Burnout-Syndrom - Ursachen, Symptome und Behandlung

Mann lehnt sich an Fenster (Paul-Georg Meister/pixelio.de)
Burnout – oder wenn es den ganzen Tag 5 vor 12 ist. (Paul-Georg Meister/pixelio.de)

Kaum eine seelische Beeinträchtigung hat in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit erzeugt wie das Burnout-Syndrom. Eine Krankheit nach Definition als solche ist Burnout nicht, zu diffus sind die Krankheitsbilder, zu verschieden die Symptome. Nichts desto trotz erkranken immer mehr Menschen daran.

Skispringer Sven Hannawald, Autor Frank Schätzing, Publizistin Miriam Meckel, SPD-Politiker Matthias Platzeck ? die Reihe von öffentlich bekannten Personen, die an Burnout (dt. ?ausbrennen?) gelitten haben ist lang. Die Namen tun nichts zur Sache, bringen das Thema aber der Gesellschaft näher, einer Gesellschaft die selber immer häufiger von Burnout, Erschöpfung, Depression betroffen ist ? mit den entsprechenden Folgen für den Arbeitsmarkt, für den Gesundheitsbereich und die Krankenversicherung.

Enormer Anstieg von psychischen Krankheiten

In Deutschland bezeichnet der Gesundheitsreport 2010 des Gesundheitsdienstleisters DAK den weiteren Anstieg der psychischen Krankheiten als ?auffällig?. Ihr Anteil am Krankenstand nahm zwischen 1998 und 2009 von 6,6 auf 10,8 Prozent zu und stellt jetzt die viertgrößte Krankheitsart dar, mit einer durchschnittlichen Ausfallzeit von 28 Tagen jährlich.

Seit 1990 haben sich die Krankschreibungen wegen psychischer Belastungen fast verdoppelt. 2009 wurden 38 Prozent aller Frühverrentungen aufgrund von seelischen Krankheiten bewilligt.

In der Schweiz sind psychische Krankheiten mit Abstand die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Invaliditätsrenten. Zwischen 1998 und 2007 haben sie sich fast verdoppelt. Die SECO-Studie ?Stresskosten in der Schweiz? schätzte die Arztkosten und Kosten wegen Produktionsausfällen aufgrund von Stress-Leiden bereits vor zehn Jahren auf über 4 Mrd. Schweizer Franken.

Schwierige Diagnose von Burnout

Ist heute von psychischen Krankheiten die Rede, fällt schnell der Begriff ?Burnout?. So einfach und einprägsam das Wort und so ketzerisch der Einwurf vieler Kritiker, die anmerken, es handle sich lediglich um eine Zeiterscheinung, so schwierig ist letztlich die Diagnose einer Krankheit, die als solche gar nicht existiert.

Die International Classification of Disorders führt zwar den Begriff Burnout, allerdings nicht als eigentliche Krankheit, sondern als sogenanntes Zustandsbild unter dem Oberbegriff ?Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung?.

verschwommene Aufnahme von gehenden Personen mit Rollkoffern (Rainer Sturm/pixelio.de)
Der immer hektischer werdende berufliche und private Alltag fordert seinen Tribut. (Rainer Sturm/pixelio.de)

Wissenschaftliche Definition von Burnout

Der 1999 verstorbene deutsch-amerikanische Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger hat den Begriff Burnout geprägt und in den 1970er-Jahren erstmalig in einer Publikation verwendet.

Freudenberger betrachtet Burnout als einen Zustand der Erschöpfung und Frustration, verursacht durch unrealistische Erwartungen. Er definiert Burnout als einen Energieverschleiß, eine Erschöpfung aufgrund von Überforderungen, die von innen oder von außen – durch Familie, Arbeit, Freunde, Liebhaber, Wertesysteme oder die Gesellschaft kommen kann und einer Person Energie, Bewältigungsmechanismen und innere Kraft raubt.

Burnout ist ein Gefühlszustand, der begleitet ist von übermäßigem Stress, und der schließlich persönliche Motivationen, Einstellungen und Verhalten beeinträchtigt.

Weit mehr als eine „Manager-Krankheit“

Burnout wird in erster Linie mit der Intensivierung der Arbeitswelt und den Anforderungen der globalisierten Gesellschaft in Verbindung gebracht und wurde lange Zeit als „Manager-Krankheit“ bezeichnet. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass jedes Individium mit Stressfaktoren anders umgeht. Statistiken beweisen aber, das Burnout längst mehr als die erwähnte „Manager-Krankheit“ ist.

Immer mehr Arbeitende leiden unter hoher Arbeitsbelastung, Zeitdruck, wachsender Verantwortung bei möglicherweise wenig Unterstützung, Mobbing und der Angst vor einem Arbeitsplatzverlust.

Treffen kann der Burnout jede und jeden, besonders gefährdet sind Menschen, bei denen intensive Beziehungen zu anderen Menschen im Mittelpunkt stehen, wie zum Beispiel Manager in der mittleren Führungsstufe, Lehrpersonal, Ärzte oder Krankenschwestern oder aber auch Politiker.

Verstärkt wird der Druck durch eine andauernde Erreichbarkeit über Mail, Smartphone oder Tablet-PC und begleitend dazu der Umgang mit Social Medias, der ebenfalls gelernt sein will. Viele Gewerkschaften und Betriebsräte fordern daher die Betriebsvereinbarung zur Prävention von Burnout entsprechend zu gestalten.

Stärker als Männer sind Frauen von Burnout betroffen. Sie kommen mit der oftmals vorhandenen Doppelbelastung als Berufsfrau und Mutter, gepaart mit zu hohen Ansprüchen an sich selbst, an die Grenze der Belastbarkeit.