Rollstuhl: Individuelle Bedürfnisse im Fokus

Eine Frau fährt mit ihrem Rollstuhl durch ein Einkaufszentrum (Foto: © by Otto Bock HC)
Mit einem Rollstuhl wie dem "Motus" von OttoBock sollen Menschen mit Mobilitätseinschränkung mobiler werden. (Foto: © by Otto Bock HC)

Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, um seinen Alltag meistern zu können, dem steht eine große Auswahl verschiedener Modelle zur Verfügung. Wichtig ist, dass der Rollstuhl professionell auf die jeweiligen Bedürfnisse angepasst ist. Aber nicht alle Modelle und nicht alle Wünsche werden von den Krankenkassen bezahlt.

Standardrollstühle, Aktivrollstühle, Sport-Rollstühle, Elektrorollstühle oder Aufrichtrollstühle: Die Ansprüche und Bedürfnisse von Menschen, die auf Grund einer Behinderung auf einen Rollstuhl angewiesen sind, sind vielfältig.

Individuelle Anpassung des Rollstuhl wichtig

Mit einem Rollstuhl sollen Menschen mit einem Handicap, aber auch alte Menschen mit einer eingeschränkten Bewegungsfähigkeit ihren Alltag so gut wie möglich meistern können.

Rollstühle sollen aber auch Beweglichkeit und Aktivität ermöglichen, Teilhabe und die Integration in ein soziales Umfeld garantieren. Entsprechend wichtig ist einerseits die Wahl des richtigen Rollstuhls, andererseits aber auch die individuelle Anpassung je nach Art der Behinderung, der Körperstatur, dem Einsatzbereich und den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen.

Beratung unerlässlich

Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für die Beschaffung dieses Hilfsmittels bei entsprechender Indikation. So zum Beispiel bei Querschnittlähmung, Multiple Sklerose, Zerebralparese (spastische Lähmung), Muskeldystrohpien, Meningo-Myelozelen-Syndrom (Spina Bifida), Amputationen, Gliedmaßendefekte und -deformationen, Gelenkdefekte, geriatrische Erkrankungen, Herz-Kreislaufinsuffizienzen, Gleichgewichtsstörungen und andere altersbedingte Krankheitsbilder.

Zuerst gilt es, sich im Sanitätshaus oder während eines Rehabilitationsaufenthaltes in einer spezialisierten Klinik beraten zu lassen, welcher Rollstuhl den Bedürfnissen am besten entspricht. Dabei lohnt es sich, verschiedene Modelle zu testen oder eventuell für eine gewisse Zeit auszuleihen.

Kostengutsprache des Kostenträgers

Der nächste Schritt führt dann zum Arzt, der ein entsprechendes Rezept über den gewünschten Rollstuhl ausstellt. Wer späterem Ärger aus dem Weg gehen möchte, sollte hier auf eine möglichst genaue und detaillierte Begründung und Beschreibung des Hilfsmittel Wert legen.

Mit dieser Verordnung wendet man sich dann an seine Krankenkasse Der von der Krankenkasse genannte Leistungserbringer - in diesem Fall ein Sanitätshaus - übernimmt dann den weiteren Vorgang. In der Regel erstreckt sich der Anspruch auf einen einzigen Rollstuhl. Die Notwendigkeit eines zweiten Rollstuhles ist eingehend zu begründen.

Große Preisspanne

Je nach Ausführung kann ein Rollstuhl ein sehr kostspieliges Hilfsmittel sein. Während ein einfaches, neues Modell für 500 Euro erhältlich ist, kann ein auf spezielle Bedürfnisse zugeschnittener Elektrorollstuhl bis zu 4.000 Euro kosten. Natürlich sind im Internet wesentlich preisgünstigere Modelle zu finden. Einige Hersteller bieten sogar selbst ihre Modelle über das Internet auch zu wesentlich tieferen Preisen an, als sie im Fachhandel erhältlich sind. Doch die Krankenkasse übernimmt in der Regel alles Kosten - bis auf eine kleine Zuzahlung von fünf bis zehn Euro, es sei denn, der Versicherte ist von der Zuzahlung befreit.

Beratung und professionelle Anpassung kosten

Ein Rollstuhlzeichen auf dem Asphalt. (Foto: Querschnitt/pixelio.de)
Gute Rollstühle findet man nicht auf der Straße, sondern im Sanitätshaus. (Foto: Querschnitt/pixelio.de)

Man sollte sich aber bewusst sein, dass eben nicht nur das Material - das für fünf bis zehn Jahre halten sollte - kostet, sondern auch die Beratung und die professionelle Anpassung auf die individuellen Bedürfnisse, auch während der Rehabilitationsphase. Wenn bei der Konfiguration von Anfang an das Optimum erreicht wird, kann man sich unnötige Folgekosten sparen.

Dies gilt es auch bei der Beschaffung von Rollstühlen im Ausland zu beachten. Auch hier fehlt in den meisten Fällen die individuelle Beratung, vielfach ist die Versorgung mit Ersatzteilen nicht gewährleistet und Transport- und Einfuhrkosten eingerechnet, schmilzt der Preisvorteil eventuell auch schnell dahin.

Neue Materialien, neue Designs

In den letzten Jahrzehnten ist bei der Entwicklung neuer Rollstühle viel geschehen. Angetrieben durch innovative Unternehmer wie beispielsweise Rainer Küschall ist die Rollstuhl-Palette entsprechend den verschiedensten Ansprüchen gewachsen. Wer einen breiten und robusten Rollstuhl benötigt, findet das passende Modell ebenso wie derjenige, der mit einem kleinen und wendigen Modell auskommt.

Ständig werden neue Entwicklungen präsentiert und neue Materialien verarbeitet. Auch das Design und die Farbe eines Rollstuhl haben heute eine viel grössere Bedeutung als in früheren Jahren. Das sieht man auch am alljährlich auf der RehaCARE stattfindenden Wettbewerb "Pimp my Rolli".

 

Text: Patrick Gunti/Kerstin Otto - 01/2013
Fotos: © by Otto Bock HC und Querschnitt/pixelio.de

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