Den Selbstwert erhalten trotz Behinderung

Ein bewölkter Himmel
Die Suche nach dem Sinn des Lebens ist eine individuelle (wosuss/pixelio.de)

Den Eintritt einer Behinderung muss man auch innerlich verarbeiten, um seinen Frieden mit der neuen Situation zu finden. Das ist leichter gesagt als getan. Oftmals leidet gerade das Selbstbewusstsein. Diplompsychologe Tim Glogner erörtert daher heute das Thema Selbstwert.

Im alltäglichen Leben kommt es immer wieder einmal vor, dass man sich nicht so gut fühlt. Es können Gedanken entstehen, dass andere Menschen schöner, klüger, reicher, erfolgreicher oder einfach nur glücklicher sind als man selbst.

Irgendwie fühlt man sich vielleicht einsam, traurig oder wertlos. Vielleicht kommt man sich auch wie ein Außenseiter vor. Warum bin ich alleine? Warum finde ich keine Arbeit? Was läuft denn da nur verkehrt? Jetzt ist es ja auch so, dass ich eine „Behinderung“ habe. Bin ich deshalb „weniger wert“ als andere und halten mich deshalb andere möglicherweise auch für „weniger wert“?

Wie werde ich diese Selbstzweifel los?

Lösen Sie sich radikal von diesen Gedanken, indem Sie sich ganz klar ein für allemal sagen: „Kein Mensch ist mehr oder weniger wert als ein anderer; ausnahmslos alle Menschen befinden sich nur in unterschiedlichen Lebensumständen und Lebenserfahrungen, die sich ständig ändern. Alle individuellen Umstände - egal, wie sie sind - haben nichts damit zu tun, ob man mehr oder weniger wert ist.

Halten Sie sich ganz klar vor Augen, was trotz „Behinderung“ immer noch möglich ist und vertrauen Sie auf das, was noch möglich sein kann. Auch der erfolgreichste Mensch mit den meisten Freunden ist irgendwann einsam, zum Beispiel, wenn er am Morgen alleine vor dem Spiegel steht.

Es ist immer auch möglich, dass er seine Freunde (aus welchen Gründen auch immer) wieder verliert oder der „Erfolg“ einmal längere Zeit ausbleibt. Das bedeutet nicht, dass Freunde nichts Schönes sein können und auch nicht, dass man nicht stets versuchen sollte, etwas Sinnvolles aus seinem Leben zu machen (privat, beruflich und /oder familiär). Man sollte immer versuchen, sein Leben mit Sinn zu füllen. Wir haben, solange wir leben die Möglichkeit, uns zu verändern, unser Denken unsere Gewohnheiten, Handlungen etc.

Woche für Woche gibt er psychologische Tipps für Menschen mit Behinderung
MyHandicap-Diplompsychologe Tim Glogner

Auch Kleinigkeiten können wertvoll sein

Hilfreich kann aber sein, den Selbstwert, das Gefühl wertvoll zu sein nicht so von den äußeren Umständen, die jeden Menschen umgeben, abhängig zu machen. Allein die Tatsache, dass man am Leben ist, macht einen Menschen schon wertvoll. Und in allen „Kleinigkeiten“ des Lebens kann man nach Wert forschen. Das Leben ist ein Geheimnis und wir Menschen können versuchen, den Wert dieses Geheimnisses bewusst zu ergründen.

Daher: Identifizieren Sie sich nicht mit Ihrer Behinderung, identifizieren Sie sich mit den inneren Qualitäten, die Sie in dieses Leben mitbringen. Schreiben Sie alles, was positiv in und an Ihnen ist. Und lesen Sie sich diese Liste mehrmals täglich durch, ergänzen Sie sie ständig. Betrachten Sie das Glas als halbvoll und nicht als halbleer.

Gerne können Sie mir schreiben: redaktion(at)myhandicap(dot)de

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