Die mobile Kommunikation als Chance

Handy
Ein Handy sorgt für räumliche Unabhängigkeit (Benjamin Klack/pixelio.de)

Unsere Kommunikationsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren dank modernster Technologie grundlegend verändert. Jederzeit und überall erreichbar zu sein, ist heute eine Selbstverständlichkeit.

Während die stete Erreichbarkeit für viele Menschen schon zu einer Belastung wird, können die mobilen Kommunikationstechnologien für Menschen mit einer Behinderung eine große Erleichterung im Alltag sein.

Uns mitzuteilen ist von Kindheit an ein großes Bedürfnis von uns allen und hat einen großen Einfluss auf unsere Entwicklung. Kommunikation zeigt auf, wie wir uns fühlen, was wir erleben, was wir lernen und was wir wollen.

Viele Menschen haben aufgrund einer Behinderung aber Mühe, sich mitzuteilen, zu kommunizieren und sich über Kommunikation auch Hilfe zu sichern. Ohne elektronische Hilfsmittel führt dies oftmals zu Ausgrenzung, Isolation und Fremdbestimmung.

Mobiltelefonie, Smartphones und GPS-Systeme im Fokus

Richtig und nach Möglichkeit individuell eingesetzt gibt es heute verschiedene mobile Kommunikationsmöglichkeiten, die Menschen mit Behinderung den Alltag erleichtern und sie näher an die Gesellschaft heranführen. Im Mittelpunkt stehen dabei Mobiltelefone, Smartphones oder GPS-Systeme.

Die Anforderungen an das Mobiltelefon für Menschen mit Behinderung sind ähnlich wie die der Handys für Senioren und Kinder. Übersichtliche Tasten und Menüführung stehen dabei im Vordergrund. Entsprechend gibt es Endgeräte, die speziell für verschiedene Behindertengruppen hergestellt werden.

Aber es ist bereits viel mehr möglich: Die neueste Technik macht das Handy für behinderte Menschen zu nützlichen Helfern in alltäglichen Situationen. Durch die technische Kombination von Handykamera, Text-to-Speech Synthesizer (Sprachgenerator), spezieller Software, Screenreader, digitalen Lesegeräten und Braillezeile werden sie zu Helfern in alltäglichen Situationen.

Leider bringen die Spezialentwicklungen im Moment auch noch erhöhte Kosten durch Forschung und Entwicklung mit sich.

SMS wird vorgelesen

Am Beispiel SMS lassen sich die Fortschritte gut illustrieren: Dutzende von Millionen Kurzmeldungen jagen jeden Tag rund um den Erdball. War der Short Message Service früher ein Privileg der Sehenden, müssen heute auch blinde Menschen nicht darauf verzichten.

Dank Handys, die mit einer speziellen Software ausgestattet sind, können auch sie die Vorzüge mobiler Kommunikation nutzen. Der Text der Botschaft, den das Display anzeigt, wird zum Beispiel einfach in Sprache umgesetzt und von einer Stimme vorgelesen.

Mobiltelefon sowie Ortungs- und Alarmsystem

Die Möglichkeiten der Mobiltelefonie sind mit den „traditionellen“ Anwendungen nicht ausgeschöpft.

Mittlerweile gibt es Geräte, die für Menschen mit Behinderung neben Mobiltelefon auch ein persönliches Alarmsystem und GPS-Ortungsgerät sind, mit dessen Hilfe ihre Position lokalisiert werden kann. Die Geräte sind einfach zu bedienen und bedeuten in jeder Lebenslage Beweglichkeit und Sicherheit.

Neue Möglichkeiten für die Medizin

Die Unterstützung Betroffener kann aber noch weitergehen, denn auch der Medizin hat die Mobilfunktechnologie ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Die mobile Versorgung und Überwachung von Patienten verbessert deren Lebensqualität und den Kommunikationsaustausch zwischen Patient, Arztpraxen, Kliniken und Rehabilitationszentren.

Die Vorteile beschränken sich dabei nicht auf eine größere Effizienz, Beispiele wie Infarktvorsorge oder die Überwachung von Epileptikern zeigen den direkten Nutzen auf.

Veränderungen des Blutbildes feststellbar

Via Mobilfunk können Infarkt-Patienten heute ihre Herztätigkeit rund um die Uhr überwachen lassen. Ein tragbares EKG-Gerät misst die Herzströme, die per Knopfdruck an das Handy verschickt und von dort aus an ein medizinisches Service-Center weitergeleitet werden.

Bei Epileptikern lassen sich mit Hilfe eines Mobiltelefons durch Datenübertragung jederzeit Veränderungen des Blutbildes feststellen, die einen epileptischen Anfall ankündigen.

„MobiHealth“ soll weitere Erleichterungen bringen

Weitere Anwendungen sollen noch mehr Erleichterung bringen. So fördert die EU unter anderem das Projekt „MobiHealth“, das von dem Handyhersteller Ericsson koordiniert wird. Dabei sollen schon heute verfügbare Körper-Sensoren mit drahtloser Kommunikationstechnologie (zum Beispiel Bluetooth) zu einem Body Area Network (BAN) verknüpft werden, das dann laufend über Mobilfunk (GPRS oder UMTS) mit Kliniken, Notfallstationen oder medizinischen Call-Centern in Verbindung steht.

Neuste Entwicklungen

Aber auch im Bereich der Unterhaltungselektronik gehen die Entwicklungen in eine Richtung, die auch Menschen mit einer Behinderung zu Gute kommt. So soll es künftig ein sogenannter Mimi-Switch ermöglichen, mit einfacher Gesichtsmimik einen iPod oder andere elektronische Geräte zu bedienen. Das Gerät, das aussieht wie ein Paar Kopfhörer, ist mit Infrarot-Sensoren ausgestattet, die kleine durch Mimik hervorgerufene Bewegungen hinter dem Ohr erfassen.

Hört sich futuristisch an, die Entwicklung eines japanischen Wissenschaftlers benötigt aber nach dessen Aussage nur noch zwei bis drei Jahre bis zur Marktreife. Statt auf Knopfdruck oder mit einer Fernbedienung wird der iPod beispielsweise gestartet, in dem man die Zunge rausstreckt. Wird das nächste Lied gewünscht, drückt man das rechte Auge zu, will man ein Lied zurück, das linke Auge. Streckt man wieder die Zunge raus, stoppt das Gerät. So können auch Menschen mit einer körperlichen Behinderung ein elektronisches Gerät, also auch Geräte des Alltags, einfach bedienen.

Bis Menschen mit einer Behinderung von allen Vorteilen der mobilen Kommunikation profitieren können, wird es noch Jahre dauern. Aber die neuesten Entwicklungen zeigen auf, in welche Richtung es geht und welche Erleichterungen heute und in Zukunft möglich sind.

Text: PG

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!