Spastik nach Schlaganfall

Eine Seniorin hält sich am Stuhl fest und beugt einen Unterschenkel nach hinten
Mittels der Physiotherapie können bei einem Schlaganfall verloren gegangenen Fähigkeiten wiedererlangt werden. (Foto: DAK-Gesundheit)

Eine der möglichen Folgen des Schlaganfalls ist eine Spastik, meistens in den Armen oder Beinen. Erfahren Sie hier mehr über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Krankheit.

In Deutschland bekommen pro Jahr 200.000 bis 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Jeder Fünfte stirbt an den Folgen. Damit ist der Schlaganfall nach Krebs und Herzerkrankungen die dritthäufigste Todesursache. Außerdem ist der Hirnschlag oft Ursache für eine Schwerbehinderung und Pflegebedürftigkeit. Rund 50 Prozent der Betroffenen sind dauerhaft auf Unterstützung angewiesen.

Das Schlaganfall-Risiko stiegt mit dem Alter an

Ein Schlaganfall kann grundsätzlich jeder bekommen – auch Kinder sind betroffen. Allerdings steigt das Schlaganfall-Risiko mit zunehmendem Alter deutlich an. Rund die Hälfte der Patienten sind 75 Jahre und älter – nur 15 Prozent jünger als 45 Jahre. Außerdem sind mehr Männer als Frauen betroffen.

Die Gefahr, einen Schlaganfall zu bekommen, ist erhöht, wenn bereits eine derartige Erkrankung in der Familie aufgetreten ist oder wenn der Betroffene selbst schon einmal einen Schlaganfall erlitten hat. Zu den Risikofaktoren gehören unter anderem Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Fehlernährung und Übergewicht Bewegungsmangel, Rauchen und Alkohol.

Die Lähmung ist eine häufige Folge des Schlaganfalls

Viele Betroffene sind nach einem Schlaganfall ganz oder teilweise gelähmt. Ausmaß, Schwere und Auswirkungen der Lähmung sind individuell verschieden. Eine Gesichtslähmung beispielsweise führt zu Schwierigkeiten beim Sprechen, Kauen und Schlucken. Deshalb kann es nötig sein, Schlaganfall-Patienten zu füttern. Um die Sprachfähigkeit wieder zu erlangen, wird unter anderem eine Therapie beim Logopäden empfohlen.

Meist sind Arme und Beine von der Spastik nach einem Schlaganfall betroffen

Infolge des Schlaganfalls erleiden Betroffene häufig eine Spastik. Spastizität ist eine nicht kontrollierbare Muskelverspannung in den Extremitäten (Arm oder Bein), die Schmerzen verursachen und den normalen Bewegungsablauf beeinträchtigen kann. Neben dem erhöhten Muskeltonus führt die Spastik häufig auch zu einer Schwächung der Muskulatur.

Bei Schlaganfall-Patienten tritt die armbetonte Spastik häufiger auf als die beinbetonte Spastik. Sie ist üblicherweise mit einem gebeugten Ellenbogen, einem gegen die Brust gepressten Arm und einer gebogenen Hand verbunden. Charakteristisch für eine beinbetonte Spastik sind eine Versteifung des Beins sowie eine häufig nach innen gedrehte Spitzfußstellung. Dies führt zu Gehstörungen, bei denen der Patient das Bein in der Regel nachzieht, wobei die übliche Pendelbewegung des Arms ausbleibt.

Eine Hand hält eine Spritze
Wird das Nervengift Botox injiziert, wird der Muskeltonus für eine Dauer von drei bis sechs Monaten gesenkt. (Foto: Thomas Siepmann/pixelio.de)

Durch Physiotherapie sollen Fähigkeiten wieder hergestellt werden

Eine Spastik nach Schlaganfall bedarf in jedem Fall der medizinischen und physiotherapeutischen Behandlung. Durch einen individuell abgestimmten Therapieplan soll der Patient verloren gegangene Fähigkeiten wieder erlangen. Ziel ist es, dass intakte Bereiche des Gehirns die Funktionen der geschädigten Areale übernehmen. Dies geschieht idealerweise durch eine konsequente Übungsbehandlung, bei der Schlaganfall-Patienten von geschulten Therapeuten behandelt werden.

Vor allem Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden unterstützen den Patienten dabei, in der Rehabilitation größtmögliche Fortschritte zu erzielen. Hierbei werden verschiedene Therapiemethoden eingesetzt - unter anderem Krankengymnastik nach Bobath, bei der ein multidisziplinärer rehabilitativer Ansatz verfolgt wird, um Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (ZNS) zu behandeln.  

Eine Spastik mit Medikamenten behandeln

Zur medikamentösen Behandlung einer Spastik stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, unter anderem Beclophen, Memantin, Benzodiazepine, DentroIen, Toplerison. Diese Medikamente werden eingesetzt, um den Muskeltonus zu senken und die Beschwerden, die durch eine Spastik verursacht werden, zu lindern.

Einige Präparate wirken auf das Zentrale Nervensystem, andere ausschließlich auf das periphere Nervensystem. Um das passende Präparat zu bestimmen und mögliche Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Übelkeit zu reduzieren, ist es zwingend erforderlich, einen Arzt zu konsultieren, ehe man ein Medikament gegen Spastik einnimmt.

Botulinumtoxin schwächt spastische Muskulatur

Bei einer schweren Spastik kommt neben der Einnahme von Tabletten auch die Behandlung mit Botulinumtoxin (Botox) in Betracht. Dabei handelt es sich um ein starkes Nervengift, das in verdünnter Form beziehungsweise in sehr niedrigen Dosen in den betroffenen Muskel injiziert wird. Dadurch kann der Muskeltonus für eine Dauer von drei bis sechs Monaten gesenkt werden, wobei die Reizweiterleitung in dem betroffenen Muskel gesenkt wird.

 

Text: Philipp Jauch – 01/2013

Fotos: pixelio.de, DAK-Gesundheit

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