten, eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt zu finden.

So wie Frau B. ergeht es einem großen Teil der Menschen mit Behinderung – sie sind im Vergleich zu Menschen ohne Behinderung mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Arbeitsmarkt inaktiv (Europäische Kommission, 2011).

Demgegenüber stehen jedoch zahlreiche Unternehmen, die aktiv die berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderung vorantreiben und unter Gesichtspunkten des demografischen Wandels und der Diversität nicht mehr auf diese wichtige Ressource potenzieller Beschäftigter verzichten wollen. In einschlägigen Ratgebern für Personalmanagement findet diese wachsende Herausforderung für Unternehmen allerdings bisher kaum Beachtung.

Berufliche Inklusion heute anhand von Beispielen

Das Center for Disability and Integration (CDI) der Universität St. Gallen gibt zu diesem Thema nun ein Buch heraus. Unter dem Titel „Berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderung“ finden Führungskräfte, Personalverantwortliche und Interessierte eine große Vielfalt an Best-Practice-Beispielen.

Kleine, mittelständische und große Organisationen aus verschiedensten Branchen und Regionen zeigen darin auf, wie es ihnen konkret gelingt, Mitarbeiter mit körperlichen oder psychischen Einschränkungen in den Arbeitsalltag zu integrieren. Das Buch orientiert sich dabei an den zentralen Handlungsfeldern des Personalmanagements: Rekrutierung, Arbeitsplatzgestaltung / -anpassung, Arbeitszeitmodelle, Weiterbildung und Karrieremanagement, Gesundheitsmanagement sowie Führung und Kultur.

Erfolgsmodelle aus der Praxis

Eines der Beispiele ist das Best Western Hotel „Am Straßberger Tor“ in Plauen (Deutschland). In der Wäscherei dieses „Integrationshotels“ hat Frau B. einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Durch einige wenige Arbeitsplatzanpassungen, zum  Beispiel eine Lichtsignalanlage für die Anzeige des Kundenrufs, ist es Frau B. nun wieder möglich, eine sinnvolle Arbeit auszuüben, von der sowohl sie selbst als auch ihr Arbeitgeber profitieren.

Weitere inspirierende Praxisbeispiele in diesem Buch sind unter anderem die Asperger Informatik AG (Zürich), die Mitarbeiter mit Asperger-Autismus in der Informatikbranche beschäftigt, die AUDI AG (Ingolstadt), die Lösungen für die Integration von Mitarbeitern mit Einschränkungen in die taktgebundenen Fertigung gefunden hat oder auch das Projekt „ProBAs“ des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen, bei dem schwerbehinderte Bachelor-Absolventen eine Chance zum Einstieg in das Berufsleben finden.

Behinderte Arbeitnehmer sind unverzichtbare Ressourcen

Eingerahmt werden diese praxisorientierten Beispiele vom betriebs- sowie volkswirtschaftlichen Knowhow des Centers for Disability and Integration. Unter anderem wird  beleuchtet, welche Rolle modernes Personalmanagement bei der beruflichen Inklusion übernehmen kann und wie unterschiedliche politische Ansätze zur Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderung zu bewerten sind.

"Berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderung: Best Practices aus dem ersten Arbeitsmarkt". Erschienen im Verlag Springer Gabler, ISBN: 978-3-642-34783-2, bestellbar zum Beispiel über die Internetseite des Verlags oder über Amazon.

Das Buch zeigt auf, dass es unterschiedliche Motivationen und Wege gibt, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Gemeinsam ist den vielen vorgestellten Ansätzen, dass neben den Mitarbeitern selbst auch die Unternehmen sowie die Gesellschaft einen Vorteil aus der Inklusion ziehen. Das Buch will damit vor allem Praktikern Mut machen, bestehende Vorurteile abzubauen und die Potenziale einer von Vielfalt und Diversität geprägten Belegschaft zu nutzen.

 

Text: Stephan Böhm – 10/2013

Bild: Center for Disability and Integration

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