Altersdepression - Depressionen im Alter

Eine nachdenkliche, alte Frau (Gerd Altmann/pixelio.de)
Depressionen im Alter sind keine Seltenheit und die Risikofaktoren zahlreich. (Gerd Altmann/pixelio.de)

Das erstmalige Auftreten von Depressionen kommt im Alter häufiger vor als in anderen Lebensabschnitten. Die Depressionen dauern länger an, werden oft nicht als solche erkannt oder unzureichend behandelt.

Die Gerontopsychiatrie geht davon aus, dass es eine eigentliche Altersdepression nicht gibt, vielmehr kommen im Alter alle Arten von depressiven Symptomen vor. Deshalb spricht man häufiger von Depressionen im Alter.

Im Zusammenhang mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen wird viel über die steigende Zahl von Demenz oder chronischen Erkrankungen gesprochen. Weniger im Zentrum stehen die Altersdepressionen - oder eben Depressionen im Alter. Dabei ist statistisch erwiesen, dass mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit steigt, an einer Depression zu erkranken. Vor allem auf Menschen in Spitälern und Heimen trifft dies zu. Auch die Suizid-Rate ist bei den über 65-Jährigen am höchsten.

Depression kann viele Ursachen haben

Die Risikofaktoren für eine Depression im Alter sind zahlreich. Dazu gehört der ganz normale Alterungsprozess, hier können Hormonstörungen oder Störungen des Neurotransmitterstoffwechsels der Nervenzellen Ursache einer Depression sein.

Bei im Alter häufiger auftretenden Behinderungen, bei Demenz, Herz-Kreislauf-Krankheiten, organischen Erkrankungen, Krebs oder anderen lebensbedrohlichen Krankheiten kann Depression eine Begleiterkrankung sein. Auch chronisch schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparates können letztlich zu einer Depression führen. Und ein Nährstoffmangel kann ebenso ursächlich sein wie die Einnahme bestimmter Medikamente.

Alterungsprozess wird unterschiedlich erlebt

Vielfach sind es aber auch einfach das Leben und Erlebtes, die zu einer Depression führen können: Generell ist das Altern zwar ein Schicksal, das alle Menschen miteinander teilen. Niemand kann sich dem Alterungsprozess entziehen. Und dennoch erlebt jeder diesen Prozess anders, abhängig von zahlreichen, nicht beeinflussbaren Faktoren. Dazu gehören der Verlust des Partners, von Verwandten oder Freunden, Einsamkeit und Verlassenheit, das Gefühl der Nutzlosigkeit, das Konstatieren von nachlassender Aufnahme- und Merkfähigkeit, die Angst vor dem Alter - und vor dem Tod.

Eine Frau betrachtet sich am Strand den Sonnenuntergang. (SGV/pixelio.de)
Das Gefühl von Verlassenheit und Einsamkeit ist ein möglicher Grund für eine Depression im Alter. (SGV/pixelio.de)

Depression oder Stimmungsschwankung?

Die Kombination von körperlichen, seelischen und sozial bedingten Ursachen und Faktoren erschweren die Diagnose einer Depression im Alter. Auch werden viele mentale Tiefs als normal hingenommen oder einfach als Stimmungsschwankung abgetan. Gerade ältere Menschen getrauen sich oft nicht, eine verschlechterte Stimmungslage zuzugeben oder gar als Krankheit anzuerkennen.

Anzeichen einer Depression

Es gibt aber zahlreiche Anzeichen für eine Depression, die sich im Prinzip nicht von einer Depression bei jüngeren Menschen unterscheidet. Sie können auf emotionaler oder körperlicher Ebene auftreten und zu einem veränderten Verhalten oder Denken führen.

Emotionen

  • lang andauernde Niedergeschlagenheit und Traurigkeit
  • Gefühle von Hilflosigkeit, Einsamkeit, Schuld und Angst
  • Rückzug von und Distanz zur Umwelt
  • Interessensverlust
  • Antriebslosigkeit, Alltägliches wird zu Herausforderung
  • Negative Gedanken, Pessimismus,
  • Konzentrationsstörungen

Körperlich

  • Müdigkeit und Mattigkeit
  • Innere Unruhe, Erregung oder Reizbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
  • Schmerzen

Entsprechend der vielen möglichen Ursachen ist eine Depression im Alter wie erwähnt nicht leicht festzustellen. Auch Fachpersonal fällt es oft schwer, eine Depression zu erkennen. Eine ausführliche Diagnostik und Behandlung möglicher körperlicher Krankheiten sollte deshalb die psychiatrische Diagnostik ergänzen.

Einige wenige Fragen können Klarheit bringen

Einen ersten Anhaltspunkt erhält der Hausarzt unter anderem mit Fragen entlang der sogenannten Geriatrischen Depressions-Skala GDS. Dieser Test wurde speziell für ältere Menschen entwickelt und beinhaltet 15 mit Ja oder Nein zu beantwortende Fragen zur Lebenszufriedenheit, Gefühlen der Hilflosigkeit oder Ängsten und Rückzug.

Stellt der Hausarzt eine mögliche Depression fest, kann er eine Überweisung an den Facharzt vornehmen. Wenn Betroffene die Depression und die Symptome im Gegensatz zum Hausarzt erkennen oder zu erkennen glauben, können sie auch direkt einen Facharzt aufsuchen.

Therapie: Psychotherapie und Medikamente stehen im Zentrum

Die Therapie von Depressionen im Alter unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der Behandlung jüngerer Patienten. In Frage kommt eine Psychotherapie und/oder eine medikamentöse Behandlung. Bei Therapiesitzungen nehmen die Spezialisten jedoch Rücksicht auf das Alter der Patienten. So können allfällige Therapiesitzungen kürzer und das Vorgehen langsamer sein und Kernaussagen können öfters wiederholt werden.

 

Text: Patrick Gunti – 03/2013

Fotos: pixelio.de
 

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