Beruflicher Wiedereinstieg nach einem Unfall oder Krankheit – Welche Möglichkeiten gibt es?

Möglichkeiten zur Unterstützung und Erleichterung, wie eine berufliche Wiedereingliederung durch Qualifikation, eine vorrübergehende Teilzeitarbeit oder ein sanfter Stufenplan zur Entlastung, können den Prozess der Rückkehr in ein normales Arbeitsleben deutlich angenehmer gestalten.
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Ein schwerer Unfall oder eine längere Krankheit kommen meist unerwartet und führen oft dazu, dass auch der Beruf für eine ganze Weile nicht mehr ausgeführt werden kann. Umso länger die Heilung in Anspruch nimmt umso schwieriger wird meist auch der Wiedereinstieg in das Arbeitsleben.

Vor allem eventuelle Folgeschäden der Erkrankung können das Wiedersaufnehmen der Tätigkeit kompliziert gestalten. Um dabei Unterstützung zu erhalten und sich gegebenenfalls auch für ein neues Berufsfeld zu qualifizieren, gibt es viele Wege. Was sind die Möglichkeiten?

Der erste Schritt in einen neuen Beruf

Wenn eine Verletzung oder Krankheit zu einem langen Arbeitsausfall geführt hat, herrscht nach der Genesung oft der Wunsch endlich wieder zu seinem Job zurückkehren zu können.

Vor allem wenn dies nach dem Unfall aber nicht mehr möglich ist und ein neuer Berufszweig gewählt werden muss, stehen viele vor einer großen Ratlosigkeit. Eine ausführliche Beratung ist daher ein sinnvoller erster Schritt auf dem Weg zurück ins Arbeitsleben.

Eine professionelle berufliche Wiedereingliederung hilft nicht nur dabei sich einen allgmeinen Überblick zum Thema Wiedereinstieg in den Job zu verschaffen, sie ermöglicht auch individuelle Informationen zu den Möglichkeiten, die in der jeweiligen Situation in Frage kommen und Sinn machen.

Verschiedene Anbieter bieten im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation sowohl landbasierte als auch Online – Kurse an, in denen ein geschulter Berater die besten Optionen heraussucht und erklärt.

In persönlich zugeschnittenen Coachings wird auf den Wiedereinstieg in die Berufswelt vorbereitet und es  können Schulungen zu berufsrelevanten Themen, Bewerbungen oder sogar zu Themen wie Selbstmanagement und Stressbewältigung besucht werden.

Durch umschulungsartige Kurse kann sich unter Beachtung des individuellen Könnens auf eine neue Branche vorbereitet werden. Wenn beispielsweise bisher als Stärken gegoltene Fähigkeiten aus gesundheitlichen Gründen nun nicht mehr zugänglich sind, können mithilfe einer erfahrenen Fachkraft andere Stärken herausgefiltert und ausgebaut werden.

 Auch neue Kenntnisse oder ein alternatives Nutzen von Fähigkeiten können sich durch die Unterstützung angeignet werden. Es ist möglich, Zertifikate der Qualifikation zu erhalten und somit trotz gesundheitlicher Einschränkung einen hohen Wert auf dem Arbeitsmarkt beizubehalten.

Da die dazugehörigen Kurse individuell auf die jeweilige Person und ihre derzeitige Situation ausgerichtet sind, finden sie meist als Einzelkurse statt und können in vielen Fällen von der Krankenkasse oder entsprechenden Instituten gefördert werden.

Kein Sprung ins kalte Wasser

Nach längerem Aussetzen vom Job kann einem das Arbeiten am Anfang deutlich härter als zuvor vorkommen. Vor allem wenn nach dem Unfall oder der Krankheit ein neuer, bislang nie ausgeführter Beruf aufgenommen werden muss ist das mit viel Druck verbunden.

Neue Kollegen, neue Abläufe und neue Programme und Systeme können schnell zur Überforderung führen. Die Arbeitsstunden ziehen sich unaushaltbar in die Länge und schon vor der ersten Pause ist keine Energie mehr übrig. Aber auch im alten Job können solche Komplikationen nach einem sehr langen Ausfall auftreten. Tatsächlich ist dies nicht nur Heulerei, sondern kann im Schlimmstfall sogar zu einem weiteren Gesundheitsrisiko werden und zu einem Rückfall führen.

Um den Wiedereinstieg weniger qualvoll zu gestalten, gibt es mehrere anerkannte Modelle, die sich insbesondere auf ein langsames Zurückkommen in den Job konzentrieren.

Die Wiedereingliederungsteilzeit

Seit dem Jahr 2017 gibt es die sogenannte „WIETZ“. Dabei handelt es sich um die Wiedereingliederungsteilzeit, welche einen behutsamen Berufseinstieg in den alten Beruf ermöglichen soll, indem die Arbeitszeit zu Beginn reduziert wird.

Es besteht bislang noch kein rechtlicher Anspruch auf die WIETZ - der Arbeitgeber entscheidet über die Erlaubnis zur Einführung dieser Option. Auch das Ausmaß der Arbeitszeits - Kürzung muss gemeinsam mit dem Arbeitgeber beschlossen werden. Es ist zu beachten, dass nicht nur die Arbeitsstunden gekürzt werden, sondern im selben Verhältnis auch das Gehalt gekürzt werden darf. Wird beispielsweise nur dreiviertel der normalen Arbeitszeit gearbeitet, werden auch nur noch dreiviertel des dementsprechenden Gehalts ausgezahlt.

Damit der gesundheitsschonende Wiedereinstieg in das Arbeitsleben nicht zu finanziellen Problemen führt, kann von der Krankenkasse ein vorübergehendes Wiedereingliederungsgeld beantragt werden. Um sich für die WIETZ zu qualifizieren müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt werden können. Dazu gehört zum Beispiel, dass die betroffene Person wieder vollkommen arbeitsfähig sein muss und keine Folgeschäden aufweist, die das Ausführen der gefragten Tätigkeit behindern könnten.

Zudem ist die WIETZ erst dann beantragbar, wenn der Zeitraum der Arbeitsunfähigkeit mindestens sechs Wochen betrug und das Arbeitsverhältnis bereits seit mindestens drei Monaten ununterbrochen aufrecht besteht.

Das „Hamburger Modell“

Ebenfalls mit einer Reduzierung der Arbeitszeit arbeitet das „Hamburger Modell“.

Diese eignet sich sowohl für den Wiedereinstieg in den alten Beruf, als auch für das Aufnehmen eines neuen Berufes. Der Unterschied zur WIETZ ist dabei aber folgender: Beim Hamburger Modell handelt es sich um eine Art Stufenplan, der nicht nur vom Arbeitgeber bestimmt wird, sondern in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt erstellt wird.

Zunächst wird in einer ausführlichen Medizinischen Untersuchung festgestellt, ob und wie stark die betroffene Person wieder belastbar ist und wie viele Arbeitsstunden pro Woche angemessen sind. Es kann sich dabei um nur wenige Stunden pro Woche bis hin zu einer fast normalen Arbeitszeit handeln. Auch die Schwierigkeit der auszuführenden Tätigkeiten kann im Stufenplan bestimmt werden.

Um eine Überlastung zu vermeiden, können beispielsweise nur körperschonende, leichte Arbeiten ausgeführt werden. Die länge der Maßnahme kann variieren, der Stufenplan darf jedoch maximal ein halbes Jahr lang beanspruchen.

Um zusätzlich ausreichend Flexibilität im Falle von Unwohlsein zu ermöglichen, wird das Gehalt währenddessen nicht vom Arbeitgeber ausgezahlt. Stattdessen kann Krankengeld von der Krankenkasse erhalten werden. Dadurch entsteht gleichzeitig auch ein Schutz vor Kündigung, denn der Arbeitgeber erhält eine kostenlose Arbeitskraft und verliert kein Geld, wenn diese mal nicht zur Arbeit erscheinen kann oder früher nach Hause gehen muss.

Fazit

Der berufliche Wiedereinstieg ist vor allem nach Vorfällen wie einem Unfall oder einer Krankheit ,deren Genesung viel Zeit in Anspruch nimmt, eine große Herausforderung und wird sogar noch komplizierter, wenn aus gesundheitlichen Gründen eine neue Tätigkeit aufgenommen werden muss.

Möglichkeiten zur Unterstützung und Erleichterung, wie eine berufliche Wiedereingliederung durch Qualifikation, eine vorrübergehende Teilzeitarbeit oder ein sanfter Stufenplan zur Entlastung, können den Prozess der Rückkehr in ein normales Arbeitsleben deutlich angenehmer gestalten. Außerdem schützen diese Methoden insbesondere vor Rückfällen oder Folgeerkrankungen durch Überfoderung und psychischer Überlastung.