Wenn der Schlafmangel zu Depressionen führt

Close-up Ziffernblatt (Konstantin Brückner/pixelio.de)
Wenn die Nacht zu kurz ist... (Konstantin Brückner/pixelio.de)

Depressionen können einem wortwörtlich um den Schlaf bringen. Doch auch umgekehrt besteht eine Verbindung. Wenn mit dem Schlaf etwas nicht stimmt, kann das auf Dauer zu Depressionen führen.

Schlaf und seelischer Zustand hängen eng zusammen. Dies haben auch mehrere Forschungen belegt. Zu wenig oder zu schlechter Schlaf kann sogar zu schweren psychischen Erkrankungen wie Depressionen führen. Die Schweizer Schlaflabors sind ausgebucht, immer mehr Menschen sind von massiven Schlafproblemen betroffen.

Anstieg Schlafprobleme

Über vier Millionen Packungen Schlafmittel wurden allein 2010 verkauft, Tendenz steigend. Dass massive Schlafprobleme immer häufiger werden, erkennt man auch an der Schweizerischen Klinik für Schlafmedizin in Bad Zurzach: „2011 war unser Labor zu 100 Prozent ausgebucht.“ Ähnlich geht es auch den anderen bekannten Schlafkliniken.

Ausschlaggebend für diesen Anstieg ist laut Experten nicht nur zu viel Lärm und Licht unserer heutigen Zeit, sondern vor allem Stress, der wiederum auch Depressionen nach sich ziehen kann.

Ursachen finden und angehen

Ob die Schlafprobleme von der Depression kommen oder die Depression von den Schlafproblemen, ist häufig nur schwer festzustellen. Für die richtige Behandlung kann dies aber natürlich ausschlaggebend sein, da die Behandlung deutlich unterschiedlich ausfallen kann. Je weiter fortgeschritten, müssen aber beide Probleme zusammen angegangen werden.

Dazu werden eine psychologische und eine schlaftechnische Untersuchung gemacht, beides fängt beim Hausarzt an. Eventuell kann schon der Hausarzt herausfinden, welches die eigentliche Ursache ist. Schlafprobleme gehören in unserer Gesellschaft ja schon fast zum Alltag. Ein Hausarzt wird schnell erkennen, ob eine Behandlung wirklich notwendig ist, oder ob schon eine oder mehrere Anpassungen im Alltag ausreichen können.

Hell erläuchtetes LA  (S. Kunka/pixelio.de)
Nicht nur Lärm und zu viel Licht sind das Problem, sondern auch zu viel Stress! (S. Kunka/pixelio.de)

Schlafen lernen

Es ist wichtig, auch körperliche Ursachen auszuschliessen. Damit sind Erkrankungen wie Schlafapnoe gemeint, im Gegensatz zu schlafungünstigem Verhalten wie Alkoholkonsum oder zu viel Stress vor dem Einschlafen und weiteres.

Doch auch diese müssen erkannt und behoben werden, denn das Resultat ist das gleiche: Der anhaltende Schlafmangel greift die Energiereserven an und verursacht durch diese Erschöpfung bei manchen Personen Depressionen. Würde hier jedoch nur eine Depression behandelt, wäre der Erfolg gering.

Häufig ist es nicht möglich, Ursache und Wirkung klar zu trennen und dies macht eine gleichzeitige Behandlung erforderlich. Dies kann aber auch eine Chance sein, wenn Schlafen „gelernt“ wird. Durch das Erlernen kognitiver Verhaltensstrategien lassen sich depressive Gefühle und Einschlafprobleme beeinflussen und steuern.

Depression und Schlaf: ein Teufelskreis

Ob nun eine Depression Schlafprobleme verursacht oder umgekehrt: Wichtig ist, dass Experten, also Schlafmediziner und Psychologen, hinzugezogen werden. Eine oder mehrere Nächte im Schlaflabor wie zum Beispiel der Klinik für Schlafmedizin in Bad Zurzsach können für eine klare medizinische Einschätzung des Falls sorgen.

Menschen mit Depressionen weisen andere Schlafmuster im Tief- und Traumschlaf auf als gesunde Menschen. Konkret heisst das weniger Tiefschlaf und mehr Traumschlaf. Solche Merkmale entscheiden über die richtige Behandlung, vor allem bei gleichzeitigem Vorkommen von Depression und Schlafproblemen.

Nur mit einer vollständigen Krankengeschichte kann über die richtige Behandlungsmethode entschieden werden. Der Hausarzt wird deshalb häufig die Abklärung beider möglichen Ursachen anordnen. Dazu kann auch ein Schlaftagebuch beitragen, das nicht nur gewisse „Fehlverhalten“ erkennen lassen, sondern auch wichtige Anhaltspunkte für die Diagnose spezifischer Depressionen liefern kann. Ein Schlaftagebuch sollte mindestens zwei Wochen gewissenhaft geführt werden, raten Experten.

Gerade bei Patienten ab mittleren Alters können Einschlafschwierigkeiten auf Depressionen hinweisen. Eine endgültige Diagnose kann jedoch nur ein Arzt liefern. Weitere Informationen finden Sie bei den unten aufgeführten Schlaflaboren.


Text: M. Plattner - 03/2012

Bilder: pixelio.de
 

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