Verzweiflung als Begleiter - Wege aus der Depression

Ausschnitt eines traurigen Mädchengesichts
Depression ist mehr als nur gewöhnliche Traurigkeit (CFALK/pixelio.de)

Gerade Menschen, die eine körperliche Behinderung durch Unfall oder schwere Krankheit erwerben, fallen nach dem traumatischen Ereignis in ein inneres Loch: zu schmerzhaft wiegt der Verlust von Fähigkeiten gegenüber den positiven Aspekten im Leben. Doch es gibt Wege aus der Depression. 

Karl C. Mayer analysierte 2004 die Daten der Schweizerischen Gesundheitsbefragung und stellte fest, dass körperliche Behinderungen mit psychischen Problemen, insbesondere der Depression, Hand in Hand gehen.

Kein überraschendes Ergebnis. Erfährt ein Mensch eine Erkrankung, Verletzung, einen Verlust oder eine Behinderung, glaubt er an Wert zu verlieren. Er glaubt, dass er nichts Wertvolles mehr tun kann. Von diesem verminderten Selbstwertgefühl getrieben, geraten körperlich geschwächte Menschen vermehrt in eine niedergeschlagene, „depressive“ Stimmung.

Die dunkelste der dunklen Nächte

Niemand ist immer „gut drauf“, depressive Verstimmungen sitzen jedoch viel tiefer: Freude und Antriebskraft sind verloren gegangen. Alles Denken, Entscheiden, Lernen und Erinnern fällt unendlich schwer. Die vorhandenen Sonnenstrahlen können den dichten grauen Schleier nicht mehr durchbrechen, um die innere Wirklichkeit mit positiver Energie zu versorgen. 

Mit einer guten Portion Selbstkritik und dem Willen, die Krise zu meistern sowie einem Quäntchen Vertrauen in das Gelingen, kann folgende Check-Liste zumindest bei der Überwindung leichter Depressionen helfen.

Der Anfang vom Ende der Depression 

  • Finden Sie heraus, was es mit der Depression auf sich hat.
  1. Benutzen Sie die Depression, um eine Ausrede zu haben, um etwas nicht tun zu müssen?
  2. Oder wehren Sie sich innerlich gegen die Depression, kämpfen Sie gegen Ihre eigene schlechte Stimmung an, weil Sie diese unbedingt loswerden wollen?

Benutzen Sie die Depression als Ausrede, haben Sie gerade Ihren eigenen kleinen Schweinehund entdeckt.

Sagen Sie: „Jetzt erst recht!“ und stellen Sie sich Ihrer Lebenssituation: „Mein lieber kleiner Schweinhund, du bist da, ich mag dich sogar irgendwie, aber du wirst mich nicht davon abhalten meinen einzigartigen, sinnvollen Lebensweg zu gehen.  

Sagen Sie Ja zu Ihren Gefühlen

Falls Sie sich bei den Depressions-Ankämpfern entdecken, versuchen Sie den Kampf gegen die Depression langsam niederzulegen. Lassen Sie die Depression ganz zu. 

Öffnen Sie der Depression Ihr Herz, umarmen Sie sie. Entspannen Sie sich in der Depression. Wenn sich die Depression als Teil Ihres Lebensgesamtkunstwerks angenommen fühlt, ist es gut möglich, dass sie nachlässt.

So widersprüchlich es auch klingt: Erst wenn Sie das Negative akzeptieren, kann sich wieder ein positives Lebensgefühl einstellen.

Möglicherweise kommen Sie durch die Akzeptanz der Depression mit (bisher verdrängten) Gefühlen, z.B. Wut in Kontakt. Es ist nämlich gut möglich, dass wir z.B. in unserer Kindheit nicht wütend oder traurig sein durften. Vielleicht war es „nicht gestattet“, mal richtig „scheiße zu sein“, sich so zu fühlen. Somit kann die Aussöhnung, die tiefe Selbstakzeptanz unseres gegenwärtigen Menschseins unter Umständen verborgene Gefühle an die Oberfläche unseres Bewusstseins bringen.

Daran ist nichts verkehrt, solange man sich nicht in suchtartig ausgeübte Aktionen (z.B. Alkohol, übertriebener Sport, Arbeitswahn etc.) flüchtet. Gehen Sie damit einfach wie im Folgenden beschrieben um:

Das zärtliche Zulassen, das Gewahrsein dieser Gefühle kann als positiv angesehen werden. Sie können sie zulassen, ohne sich in Sie zu „verstricken.

Und: Sie berühren allmählich ihre innere Sanftheit und Liebesfähigkeit, Lieblichkeit Ihre wahre Kraft. Es ist, als würden Sie einer zarten „Stimme“ folgen, inmitten aller Gefühle, Gedanken und Zuständen ihres Bewussteins. Diese Stimme ist still, zart und weise...

Und: Es ist annehmbar, das es immer eine noch stillere, zartere, weisere Stimme in Ihnen gibt, welcher Sie folgen können. Die Stimme führt in und rührt aus der Seelentiefe aus der Grundwesenheit (vgl. Beitrag zur Grundwesenheit) des Menschen.

Der bekannte Psychotherapeut Victor Frank, welcher eine jahrelange KZ-Inhaftierung überlebte, nannte diesen Bereich „Das unzerstörbar Heile im Menschen“. Gut möglich, dass eine Depression - so betrachtet - sogar eine Hilfe ist, sich diesem stets gegebenen Wesenskern (wieder, tiefer) bewusst zu werden“. Der Psychologe C. G. Jung nannte diesen Prozess die „Selbstwerdung“, die der Ichwerdung folgt. Die in diesem Zusammenhang manchmal auftauchende „Depression“ nannte ein weiterer Therapeut (Graf Dürkheim) „existentielle Neurose“, welche im Zusammenhang mit besagtem Prozess stehen kann.  

  • Beobachten Sie Ihre Gedanken und Gefühle.

Alle Gedanken und Gefühle dürfen da sein, gefühlt und gedacht werden. Versuchen Sie zu erkennen, dass Gedanken und Gefühle zwar in Ihnen erscheinen aber nicht „Sie selbst" sind. Nehmen Sie Ihre Gefühle an, aber identifizieren Sie sich nicht mit ihnen.

Werden Sie allmählich zum Zeugen Ihrer Gedanken und Gefühle. Stellen Sie sich vor, dass Sie die Sonne sind, vor der diese Gedanken und Gefühle wie Wolken erscheinen. Auch wenn dunkle Wolken vor die Sonne ziehen, ist die Sonne stets hinter den Wolken und wird immer wieder zum Vorschein kommen.

  • Essen Sie viel Obst, Gemüse und Nüsse. Nehmen Sie leichte und bekömmliche Nahrung zu sich und bewegen Sie sich an der frischen Luft.

Zur Unterstützung können Sie das Medikament Johanniskraut (in der Apotheke rezeptfrei erhältlich) einnehmen. Es ist rein pflanzlich und ohne Nebenwirkungen.

  • Machen Sie alles, was Ihnen Spaß macht und Sie zum Lachen bringt.

Denken Sie nach: Was ist sinnvoll? Wofür kann ich meine Zeit gut investiert? Wo kann ich mich sinnvoll engagieren? Was kann ich mit dem Moment, der mir gerade geschenkt wird, Sinnvolles anfangen?

  • Gehen Sie alle Herausforderungen des Alltags an.

Versuchen Sie gleichzeitig immer die gegenwärtige Lebenssituation zu akzeptieren, so wie sie ist. Planen Sie Ihre Zukunft gemäß Ihrer neuen Situation. Vielleicht  müssen Sie Ihre Lebenshaltung und Ziele verändern. Besinnen Sie sich auf das, was Sie noch immer können. Geben Sie sich auch unter den veränderten Voraussetzungen eine Chance.

  • Versuchen Sie nicht die Welt zu verändern, sondern verändern Sie Ihre Reaktionen auf Ihre Umwelt. 

Vielleicht fühlen Sie sich von Ihrer Umwelt nicht mehr verstanden? Vielleicht sind Sie maßlos enttäuscht von scheinbaren Freunden? Räumen Sie Ihr Leben und Ihre Beziehungen auf und fangen Sie bei sich selbst an. Kämpfen Sie dafür, Ihr Leben so zu gestalten, wie Sie es wollen und es mit den Menschen zu füllen, die Ihnen gut tun. Es ist Ihr Recht!

  • Lernen Sie aus Ihren Fehlern.

Überlegen Sie, wie die Depression Ihren Lebensweg auf positive Weise beeinflusst hat. Überlegen Sie sich auch, von was die Depression Sie im positiven Sinne abhalten könnte, z.B. von einem zu hektischen, nur auf (schnellen) Konsum ausgerichteten Leben oder Ähnlichem.

  • Vermeiden Sie im Übermaß folgende Substanzen:

Alkohol, Tabak und Koffein. Zwar kann zunächst eine aufputschende Wirkung dadurch erzeugt werden, die jedoch nach gewisser Zeit tendenziell eher in eine stimmungsdämpfende Richtung umschlagen kann.

  • Achten Sie auf Ihr Schlafverhalten / Ihre Schlafhygiene

Stellen Sie Ihre Versorgung mit ausreichend Schlaf sicher. Das heißt: Legen Sie sich hin, aber ohne den festen Vorsatz, einschlafen zu müssen; Der feste Vorsatz würde Sie nur blockieren. Räumen Sie alles aus Ihrem Schlafzimmer / Schlafumfeld, was nicht in den Bereich Schlafen fällt: z.B. technische Geräte, Computer, Fernseher etc. Entspannungsmusik oder ein gutes Buch sind nicht dazu zu zählen, sondern könnten möglicherweise eher schlaffördernd sein. 

  • Lesen Sie Bücher von Menschen, die Sie für weise halten.

Hier finden Sie einige Buchtipps von MyHandicap.

  • Machen Sie anderen eine Freude.

Wer anderen eine Freude macht, erntet viele positive Gefühle. Seien Sie ruhig verschwenderisch mit Freundlichkeit. Sie werden sehen, das Postive kommt zurück.

Aktiv zurück ins Leben: auch mit Behinderung

So vielfältig und unterschiedlich diese Tipps auch sind, eines haben sie alle gemeinsam: Ihr Fokus liegt auf Passivität und Aktivität gleichzeitig, eine Tendenz in Richtung einer harmonischen Balance.

Passivität im Sinne von Ruhe, Entspannung, Innehalten, Geduld, sich Zeit geben, In die Stille gehen, In sich mit zarter, sanfter Intuition hineinspüren, der Stimme des Herzens lauschen, seine Lebensausrichtung überdenken, sich den eigenen Bewusstseinzustand (Gedanken, Worte und Taten) bewusst machen und sich langsam von aller Negativität lösen, Altes loslassen, Neues, bisher Unbekanntes zulassen, sich dem Leben anvertrauen, sich vom Leben auch wenn man es nicht immer mit dem Kopf verstehen kann vertrauensvoll tragen lassen, Einfachheit, Lauschen, ehrlicher Offenheit, Freude, Liebe und Lachen zulassen, nichts Besonderes sein müssen und dadurch einzigartig wirken etc.

Aktivität im Sinne von ehrlich die Verantwortung übernehmen, von geduldig, tatkräftig weitermachen, so sinnvoll wie möglich zu agieren (für sich und für andere), sich trauen Wagnisse einzugehen, sich erlauben von den Meinungen anderer und auch von den eigenen (Negativ-)Bewertungen frei und unabhängig zu machen, seine Haltung klar vertreten aber ohne Negativität, ohne „erbitterten Kampf gegen Sich und die Anderen“. Sondern: Ein „friedvoller Krieger werden“, der sich auch zu menschlicher Verletzlichkeit bekennt und integrativ, kooperativ und versöhnend ausgerichtet ist.   

So beginnen Sie Ihr Leben wieder aktiv in die Hand zu nehmen! Aller Anfang ist schwer, aber jeder noch so kleine Schritt lohnt sich und führt Sie hin zu einer positiven Grundstimmung. Weitere, vielfältige psychologische Tipps finden Sie unter der Rubrik Psychologische Wochentipps.

Text: TGL/MHA/IRÖ
Foto: pixelio.de

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