Integrationsunternehmen bilden ein starkes Netzwerk

Das Logo der Bundearbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen e.V.

Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft zu integrieren bedeutet auch, ihnen Arbeit zu geben. Die mehr als 800 Integrationsunternehmen in Deutschland  zeigen, dass es möglich ist, Menschen mit Handicap in den „allgemeinen Arbeitsmarkt“ zu integrieren. Deren Dachorganisation, die Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen e.V., leistet dabei wichtige Unterstützung.

Dass Menschen mit Behinderung in der „freien Wirtschaft“ arbeiten, ist noch immer etwas Besonderes. Nach wie vor ist die Mehrheit der schwerbehinderten Menschen in einer sogenannten „Werkstatt für behinderte Menschen“ beschäftigt. Das sind spezielle Einrichtungen zur Integration, wobei die Beschäftigten sozialrechtlich den Status von „Rehabilitanden“ haben. Die Vermittlung in den allgemeinen Arbeitsmarkt ist dabei zwar formuliertes Ziel, aber eine dauerhafte Teilhabe am Arbeitsleben ist dort ebenfalls möglich. Entsprechend gering die Übergangsquote in den allgemeinen Arbeitsmarkt: Sie liegt gerade einmal bei einem Prozent.

Integrationsfirmen ermöglichen gleichberechtigte Teilhabe

Die mehr als 800 Integrationsfirmen in Deutschland verfolgen einen anderen Ansatz. Sie begreifen Menschen mit Behinderung nicht als Patienten oder Rehabilitanden, sondern als sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, die nach den gängigen Bestimmungen des Arbeits- und Tarifrechts beschäftigt sind. Damit zeigen die Integrationsunternehmen besondere soziale Verantwortung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Inklusion.   

Mitarbeiter mit und ohne Behinderung arbeiten Hand in Hand

Das Foto zeigt einen Rollstuhlfahrer am Arbeitsplatz beim Telefonat.
Integrationsunternehmen bieten Strukturen, in denen Mitarbeiter ihre Fähigkeiten bestmöglich einsetzen und weiterentwickeln können. Foto: bag if

Doch wie funktioniert das Erfolgsmodell Integrationsunternehmen? Das Besondere ist das Miteinander. Integrationsunternehmen verpflichten sich, mindestens 25 Prozent, höchstens 50 Prozent der Mitarbeiter mit einer Schwerbehinderung zu beschäftigen. Der andere Teil der Arbeitnehmer hat keine Einschränkung. Dabei arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand gleichberechtigt und selbstverständlich mit- und nebeneinander. So entsteht ein Umfeld, in dem Inklusion ganz natürlich ist.

Viele Mitarbeiter mit seelischer und geistiger Beeinträchtigung

Rund ein Drittel der Beschäftigten mit Behinderung haben eine seelische Einschränkung. 20 Prozent haben eine geistige Behinderung. Für sie bieten die Integrationsunternehmen Strukturen, in denen sie ihre Fähigkeiten bestmöglich einsetzen und weiterentwickeln können. Da Integrationsfirmen heute nahezu in allen Branchen vertreten sind, können potentielle Mitarbeiter häufig einen Arbeitsplatz finden, der ihren persönlichen Interessen und Fähigkeiten entspricht. Rund 18 Prozent der Unternehmen sind im Bereich Kantinen, Catering und Restaurant angesiedelt, 12 Prozent in Landwirtschaft und Naturschutz, 11 Prozent in produktionsnahen Dienstleistungen.

Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen leistet wichtige Unterstützung

Das Foto zeigt 2 Männer bei Pflasterarbeiten.
Integrationsunternehmen bei der Arbeit. Foto: bag if

Die Dachorganisation der mehr als 800 Integrationsunternehmen in Deutschland ist die „Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen e.V.“ (bag if). Als Interessenvertretung auf Bundes- und Landesebene leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Information und zum Wissenstransfer. Zu den Aufgaben der bag if gehören unter anderem:

  • Lobbyarbeit im politischen Raum, Vertretung in Gremien und Mitwirkung bei Gesetzgebungsverfahren
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Information zu Förderrichtlinien und -programmen
  • Beratung zu Firmengründung und der Beantragung von Fördermitteln
  • Organisation von Fachveranstaltungen und Fokusgruppen
  • Vernetzung von Integrationsunternehmen und Kooperation mit anderen Unterstützungsstrukturen und Verbänden

Das Leitbild der Integrationsunternehmen ist es, Arbeitsbedingungen zu schaffen, bei denen Diskriminierung hinsichtlich arbeits- und sozialrechtlicher Faktoren, der Entlohnung und des Geschlechts ausgeschlossen sind. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen bildet durch ihre Arbeit den Rahmen für ein Inklusionsmodell, das für Menschen mit Behinderung wahre Teilhabe bedeutet.

 

Text: Philipp Jauch – 05/2016