Pushen Sie Ihre Motivation

Ist Ihre Motivation erst einmal geweckt, können Sie richtig loslegen (mipa/pixelio.de)

Ihr innerer Schweinehund ist wieder mal übermächtig? Sie stecken in einem Motivationstief und fühlen sich schwach? MyHandicap-Diplompsychologe Tim Glogner verrät Ihnen Tipps, wie Sie sich trotzdem aufraffen können.

Die zentrale Frage ist: Wie gelingt es uns, uns in unterschiedlichen Lebenslagen zu motivieren, auch um sinnvolle Lösungen zu entdecken, insbesondere dann, wenn wir schwierige oder scheinbar aussichtslose Situationen erleben?

Im Folgenden werden drei zentrale Anregungen gegeben.

1. Motivation durch Entspannung

Wir entwickeln eine entspannte und anstrengungslose Lebenshaltung und schöpfen Kraft und Motivation aus der Stille und Ruhe, aus dem „Nichtstun“. Nichts „muss“ unbedingt geschehen. Alles darf sein, wie es ist. Das einfache Dasein (das immer ist und das wir uns nicht „erarbeiten“ müssen) ist unsere Bewusstseinspräsenz, wir sind vollkommen in Ordnung, wenn wir einfach nur da sind.

Die persönliche Vergangenheit darf jeden Moment losgelassen werden und auch die persönlichen Zukunftsziele dürfen in diesem einfachen Dasein in den Hintergrund treten. Als Anfang empfiehlt sich die einfache Frage: „Was geht im Moment in mir vor?“, gefolgt von einem wohlwollenden und urteilsfrei Beobachten.

Alle Zustände und Befindlichkeiten werden in liebevoller Offenheit, Klarheit und Sanftheit zulassen, man vertraut sich ganz dem Lebensaugenblick an. Die Bewusstseinspräsenz gibt mögliche Widerstände / “Kämpfe“ gegen jeden Lebensaugenblick auf. Man erlaubt sich, körperlich und gedanklich zum "Kanal" oder zum „Gefäß“ zu werden, durch den das Leben fließen kann, man lässt diesen Fluss des Lebens zu. Man sinkt nach innen.

Man lässt sich durchströmen wie ein ruhiger See

Auch Entspannung „muss nicht erreicht werden“, sie darf geschehen. Man wird wie ein tiefer, ruhiger See, eine strahlende Sonne oder ein lichtvoller Raum und lässt sich ganz unmittelbar, tragen, durchströmen, führen und zwar von einer "intuitiven Intelligenz". Vielleicht noch besser formuliert: Man erkennt (wieder), dass man der ruhige See, die strahlende Sonne oder der lichtvolle Raum bereits ist. Alle anderen Zustände ziehen wie Wolken vorbei, ohne dass man etwas ablehnen oder etwas festhalten müsste.

Aus dieser Entspanntheit können wir entsprechend unserer gemachten, originellen Fähigkeiten / Talenten unsere Alltagsangelegenheiten ganz bewusst regeln und leben. Wir vertrauen auch darauf, dass aus dieser stillen Entspanntheit, ganz plötzlich sinnvolle Ideen und Lösungen auftauchen und sich so unsere Fähigkeiten ganz natürlich weiterentwickeln.

Kein anderer Mensch hat Macht über das eigene Innere

Vorraussetzung hierfür ist, dass wir uns der augenblicklichen Lebenssituation gelassen stellen, ohne ein großes Problem (Drama) in ihr zu sehen, aber auch ohne ihr auszuweichen (ohne erforderliche Tätigkeiten und auch gegebenenfalls neue Wagnisse zu vermeiden). Hier kann man sich ebenfalls vor Augen halten:

Die Menschen im außen haben über meinen inneren friedvollen Raum keine Macht, ebenso wenig, wie ich Macht über andere Menschen habe. (es sei denn, ich gebe jemandem oder einer Situation Macht über mich oder versuche selbst Macht über jemanden oder eine Situation auszuüben).

Insbesondere in der heutigen Zeit sind wir unter Umständen geneigt, uns durch suchtartige ausgeübte Tätigkeiten zu entspannen, z.B. übertriebener Fernseh- Arbeits- oder Alkoholkonsum. Davon ist eher abzuraten.

"Meditative Tiefenentspannung" von Nicolaus Klein (Foto: Amazon.de)

Kraft aus der Entspannung schöpfen

Konkrete Entspannungsmethoden im Bereich der Psychologie / Psychotherapie, wobei zum Teil auch der ganze Körper bewusst miteinbezogen wird, gibt es auch:

  • Die funktionelle Entspannung
  • Das autogene Training
  • Die progressive Muskelentspannung
  • Entspannung durch Hypnotherapie

Fachleute bieten selbige Entspannungsmethoden (z. T. auch in Kliniken) an, auch gibt es mitunter in diesem Kontext begleitende Entspannungsbücher und CDs, für zu Hause, teilweise auch speziell für Kinder (empfiehlt sich dann z.B. zum abendlichen Vorlesen, gemeinsamen Hören).

Persönlich empfehle ich CDs von Nicolaus Klein (z.B. meditative Tiefenentspannung), Rüdiger Dahlke und von Eckhart Tolle.

2. Motivation durch Annahme und positive Konzentration

Wir können bewusst versuchen, unsere Krankheit / Behinderung / Beeinträchtigung ganz anzunehmen, „ihr in Liebe unser Herz zu öffnen“ und dann zu "vergessen". Unsere  Aufmerksamkeit ruht auf allem, was bei uns (noch) funktioniert, "intakt ist" und da ist meistens noch ziemlich viel „intakt“ (natürlich empfiehlt es sich, die notwendigen medizinischen Maßnahmen weiterhin regelmäßig auszuführen).

In diesem Zusammenhang können wir uns regelmäßig etwas Positives sagen oder wiederholen. Beispielsweise: "Jeden Tag, Schlag auf Schlag geht’s mir besser", oder „An jedem Tag zu jeder Stund, ist viel in mir heil und gesund“.

3. Motivation durch Willen

Auch können wir unseren Willen einsetzen, eine ganz klare, entschlossene Haltung einnehmen und sagen: "Ich lass mich von diesem Schicksal / dieser Beeinträchtigung nicht / nie unterkriegen und versuche so gut und so sinnvoll wie möglich zu leben. Wir können uns beispielsweise sagen: „Wo ein Wille ist, ist immer auch ein Weg“, oder „Tief in mir weiß ich, dass ich viel mehr Kraft habe, als ich glaube“.

Sie können für sich entscheiden, was Ihnen zusagt, auch ist eine Kombination aus allem natürlich möglich.

MyHandicap-Diplompsychologe Tim Glogner

4. Motivation für Menschen mit religiösem oder spirituellem Zugang

Wenn wir einen religiösen / spirituellen Zugang haben, könnte Motivation zum einen bedeuten, dass wir uns auf "Gott" oder eine "höhere Ordnung" besinnen, von der wir ungetrennt sind, und in der wir immer und für immer geborgen sind. Wir können tief daran glauben und vollkommen darauf vertrauen, dass das Leben uns immer das "schenkt", was wir brauchen.

Wir können erlauben, dass diese höhere Ordnung uns liebevoll annimmt, trägt und führt („ihr“ ist egal, wie wir sind, „sie“ macht keine Unterschiede zwischen uns, als ihren „Kindern des Lebens, „sie“ liebt uns immer bedingungslos). Sie wird uns in Liebe, „in sich selbst“ verwandeln, soviel ist sicher. Als Teil dieser ewigen, „höheren Ordnung“ sind wir bereits im „wahren Herzen“ rein und vollkommen.

Zum anderen ist ebenfalls wichtig, dass wir uns, jeder nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten stets bemühen, tatkräftig sind und unser Leben so bewusst, verantwortungsbewusst und sinnvoll wie möglich leben, nach dem Motto: „Hilf Dir selbst, dann hilft dir Gott“.

Besinnen auf die eigene Stärke

Diese beiden Betrachtungsweisen bedeuten: Dass wir einerseits unser Bestes geben / erstreben, für uns und im Rahmen gewisser Möglichkeiten auch für andere (das könnte man vielleicht auch als Mut bezeichnen). Und zum anderen: Dass wir dann loslassen und auf etwas „Höheres“ oder „Tieferes“ vertrauen, dass sich dann um „den Rest“ kümmert (das könnte man vielleicht auch als Demut bezeichnen).

Haben wir unser „Bestes getan“, liegt der weitere Verlauf nicht mehr in unseren Händen. Natürlich könnte in diesem Zusammenhang auch gewisse „Praktiken“ wie z. B. Gebet oder die Wiederholung des Namens Gottes hilfreich sein (je nach individuellem, soziokulturellem Zugang).

Dies entspräche auch einer zentralen Betrachtungsweise der transpersonalen Psychologie, welche mit dem einfachen Slogan von „(Selber-)Tun und (Los-)Lassen“ zusammengefasst werden könnte.

Ihre Gedanken zum Thema können Sie mir gern an redaktion(at)myhandicap(dot)de schreiben.

Bis zum nächsten Mal,
Ihr Tim Glogner, Diplompsychologe

Foto: pixelio.de, amazon.de
 

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