Mit dem Rollstuhl mobil durch den Winter

Ein im Wheelblade fixiertes Vorderrad eines Rollstuhls (Foto: zvg)
Dank der Wheelblades sinken die Vorderreifen des Rollstuhls nicht mehr im Schnee ein. (Foto: zvg)

Für Rollstuhlfahrende ist der Winter die schwierigste Jahreszeit. Vor allem in schneereichen Wintern ist das Vorankommen, wenn überhaupt, nur sehr mühsam möglich. Doch es gibt Lösungen, die Menschen im Rollstuhl im Winter eine größere Mobilität ermöglichen.

Menschen im Rollstuhl können dem Winter meist nur wenig Positives abgewinnen. Denn zu oft bleiben sie im Schnee stecken oder verlassen aus Angst davor schon gar nicht das Haus. Schlecht oder zu spät geräumte Straßen, Gehwege oder Hauseingänge schränken die Mobilität von Rollstuhlfahrern stark ein. Es gibt jedoch Hilfsmittel, die das Vorwärtskommen bei Eis und Schnee zwar nicht garantieren, aber zumindest erleichtern.

Wheelblades: Skier für den Rollstuhl

Zu den wichtigsten Neuentwicklungen gehören die sogenannten Wheelblades. Der in der Schweiz wohnhafte Deutsche Patrick Mayer, der nach einem Snowboard-Unfall selber im Rollstuhl sitzt, hat die Wheelblades zusammen mit der Hochschule Rapperswil über viele Jahre hinweg bis zur Marktreife entwickelt. Ottobock unterstützt Mayers Projekt jetzt als Vertriebspartner mit einem internationalen Netzwerk.

Die einfach unter die Vorderräder des Rollstuhls zu montierenden Wheelblades verteilen das Gewicht des Fahrers gleichmäßig auf eine große Fläche. Die Vorderräder sinken nicht mehr ein, der Rollstuhl kann über den Schnee gleiten und präzise gesteuert werden. Zwei Vertiefungen an der Skiunterseite komprimieren den Schnee und der Rollstuhl gleitet so mit sehr geringer Reibung wie auf Schienen stabil über den Schnee. Die Wheelblades kosten rund 200 Euro.

ScoutCrowler als Zusatzantrieb

Ein anderes Konzept verfolgt Ottobock mit dem „ScoutCrowler“, der sich aber auch in einer ganz anderen Preisklasse bewegt. Beim ScoutCrowler handelt es sich um einen Zusatzantrieb für manuelle Rollstühle. Rollstuhlfahrer können in ihrem Rollstuhl sitzen bleiben und fahren über zwei Rampen in die Startposition. Mit seinem Kettenantrieb meistert der ScoutCrowler anschließend nicht nur Schnee, sondern auch Sand, Schotter, Gras und Steigungen bis zu 17 Grad.

Blick auf schneebedeckte Hügel und Berge (Foto: pg)
Der Winter: Für Menschen im Rollstuhl eine beschwerliche Jahreszeit. (Foto: pg)

„Free Wheel“: Steuerung über ein Vorspannrad

Aber auch mit einem weniger aufwendigen System lässt sich verhindern, dass sich die kleinen Vorräder des Rollstuhls in den Schnee eingraben. Aus den USA kommt „Free Wheel“. Bei dieser Lösung wird ein Rad in der Größe eines kleinen Kinderfahrrades vorne am Rollstuhl befestigt. Fertig montiert und nach vorne fahrend werden die kleinen Rollstuhlvorderräder angehoben und der Rollstuhl wird über das Vorspannrad gesteuert.

Winterreifen für den Rolli

Wie für ein Motorfahrzeug kann auch für einen Rollstuhl eine „Winterbereifung“ eine Unterstützung sein. Dabei handelt es sich um Räder mit einem gröberen Profil, vergleichbar mit der Bereifung für Mountainbikes.

Segway-Rollstuhl für (fast) alle Unterlagen

Wenn bei Fahrzeugen mit Winterreifen den winterlichen Straßenverhältnissen nicht mehr beizukommen ist, werden – wenn auch ungern und garantiert mit kalten Fingern – Schneeketten montiert. Für Rollstühle gibt es das leider kaum. Eine Ausnahme ist die Weiterentwicklung der Segway-Roller, die Rollstühle Segway Apache und Sitting Bull, wie sie auf der Rehacare 2012 vorgestellt wurden.

Trotz verschiedener Lösungsansätze bleibt der Winter für Menschen im Rollstuhl eine beschwerliche Zeit. Aber zumindest zeigen die aufgeführten Beispiele, dass nach Lösungen gesucht wird. Und immer wieder gibt es auch Eigenentwicklungen und Ideen, wie sich auch in unserem MyHandicap-Forum zeigt. Poweruserin KarinM empfiehlt zum Beispiel, Kabelbinder über die Lauffläche des Reifens zu ziehen, oder alternativ auch grobe Paketschnur. Und Steffen (Rollinator) hat eine ganze Linksammlung eingestellt, die Rollstuhlfahrern möglicherweise durch den Winter hilft.


Text: Patrick Gunti - 01/2013

Fotos: zvg / pg

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