Assistenz für Menschen mit Behinderung

Justin Black mit "seinem" Assistenten
Justin Black mit "seinem" Assistenten

Durch eine Behinderung oder eine schwere chronische Erkrankung kann es oftmals vorkommen, dass man seinen Körper nicht mehr so weit kontrollieren kann, um (alltägliche) Handlungen selbst durchführen zu können. Hier sind Hilfsmittel oder aber Assistenten gefragt.

Angefangen beim Laufen, über das selbstständige An- und Ausziehen bis hin zur Bedienung eines Computers können diese Einschränkungen sämtliche Lebensbereiche betreffen.

Im Zeitalter der Technik können die Betroffenen viele Beeinträchtigungen kompensieren. So sind Elektrorollstühle, spezielle Pflegebetten, Sondersteuerungen für Computer oder Umfeldkontrollgeräte zur Steuerung der gesamten Wohnung heutzutage keine Besonderheiten mehr.

Durch solche „technischen Helferlein“ ist vielen Betroffenen schon geholfen. Aber eben nicht allen…

Assistenten für Menschen mit schweren Einschränkungen

Die Hilfsbedürftigkeit von Menschen mit Behinderung oder schwerer chronischer Erkrankung ist ebenso unterschiedlich wie die Menschen selbst. Manche brauchen einfach nur Unterstützung bei der Lebensführung, so dass es ausreicht, wenn ein paar Stunden in der Woche jemand bei ihnen vorbei schaut und bspw. die Haushaltsführung überprüft und bei der Planung des Wocheneinkaufs hilft.

Andere brauchen Hilfe, wenn sie ihre Wohnung verlassen wollen und sind deshalb auf eine Begleitung angewiesen. Wieder andere Menschen benötigen mehrere Stunden am Tag Unterstützung, die von keinem technischen Apparat geleistet werden kann. Zum Beispiel bei der Körperpflege und anderen alltäglichen Verrichtungen. In besonders drastischen Fällen brauchen die Betroffenen den ganzen Tag über oder sogar rund um die Uhr Hilfe.

Eigene Erfahrung mit Vollzeit-Assistenz

Ich selbst, MyHandicap-Botschafter und -Fachexperte für den Bereich Medien, Justin Black, bin ein solch besonders drastischer Fall. Aufgrund meiner sehr schweren Muskelerkrankung bin ich 24 Stunden am Tag auf Hilfe angewiesen.

Selbst wenn ich schlafe, ist immer jemand bei mir. Wenn es zu Erstickungsanfällen kommt, muss sofort jemand helfen können. Auch muss in der Nacht immer wieder meine Lagerung im Bett verändert werden, da ich mich aus eigener Kraft nicht mehr bewegen kann und es sonst zu schmerzhaften Druckstellen kommen würde.

Angehörige oder Angestellte?

In vielen Fällen wird die notwendige Hilfe für Menschen mit Behinderung oder schwerer chronischer Erkrankung von deren Angehörigen geleistet. Auf die Dauer eine große Belastung. Nicht nur für die Angehörigen, sondern auch für die Betroffenen.

Beispielsweise müssen Paare sich auch mal streiten können, ohne dass der eine fünf Minuten später die Hilfe des anderen braucht oder Jugendliche ihre eigenen Erfahrungen sammeln, ohne dass sie ständig von ihren Eltern begleitet werden (müssen).

Darüber hinaus gibt es Lebensbereiche, bei denen es einfach unmöglich ist, dass die Angehörigen mit dabei sind, um zu helfen. Beispielsweise auf der Arbeit oder in der Schule. Schließlich haben auch die übrigen Familienmitglieder noch einen eigenen Alltag zu bewältigen.

Aus diesem Grund gibt es für Betroffene die Möglichkeit, die Hilfe von Assistenzkräften in Anspruch zu nehmen. Ich persönlich habe ein Team von acht jungen Männern, das mich betreut. Mich also wäscht, versorgt, mit mir einkaufen geht, meinen Haushalt führt, mich bei Freizeitaktivitäten begleitet und auch bei der Arbeit unterstützt.

Verschiedene Qualifikationsstufen

Je nach dem welche Aufgaben und Hilfestellungen eine Assistenzkraft bei einem Menschen mit Behinderung oder schwerer chronischer Erkrankung erfüllen muss, muss sie unterschiedlich qualifiziert sein. Daher kommen sowohl Sozialpädagogen, als auch Krankenschwestern oder Zivildienstleistende als Assistenten in Frage. Manchmal sogar Quereinsteiger, wie beispielsweise Studenten, die einen Assistenzjob übernehmen, um sich ihr Studium mit zu finanzieren.

Neben der notwendigen Qualifikation ist es vor allem wichtig, dass die Chemie zwischen Betroffenem und Helfer stimmt. Schließlich sind die Assistenten häufig bei Aktivitäten dabei, die man alleine machen würde, wenn man gesund wäre.

In der Regel werden einem Betroffenen die Assistenzkräfte von einem Pflegedienst oder einer Behinderteneinrichtung zur Verfügung gestellt. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass man die Assistenten selbst (bei Jugendlichen die Eltern) im so genannten „Arbeitgebermodell“ anstellt. Dann hat man jedoch auch alle Pflichten eines Arbeitgebers (Anmeldung bei den Behörden, Einbehaltung der Lohnsteuer, Abführen der Sozialversicherungsabgaben, Planung des Urlaubs etc.) zu erfüllen.

Selbstbestimmter Leben

Egal ob selbst angestellt oder von einem Dienstleister gebucht, Sinn und Zweck von Assistenzkräften ist es immer, den Assistenznehmern ein möglichst selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben zu ermöglichen. Von einer jungen Frau habe ich mal die Formulierung gehört: „Meine Assistenten sind wie Dschinis aus der Wunderlampe. Immer da, um meine Wünsche zu erfüllen.“ Ich finde diesen Vergleich sehr passend. Auch wenn ich feststellen musste, dass Aladins Dschini ein paar mehr Tricks drauf hatte, als „meine Jungs“. Aber wirklich nur ein paar!

Für die Finanzierung dieser dienstbaren Geister für Menschen mit Behinderung oder schwerer chronischer Erkrankung gibt es mehrere Möglichkeiten. Erster Ansprechpartner hierfür ist die Pflegekasse. Nach der Einstufung in eine Pflegestufe hat jeder Betroffene ein entsprechendes Pflegegeld zur Verfügung.

Sollte man seine Assistenz von einem Pflegedienst einkaufen, gibt es die Möglichkeit, statt des Geldes die so genannten Pflegesachleistungen zu beziehen. Diese sind doppelt so hoch, wie das Pflegegeld, müssen jedoch bei einem kassenzugelassenen Pflegedienst ausgegeben werden.

An der Finanzierung darf es nicht scheitern

Links zu diesem Artikel