... Was kann man tun, wenn einen das Trauma belastet?

Porträt Eva-Maria Groh
Diplompsychologin Dr. Eva-Maria Groh beantwortet als MyHandicap-Fachexpertin Ihre Fragen im Forum (Foto: Eva-Maria Groh)

Untersuchungen haben gezeigt, dass eine ganze Reihe von Faktoren beeinflussen, wie sehr Menschen nach einem erlebten Trauma leiden und wie sehr sie davon belastet sind.

Einige sind3: Die psychische Gesundheit etwa, also bereits zuvor existierende eigene psychische Krankheit oder familiäre (Vor-) Belastung können das Risiko erhöhen. Auch Persönlichkeitsmerkmale und Copingstrategien (also Mechanismen und Strategien, die eine Person hat, um ein Ereignis zu „bewältigen“) spielen eine Rolle.

Das Coping, also die Art, wie jemand mit einer Krise oder einem traumatischen Ereignis umgeht, ist ebenso bedeutsam. Das Erleben während des Traumas, also die subjektiv erlebten Gefühle wie zum Beispiel intensive Furcht, Angst, Hoffnungslosigkeit spielt für die Folgen eine zentrale Rolle. Welche Reaktionen des sozialen Umfelds und soziale Unterstützung gezeigt werden, zum Beispiel Trost oder Hilfe, ist ebenfalls bedeutsam. Besonders bei Kindern und Jugendlichen.

Entscheidend ist, wie man mit dem Ereignis umgeht

In Fällen, in denen Defizite bei solchen wichtigen Faktoren vorhanden sind oder in denen aus anderen Gründen das Trauma besonders belastende Folgen hat, kann die Hilfe eines Psychologischen Psychotherapeuten oder eines Psychiaters angebracht sein.

Da die Folgen sehr unterschiedlich sein können (siehe oben), muss die diagnostische Abklärung (was sind die tatsächlichen Folgen des Traumas in genau diesem speziellen Fall) durch entsprechend qualifizierte Fachleute erfolgen. Nur dann können eine individuell passende Therapiemethode und ein auf die jeweilige Patientin (oder den Patienten) abgestimmter Therapieplan gewählt werden (siehe unten).

Die grundlegende Idee einer solchen Behandlung wird immer sein, das Trauma zu verarbeiten und auf eine hilfreiche, gesunde und möglichst wenig belastende Art und Weise in die eigene Biographie zu integrieren. Auch wenn das zunächst unmöglich erscheinen mag. Keine Therapie kann ein Trauma ungeschehen machen, sehr wohl aber dabei helfen, einen für den einzelnen Menschen guten Umgang damit zu finden. Zweiter sehr wichtiger Ansatzpunkt in der Therapie wird dann sein, die eventuell vorhandenen Defizite zu beseitigen, so dass für das weitere Leben eine noch bessere Widerstandskraft geschaffen werden kann.

Betroffene und Angehörige Betroffener finden Rat und Hilfe unter anderem bei:

Unserem Forum Psychische Erkrankungen & Therapien mit Kontaktmöglichkeit zur Diplompsychologin Dr. Eva-Maria Groh und weiteren Experten.

 

Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT)
Frau Schröder und Frau Janusch
Am Born 19
22765 Hamburg
Tel.: +49 40 3331 0119
Fax: +49 40 6966 9938
E-Mail: info(at)degpt(dot)de

 

Kassenärztliche Vereinigung Bayern
Elsenheimerstraße 39
80687 München
Tel: 089 / 57093-0
Fax: 089 / 57093-61930
www.kvb.de

Kassenärztliche Vereinigungen finden sich auch für jedes weitere Bundesland im Internet vertreten.

Sie können sich ebenfalls an Einrichtungen der Krisenhilfe, an die psychiatrischen Notdienste, an die Sozialpsychiatrischen Dienste (SPDI) oder an Beratungsstellen wenden. Adressen und Telefonnummern finden sich im Internet.


Text: Dr. Eva-Maria Groh (Adaption; Quelle: Groh, 2010)

Fotos: pixelio.de, Dr. Eva-Maria Groh

Quellen:

1 Breslau, N., Kessler, R. C., Chilcoat, H. D., Schultz, L. R., Davis, G. C. & Andreski, P. (1998). Trauma and posttraumatic stress disorder in the community: The 1996 Detroit Area Survey of Trauma. Archives of General Psychiatry, 55 (7), 626-632.

2 Brown, E. S., Fulton, M. K., Wilkeson, A. & Petty, F. (2000). The psychiatric sequelae of civilian trauma. Comprehensive Psychiatry, 41 (1), 19-23.

3 Groh, E.-M. G. (2010). Die psychische Belastung bei Pflegekindern: Vorhersage ihrer posttraumatischen Symptomatik und Adaption eines neuen Instruments zur Erfassung ihrer allgemeinen psychischen Belastung. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität München. edoc.ub.uni-muenchen.de/12333/1/Groh_Eva-Maria_G.pdf

4 Hagl, M. (2008). Psychische Folgen von Verkehrsunfällen: Zur Rolle der peritraumatischen Dissoziation. Berlin: Logos Verlag.

5 Landolt, M. A. (2004). Psychotraumatologie des Kindesalters. Göttingen: Hogrefe.

6 Landolt, M. A. (2005). Die posttraumatische Belastungsstörung im Kindes- und Jugendalter. Praxis der Rechtspsychologie. Themenschwerpunkt Posttraumatische Belastungsstörung im Kindes- und Jugendalter, 15, 10-27.

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!