Ausbildung im Berufsbildungswerk

Eine Tafel mit der Aufschrift Wissen, Theorie und Praxis. (Foto: Gerd Altmann/Carlsberg1988/pixelio.de)
Berufsbildungswerke vermitteln den Auszubildenden mit einer Behinderung umfangreiches Wissen in Theorie und Praxis. (Foto: Gerd Altmann/Carlsberg 1988/pixelio.de)

Die Eingliederung von Jugendlichen mit einer Behinderung in den Arbeitsmarkt ist eine große Herausforderung. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Berufsbildungswerke. Sie dienen der Erstausbildung und Berufsvorbereitung von physisch oder psychisch beeinträchtigten und benachteiligten jungen Menschen.

Bei den bundesweit 52 Berufsbildungswerken handelt es sich um Einrichtungen, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit besonderem Unterstützungsbedarf eine Ausbildung oder zum Teil auch Weiterbildung ermöglichen. Finanziert werden die Berufsbildungswerke hauptsächlich durch die Bundesagentur für Arbeit. Derzeit werden mehr als 14.000 junge Menschen mit Behinderung in über 200 verschiedenen, staatlich anerkannten Berufen ausgebildet.

Berufsbildungswerke mit breitem Angebot

Neben Berufen, die für Beeinträchtigte wie Nichtbeeinträchtigte gleichermaßen geeignet sind, können in Berufsbildungswerken auch spezielle Berufe für beeinträchtigte Menschen erlernt werden. Weiter bieten die Berufsbildungswerke Förderlehrgänge, Maßnahmen zur Berufsfindung, Arbeitserprobung und zum Teil auch blindentechnische und vergleichbare Grundausbildungen an. Des Weiteren tragen sie zur persönlichen, sozialen und gesellschaftlichen Integration bei.

Individuell festgelegte Ziele und Maßnahmen

Berufsbildungswerke sind auf die unterschiedlichen Behinderungsarten und deren Auswirkungen eingestellt. Entsprechend sind die Ausbildungen ganz auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen ausgerichtet. Die Ziele und Betreuungsmaßnahmen werden individuell festgelegt und umgesetzt. Unterstützt, betreut und beraten werden die Jugendlichen mit Behinderung durch spezialisierte Teams von Ärzten, Psychologen und Sozialpädagogen.

Ein Handwerker bei der Arbeit. (Alexander Hauk/bayern-nachrichten.de/pixelio.de)
In den bundesweit 52 Berufsbildungswerken werden derzeit mehr als 14.000 junge Menschen mit Behinderung ausgebildet. (Alexander Hauk/bayern-nachrichten.de/pixelio.de)

Besuch der Berufsschule und praktische Ausbildung

Die Ausbildung erfolgt nach den Regelungen des Berufsbildungsgesetzes und der Handwerksordnung. Die Ausbildungsstruktur der Berufsbildungswerke sieht den Besuch der Berufsschule vor, wo die Auszubildenden fachtheoretische, praktische und allgemeinbildende Inhalte erlernen. Der Praxis-Teil sieht eine praktische Ausbildung in Ausbildungswerkstätten und Übungsbüros statt. Um Erfahrungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sammeln zu können, sieht die Ausbildung mindestens ein mehrwöchiges - oder im Rahmen der sogenannten verzahnten Ausbildung auch längeres - Betriebspraktikum vor.

"Verzahnte Ausbildung"

Bei der verzahnten Ausbildung mit Berufsbildungswerken handelt es sich um ein inklusives Ausbildungsmodell, das mittlerweile ein Regelangebot der Berufsbildungswerke ist. Hier findet die Ausbildung von jungen Menschen mit Behinderung in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft statt. Die jungen Menschen mit Behinderung absolvieren dabei bis zu 12 Monate ihrer Ausbildung in einem Kooperations-Unternehmen.

Vorteile für Unternehmen

Die Ausbildung ist somit nicht nur für die Jugendlichen wichtig für die spätere Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Unternehmen bieten sich ebenfalls viele Möglichkeiten: Sie zeigen gesellschaftliches Engagement, sichern sich soziale Vielfalt im Betrieb - Stichwort Diversity Management -, gewinnen das Potenzial wertvoller Mitarbeiter und wirken überdies dem zunehmenden Fachkräftemangel in zahlreichen Berufen entgegen.

Das Risiko für die Betriebe ist dabei überschaubar, denn sowohl die Jugendlichen als auch die Unternehmen werden während dieser Zeit durch die Berufsbildungswerke unterstützt. Und auch während der betrieblichen Phasen bleiben die Berufsbildungswerke für die Ausbildung verantwortlich. Außerdem müssen die Unternehmen weder die Kosten für die Ausbildungsvergütung noch für die Sozialversicherung übernehmen. Es gibt also viele Gründe für Unternehmen, Zielgruppen wie junge Menschen mit Behinderung in ihrer Berufsbildung zu unterstützen.


Text: Patrick Gunti - 04/2013

Fotos: pixelio.de

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