Berufliche Integration durch IfS-Spagat

Ein Mann mit Handicap vor einem PC. Im Hintergrund eine Dame, die offensichtlich eine Integrationsberaterin ist.  (Foto: IfS-Spagat)
Ein Integrationsberater begleitet den Menschen mit Behinderung so lange es nötig ist (Foto: IfS-Spagat)

„Wer will, der kann“ – lautet das Motto des Vorarlberger Projekts IfS (Institut für Sozialdienste)–Spagat. Dank Finanzierung des Landes kann jeder Mensch mit schwerem Handicap im österreichischen Bundesland Vorarlberg am ersten Arbeitsmarkt integriert werden.

„Leben wie andere auch“, ist der Wunsch vieler Menschen mit Handicap. Dazu zählt ein geregeltes Arbeitsleben mit einem fixen Einkommen. IfS-Spagat, ein Fachbereich des IfS Vorarlberg,  macht dies für Menschen mit schwerer Behinderung seit 1997 in Vorarlberg möglich. Begleitung, Unterstützung und Vermittlung am ersten Arbeitsmarkt – das bietet IfS-Spagat jedem behinderten Menschen, der in Vorarlberg am ersten Arbeitsmarkt tätig sein möchte.

Berufliche Integration in freier Wirtschaft

Ziel von IfS-Spagat ist die berufliche Integration von Menschen mit schweren Handicaps, die sich auf einem Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft behaupten möchten. Dabei spielen die Grundsätze „Empowerment“ (Selbstermächtigung) und „Supported Employment“ (unterstützte Beschäftigung) eine wichtige Rolle. „Voraussetzung für eine Aufnahme im Projekt IfS-Spagat sind ein ‚erhöhter Sonderpädagogischer Förderbedarf’ und eine Behinderung von mindestens 50 Prozent“, sagt Sarah Küng, Integrationsberatin bei IfS-Spagat und MyHandicap-Fachexpertin.

Auf der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz orientiert sich IfS-Spagat an den individuellen Bedürfnissen und Vorstellungen des jeweiligen Spagatteilnehmers. Die Spagatteilnehmer müssen Verantwortung für sich selbst übernehmen und werden somit zu einer selbstbestimmten Lebensgestaltung geleitet. Der Prozess, der im Rahmen von IfS-Spagat durchlaufen wird, setzt sich aus klar definierten Bausteinen zusammen.

Ein junger Mann beim Gärtnern. (Foto: IfS-Spagat)
Nach mehrmaligem Schnuppern wird ersichtlich, in welchem Bereich der Interessens- und Fähigkeitschwerpunkt liegt (Foto: IfS Spagat)

Zukunftsplanung und Unterstützerkreis

Ausgangspunkt der persönlichen Zukunftsplanung sind die Träume und Wünsche des Teilnehmers. Es wird ein klares Ziel definiert und der Zukunft aktiv entgegengegangen.

Dabei begleitet ein individueller Unterstützerkreis den Menschen mit Handicap auf seinem Weg in die Arbeitswelt. Jeder Teilnehmer bestimmt, wer dem Unterstützerkreis angehört. In der Regel sind dies Menschen aus dem nahen Umfeld – Eltern, Verwandte, Freunde und Nachbarn. Gemeinsam werden in diesem Kreis die weiteren Schritte geplant, mögliche Arbeitsfelder und notwendige Rahmenbedingungen definiert und Erstkontakte zu potenziellen Schnupperplätzen geknüpft.    

Schnuppern und Mentorenprinzip

Meist ergeben sich fünf bis acht Möglichkeiten, in verschiedenen Betrieben zu schnuppern. Das Schnuppern ist eine aussagekräftige Phase – sowohl für die Hauptperson als auch für den Integrationsberater. Potenzielle Arbeitsgeber und Arbeitnehmer brauchen besonders in der Anfangszeit die Unterstützung und das Fachwissen des Integrationsberaters.

Verlaufen die Schnuppertage erfolgreich, entsteht ein „integrativer Arbeitsplatz“. Die Tätigkeiten sowie das Ausmaß der Arbeitszeit werden den individuellen Möglichkeiten des Menschen mit Handicap angepasst. Er ist Arbeitnehmer wie jeder andere Mitarbeiter auch.

Für jeden Spagat-Teilnehmer wird eine innerbetriebliche Ansprechperson gesucht. Der sogenannte Mentor steht der Person mit Handicap im Arbeitsalltag zur Seite und unterstützt bei auftretenden Herausforderungen, wenn sich der Integrationsberater aus dem Betrieb zurückzieht. 

Ein Mann mit Handicap beim Herrichten von einer Speise. (Foto: IfS-Spagat)
2010 haben sich 50 Personen zu IfS-Spagat angemeldet (Foto: IfS-Spagat)

Finanzierung und Erfolg

Betriebe, die einen integrativen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen, erhalten eine finanzielle Förderung durch die Vorarlberger Landesregierung. Diese beinhaltet den Lohnkostenzuschuss für den Mitarbeiter, abhängig von der Höhe seiner Leistungsfähigkeit. Außerdem erhält der Betrieb eine finanzielle Förderung nach Kostenaufwand im Rahmen eines Mentorenzuschusses. Auch die Kosten für die Integrationsberater des IfS werden vom Land Vorarlberg getragen.

IfS-Spagat kann große Erfolge verzeichnen. Mehr als 250 Menschen mit Handicap wurden in den vergangenen Jahren erfolgreich in den ersten Arbeitsmarkt integriert. Rund 240 Betriebe aus unterschiedlichsten Branchen stellen in ganz Vorarlberg integrative Arbeitsplätze zur Verfügung.

Regelmäßige Betriebskontakte, Kontakte zum Umfeld und vor allem zu den Spagat-Teilnehmern selbst, sind die Grundlagen einer guten Zusammenarbeit und des großen Erfolgs.

IfS-Spagat möchte diesen maßgeblichen Erfolg der beruflichen Integration von Menschen mit Handicap über die Grenzen Vorarlbergs hinaustragen. „Wir betreiben sehr viel Öffentlichkeitsarbeit im In- und Ausland. Wir beraten, welche Möglichkeiten es bei der Integration am ersten Arbeitsmarkt geben kann“, erzählt Sarah Küng.

Noch ist IfS-Spagat einzigartig in Europa. Nachahmer sind willkommen und erwünscht: „Wir freuen uns über jeden, der diesen integrativen Weg gehen möchte“, sagt Frau Küng.

 

Tex: IfS-Spagat, MHA

otos: IfS-Spagat

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