Mode, die im Sitzen sitzt

Eine Schaufensterpuppe mit Anzug sitzt in einem Rollstuhl (Foto: Isabelle Herzogenrath)
Dieser Maßanzug lässt Herz und Selbstwertgefühl höher schlagen. (Foto: Isabelle Herzogenrath)

Öffnen Sie nicht nur den Knopf von Ihrer Hose, ziehen Sie sie aus! Ihre Hose ist nicht zu eng. Sie ist nur falsch geschnitten. Speziell designte Rolliklamotten ziehen richtig an!

Menschen im Rollstuhl lenken die Blicke ihrer Mitmenschen automatisch auf sich. Wenn dann auch noch die Hose falsch sitzt und die Jackenärmel über die Hände baumeln, sieht das Gesamtbild oft mitleiderregend aus.

Wenn schon auffallen, dann positiv!

„Die Lebensqualität und das persönliche Wohlbefinden kann durch die richtigen Kleidungsstücke gesteigert werden“, ist Isabelle Herzogenrath, Diplomingenieurin für Bekleidungstechnik aus Dormagen in Nordrhein-Westfalen, überzeugt. Herzogenrath hat sich auf Mode für Menschen mit körperlichen Behinderungen spezialisiert. Mit ihren maßgefertigten Stücken möchte sie ihren Kunden ein positives Lebensgefühl auf den Leib schneidern.

„Der Schwerpunkt liegt in der Passform. Diese muss so gestaltet sein, dass es eine optimale Funktionalität gibt“, sagt Herzogenrath. Hosentaschen werden versetzt, zusätzliche Eingriffsmöglichkeiten angebracht. Die Stücke müssen stabil sein, etwas aushalten. Die Kleidung soll nutzbar sein. Zusätzlich wird die eigene Persönlichkeit der Menschen mit eingenäht. Ihre Kunden sollen sagen: „Ich sehe super aus! Ich fühle mich wohl!“

„Wir machen alles möglich“

Während Herzogenrath ihre Kunden persönlich kennenlernen möchte, bevor sie zu Faden und Nadel greift, wickelt Rollimoden den Großteil seiner Fertigungen per Fernkontakt ab. Achtzehn Personen arbeiten bei dem international tätigen Rollstuhlmodenhersteller, um gute Qualität und Service zu sichern. „Wir machen alles möglich!“, sagt Heike Probst von Rollimoden. Viele Stücke von Hosen über Jacken, Unterwäsche, Schuhe, Wind- und Wetterbekleidung können einfach im Internet bestellt werden.

In der hauseigenen rollstuhlgerechten Boutique in der Manfred-Sauer-Stiftung in Lobbach können die Stücke mit persönlicher Beratung anprobiert werden. Auch Maßanfertigungen sind möglich. „Uns ist es sehr wichtig, dass der Kunde den Artikel so bekommt, wie er ihn braucht. Änderungen können wir auch mithilfe von Angaben über Telefon oder übermittelten Skizzen vornehmen“, sagt Probst. Eine Innovation bei Rollimoden sind aus dem Material Novosan hergestellte Hosen. Der beheizbare Stoff ist TÜV geprüft und sorgt für die richtige Wohlfühltemperatur.

Jeans in Usedoptik gibts bei Rollitex (Foto: rollitex)
Trendy, gute Qualität und niedriger Preis, das ist die Maxime von Rollitex (Foto: rollitex)

Jeans auf den Leib geschneidert

Heiß ohne Heizung sind die Jeans von Rollitex. Das 2008 gegründete Rollimodelabel möchte stets aktuelle Mode anbieten. „Unsere Jeans sind in Usedoptik und richtig trendy. Sie haben eine sehr gute Qualität und sind toll verarbeitet“, sagt Murat Kurt, Gründer von Rollitex. Auf Wunsch werden Sonderanfertigungen geschneidert. Wer nicht selbst in der Rollitex Boutique in Berlin vorbeikommen kann, bekommt Stoffkataloge zugesandt. Rollitex hat sich innerhalb des letzten Jahres im gesamten deutschsprachigen Raum und in Holland etabliert.

Lifestyle im Rollstuhl

Reinhold Sampl, der Gründer des österreichischen Rollstuhlmodelables xsampl, ist seit einem Skiunfall selbst Rollstuhlfahrer. Aus der Not hat er eine Tugend gemacht. Zielgruppe seiner modischen und preisgünstigen Kollektion sind aktive Rollstuhlfahrer. „Der Behindertenaufschlag auf sämtliche Rehaprodukte war mir zuwider“, sagt Sampl. Die Kollektion wird jedes Jahr ergänzt. Umfragen auf der Homepage sollen Aufschluss über die Bedürfnisse nach neuen Produkten geben.

Vor allem Hosen, Anzüge und Jacken sind sehr gefragt. „Anzüge sollen gut ausschauen. Wenn ich mir ein schönes Kleidungsstück kaufe und es passt hinten und vorne nicht, das ist kontraproduktiv“, sagt Sampl.

Das Ur-Wheelshirt mit Icebreakermessage (Foto: Justin Black)
Schwarzer Humor macht das Leben bunter (Foto: Justin Black)

Auch Spaß darf sein

Justin Black hat für alle Rollstuhlfahrer mit Humor Wheelshirts designed. Mit seinen Shirts möchte Black, selbst Rollstuhlfahrer, den Menschen zeigen, dass er seine Behinderung locker nimmt. Sprüche wie „Don´t ask me. I am just the driver”. Oder: “I bring my own seat”, sollen als Icebreaker fungieren. Die Shirts gibts in verschiedenen stylischen Ausführungen für Männer und Frauen.

Schmökern Sie im Internet und lassen Sie sich die Kataloge der einzelnen Anbieter zukommen. Viele Produkte und Preise werden Ihr modisches Herz höher schlagen lassen. Und der Knopf von der Hose, der plötzlich fast von allein zugeht, auch.

 

Text: Michaela Hawlik, 02/2010

Fotos: Isabelle Herzogenrath, Rollitex, Wheelshirt, xsampl

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