Wenn Angst zur Krankheit wird

Weibliches Gesicht mit angstvollem Blick (Bild: Falk/pixelio.de)
Angst kann sich zu einer schweren seelischen Beeinträchtigung auswachsen (Bild: Falk/pixelio.de)

Die Angst ist grundsätzlich etwas Gutes, denn sie warnt den Menschen vor Gefahren. Sie ist unsere eigentliche „Alarmanlage“. Entstehen aber durch Angst Kontrollverluste, Panikattacken oder Lähmungen, liegt eine Angststörung vor, die häufigste psychische Erkrankung unserer Zeit vor.

Wir alle kennen Ängste von frühester Kindheit an. Angst, alleine zu sein. Angst vor der Dunkelheit, Prüfungsangst, Angst vor Gewittern, in späteren Lebensphasen Angst vor Krankheiten, Einsamkeit oder letztlich dem Tod. Ängste gehören zu unserer normalen Entwicklung. Sie kommen und gehen, mal sind sie ausgeprägter, mal einfach nur begleitend. Im Normalfall lernen wir, mit unseren Ängsten zu leben.

10 bis 15 Prozent der Bevölkerung betroffen

Dies ist aber nicht immer der Fall. Immer mehr Menschen, man schätzt 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung, werden von Angststörungen heimgesucht. Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer. Der Bundes-Gesundheitssurvey 1998 lieferte erstmals repräsentative Zahlen zur Verbreitung von Angststörungen in Deutschland. 14,2 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 65 Jahren hatten während des vorausgegangenen Jahres unter einer Angststörung gelitten.

Dabei waren Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer. Angststörungen kommen die Gesellschaft teuer zu stehen. Zu beachten sind einerseits die Arztkosten, die sich bereits auf hohe Beträge summiert haben, bis überhaupt eine verlässliche Diagnose gestellt werden kann. Kann eine Angststörung nicht rechtzeitig und wirksam behandelt werden, droht eine dauernde Erkrankung, Arbeitsplatzverlust und somit hohe Ausfall- und Versicherungskosten.

Zur Störung wird Angst immer dann, wenn sie wiederholt in Situationen auftritt, in denen real und nach menschlichem Ermessen gar keine Gefahr oder Bedrohung vorliegt, wenn sie also unverhältnismäßig ist. Die Angst äußert sich häufig mittels körperlicher Symptome wie beispielsweise Herzrasen, Schwindel, Zittern, Schweißausbrüchen, verminderter Belastbarkeit oder Beschwerden im Magen-Darm-Trakt.

Forenbeiträge zum Thema:
Angststörung und Depression
Sind Angststörungen vererbbar?
Selbsthilfe bei Angststörung

Vielfältige Ursachen

Über die Ursachen von Angststörungen gibt es verschiedene Erkenntnisse. Grundsätzlich scheint es so zu sein, dass manche Menschen für die Entwicklung einer Angststörung besonders anfällig sind. Bei der Entstehung von Angsterkrankungen geht man heute davon aus, dass stark belastende Lebensumstände wie Unfälle, Scheidungen oder Stellenverluste, traumatisierende Erlebnisse in der Kindheit oder im Erwachsenenalter, Kindheitserlebnisse und Erziehungseinflüsse einen starken Einfluss haben. Vermutet wird auch eine vererbte Bereitschaft, an einer Angststörung zu erkranken.

Es hat sich gezeigt, dass immer verschiedene Ursachen und Auslöser zusammen kommen müssen, damit es zum Ausbruch einer Angststörung kommt. Nur selten findet sich eine einzige Ursache. Angststörungen können aber auch durch einschneidende Angsterlebnisse gefördert werden. So können sich zum Beispiel erlebte Flugturbulenzen zu einer ausgeprägten Flugangst entwickeln.

„Phobische Störungen“ und „Andere Angststörungen“

Angststörungen werden im Klassifikationssystem ICD-10 (International Classification of Disorders) als neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen kodiert.

Die ICD-10 unterscheidet zwischen „Phobischen Störungen“ (Agoraphobie, Soziale Phobie, spezifische Phobien, sonstige phobische Störungen) und „Anderen Angststörungen“ (Panikstörungen, generalisierte Angststörung).

verschwommen: Tunnel mit Auto (Bild: A. Dreher/pixelio.de)
Wenn der Tunnel zum unüberwindbaren Hindernis wird (Bild: A. Dreher/pixelio.de)

Agoraphobie: „Ich sitze in der Falle“

Die häufigste Phobie ist die sogenannte Agoraphobie. Diese liegt bei Menschen vor, die an bestimmten Orten ein starkes Unwohlsein, oder eben Angst empfinden. Dazu gehören öffentliche Plätze, Geschäfte oder Orte mit großen Menschenmengen.

Auch bei weiten Reisen alleine kann dieses Phänomen auftreten. Gemeinsam ist diesen Situationen, dass die Betroffenen glauben, im Falle des Auftretens von Panik oder potenziell bedrohlichen Zuständen nicht schnell genug flüchten zu können, dass Hilfe nicht schnell genug vor Ort wäre oder dass sie in peinliche Situationen geraten könnten.

Das Grundgefühl, anderen Menschen ausgeliefert zu sein, setzt eine körperliche Stressreaktion in Gang, die zu den oben erwähnten Angstsymptomen bis hin zu Panikattacken führen kann. Die Betroffenen zeigen ein starkes Vermeidungsverhalten, das oft zu einem totalen Rückzug in die eigenen vier Wände führt – mit den Folgen neuer Ängste vor Isolation und dem Verlust vertrauter Personen.

 

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