Optimale Hilfsmittelversorgung bei Schlaganfall wichtig

Jedes Jahr erleiden in Deutschland knapp 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Rund 30 Prozent der Betroffenen sind ein Jahr nach dem Ereignis dauerhaft behindert. Um die optimale Versorgung zu gewährleisten, benötigen sie die geeigneten Hilfsmittel und eine an die individuellen Bedürfnisse angepasste Behandlung. Sanitätsfachbetriebe und rehaVital haben hierzu ein umfassendes Qualitätskonzept entwickelt.

Bei einem Schlaganfall ist schnelle Hilfe gefragt. Betroffene müssen schnellstmöglich auf eine Stroke Unit gebracht werden - eine Abteilung im Krankenhaus, die auf die Erstbehandlung von Schlaganfall-Patienten spezialisiert ist. "Es ist sehr wichtig, schnell mit der Frührehabilitation zu beginnen", sagt Dr. Jürgen Fröhlich, Schlaganfall-Experte von rehaVital. "Denn was in den ersten fünf bis sechs Tagen versäumt wurden, ist nur schwer einzuholen."

Individuelles Behandlungskonzept hilft Patienten

Entscheidend für die Genesung des Patienten ist, ein individuelles Behandlungskonzept zu entwickeln. Hierzu können Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie gehören. Diese Anwendungen müssen nicht zwingend stationär erfolgen. Häufig sei es sogar sinnvoll, dass Schlaganfall-Patienten frühzeitig in ihre gewohnte Umgebung zurückkehren könnten, sagt Fröhlich. "Entscheidend ist, jeden Fall individuell zu behandeln und die persönlichen Ziele der Betroffenen ernst zu nehmen", betont der Mediziner.

Nicht nur die Therapie unterscheidet sich von Fall zu Fall. Auch die Hilfsmittel, die Schlaganfall-Patienten das Leben erleichtern, sind sehr verschieden. Sie reichen von Haltegriffen für die Badewanne über Anziehhilfen, Inkontinenzprodukte und Orthesen bis hin zum Elektrorollstuhl.

rehaVital entwickelt Qualitätsmodell für Schlaganfall-Patienten

Um die optimale Versorgung zu gewährleisten, haben rund 30 rehaVital-Mitgliedsunternehmen ein Modell entwickelt, mit dem die Patientenbedürfnisse erfasst und geeignete Maßnahmen bestimmt werden können. Auf dieser wissenschaftlich fundierten Grundlage können speziell ausgebildete Fachberater exakt die Hilfsmittel anbieten, die für den Patienten größtmöglichen Nutzen haben. Dabei arbeiten die Sanitätsfachbetriebe eng mit Ärzten und Therapeuten zusammen.

Durch die Vernetzung der rehaVital-Mitglieder mit regionalen Anbietern von Hilfsangeboten - etwa Selbsthilfegruppen und Sozialberatungen - erhalten Schlaganfall-Patienten und deren Angehörige eine umfassende Betreuung. Das soll ihnen helfen, die vielen Herausforderungen, zu meistern, die sich durch die Erkrankung ergeben.

Psychologische Betreuung wichtiger Teil der Schlaganfall-Behandlung

Gerade Frischbetroffene leiden häufig unter psychischen Beschwerden. Sie wissen nicht, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen, haben Ängste und sind oft nicht in der Lage, wichtige Entscheidungen zu treffen. Auch hier soll das Modell zur Schlaganfall-Hilfsmittel-Versorgung eine Unterstützung sein. Der Fachberater besucht Schlaganfall-Patienten zuhause, analysiert die Situation und bespricht, durch welche Maßnahmen eine Verbesserung des Status Quo erreicht werden kann. Hat der Arzt ein Hilfsmittel verordnet, prüfen die Schlaganfall-Experten regelmäßig, ob die Maßnahme das gewünschte Ergebnis bringt und passen die Versorgung bei Bedarf an. Die Messbarkeit und Transparenz stellt einen maximalen Behandlungserfolg bei Schlaganfall sicher.

Text: Philipp Jauch - 09/2014

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