Depression: Belastung für die Partnerschaft

Mann und Frau streiten sich über einen Tisch hinweg
Man muss den Partner nicht immer nur mit Samthandschuhen anfassen. Eigene Bedürfnisse sollte man nicht vergessen (Rico Kühnel/pixelio.de)

Eine Depression ist nicht nur eine große Belastung für die betroffene Person selbst, sondern auch für ihr Umfeld. Eine ganz besondere Herausforderung ist sie für eine Partnerschaft. Das gemeinsame Durchstehen kann die Beziehung aber auch festigen.

Lebt man mit einer Person mit Depressionen zusammen, kann das eine sehr große Belastung - emotional und körperlich - sein. Es kann sein, dass man sich hilflos fühlt, Schuldgefühle hat und sich überfordert fühlt.

Mitfühlen, nicht mitleiden

Die bedrückte oder gar aggressive Stimmung kann auf Dauer auch auf den Partner überspringen. Mitfühlen, nicht mitleiden heißt hier aber die Devise. Dem Partner ist nicht geholfen, wenn man ebenfalls depressiv wird, und sei das nur aus Empathie. Angehörige und Partner dürfen und sollen sich sogar immer noch am Leben erfreuen.

Auch wenn es schwer fällt, bleiben die meisten Partnerinnen und Partner bei den Betroffenen, Anteilnahme und Hilfsbereitschaft lassen die vorhandenen Schwierigkeiten überwinden. Diese Schwierigkeiten zusammen zu meistern, sehen viele als Beweis für ihre Beziehung an.

Anders sieht es bei der manisch-depressiven Krankheit aus. Viele Beziehungen zerbrechen da oft schon nach der ersten manisch-erregten Phase.

Nicht zum Laien-Doktor werden

Schnell wird man in einer Beziehung mit einer depressiven Person zu einer Art Laien-Doktor. Man versucht, dem Partner mit Ratschlägen beizustehen, zu motivieren und die Depression "verschwinden zu lassen". Natürlich darf man motivieren, die Schulter zum Ausweinen sein und den Partner unterstützen.

Rotes Herz mit Pflastern geflickt
Depressionen in einer Partnerschaft können sehr belastend sein, aber auch festigend. (Simone Hainz/pixelio.de)

Wichtig ist aber, dass man dabei nicht in die Rolle eines Therapeuten rutscht. Angehörige sind selten dazu ausgebildet und selbst wenn, ist die emotionale Bindung zu der betroffenen Person zu groß. Ein Partner oder auch Angehörige und Freunde sollten nie versuchen, einen professionellen Therapeuten zu ersetzen. Spätestens dann, wenn vergebliches Bemühen um Aufhellung der trostlosen Gemütsverfassung Gefühle ärgerlicher Hilflosigkeit auslösen, stoßen Angehörige an ihre Grenzen. Sie spüren, dass sie die Betroffenen "trotz guter Argumente" gefühlsmäßig nicht erreichen können.

Was können Partner tun?

Wichtig ist es, dass man seinen Partner und seine Depressionen ernst nimmt. Angehörige können Betroffenen wenn nötig auch kleinere Arbeiten abnehmen, wie zum Beispiel Arzttermine organisieren oder im Haushalt mehr Aufgaben erledigen.

Der Partner kann zu gemeinsamen Aktivitäten animiert und dabei unterstützt werden, die Medikamente richtig einzunehmen und Termine einzuhalten. Partner von depressiven Menschen müssen dabei aber immer bedenken, dass sie auch eigene Bedürfnisse haben. Auch wer seinen Partner liebt, darf ab und zu sauer oder enttäuscht sein.

Für seinen Partner da sein, heißt nicht zwingend, dass man alles aufgeben und seine eigenen Bedürfnisse zurück stecken soll. Im Gegenteil.

Hilfe für Angehörige

Angehörige können die Belastungen durch die Depression besser ertragen, wenn sie sich selbst auch etwas Gutes tun, für seelischen Ausgleich sorgen und eigene Bedürfnisse nicht vernachlässigen. Sich mit Freunden auszutauschen ist wichtig, aber nicht immer ausreichend. Für diese Fälle gibt Selbsthilfe- oder Angehörigen-Gruppen, ebenso auch eine umfassende und sachgerechte Unterstützung und Beratung durch eine Fachperson.

Tipps, wie Sie sich Ihrem depressiven Partner gegenüber verhalten können, finden Sie hier.  Betroffene finden auch in unserem Forum Rat von anderen Betroffenen und unseren Fachexperten.

 

Text: M. Plattner - 09/2012
Bilder: pixelio.de

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