Berufliche Rehabilitation nach Schlaganfall – Gleiche Chancen für alle

Büro mit leeren Schreibtischstühlen (Rainer Sturm/pixelio.de)
Für einen Schlaganfall-Betroffenen ist die Rückkehr in den Beruf oft eine Herausforderung (Rainer Sturm/pixelio.de)

Manche Schlaganfallpatienten haben Schwierigkeiten, sich in den Beruf zurückzufinden. MyHandicap-Fachexperte Manfred Smeja erklärt, welche Faktoren wesentlich für einen Rehabilitationserfolg  sind.

Menschen mit erworbenen neurologischen Erkrankungen stellen besondere Anforderungen an eine berufliche Integrationsmaßnahme. Dies liegt vor allem darin begründet, dass Menschen nach einem Schlaganfall auch nach erfolgreich verlaufender medizinischer Rehabilitation in vielen Fällen noch nicht den Anforderungen des freien Arbeitsmarktes entsprechen.

Integrationsversuche, deren Ansätze ausschließlich darauf ausgerichtet sind, die verbliebene Leistungsfähigkeit den gegebenen beruflichen Erfordernissen anzupassen, sind mittel- bis langfristig nicht zielführend. Ausschlaggebend hierfür ist, dass neben Grad und Ausmaß der Hirnschädigung auch psychische, persönliche und soziale Faktoren im Laufe des Eingliederungsprozesses eine wesentliche Rolle spielen.

Bisherige Ansätze überlasten manchen Betroffenen

Gerade bei Betroffenen mit leichtgradigen Störungen (mild brain injuries) und günstiger Prognose kann die berufliche Eingliederung problematisch verlaufen, teilweise bis hin zur Berentung. Als verantwortlich für diesen Verlauf werden chronische Überlastung und Überforderung vermutet, die im Verlaufe der medizinischen Rehabilitation im Klinik-Setting nicht ausreichend in einen Zusammenhang mit den leichten Einbußen gebracht werden konnten.

Neben dem Mangel an grundlegenden Fertigkeiten für das Berufsleben, wie reduzierter Ausdauer und Belastbarkeit, Schnelligkeit und verminderter Sorgfaltsleistung, zeigen sich häufig auch Probleme im zwischenmenschlichen Umgang. Letztgenannte Faktoren lassen sich allerdings nur unter realen Bedingungen, das heißt im sozialen und beruflichen Alltag sicher eruieren.

Rückkehr in den Beruf ist Herausforderung

Menschen nach Hirnverletzungen zeigen häufig nur schwer diagnostizierbare Veränderungen sowohl im Wesen und Verhalten, die es ihnen erschweren ihren beruflichen und sozialen Alltag zu bewältigen und mit den an sie gestellten Problemen fertig zu werden. Somit stellt die Aufnahme einer Tätigkeit für die Betroffenen, unabhängig davon, ob es sich um ihre bisherige Tätigkeit oder eine Tätigkeit in einem neuen Umfeld handelt, eine große Herausforderung dar.

Das Grundproblem der beruflichen Wiedereingliederung stellt die Anpassung zwischen der verbliebenen Leistungsfähigkeit und den beruflichen Anforderungen dar. Speziell hierfür eingerichtete Zentren und Förderwerke können die Ansprüche dieser Betroffenengruppe, wenn überhaupt, nur bedingt erfüllen, da reale Arbeitssituationen in nur sehr begrenztem Umfang „simuliert“ werden können.

Daher kann eine Prognose für den Erfolg der beruflichen Wiedereingliederung beziehungsweise die Erwerbsfähigkeit im individuellen Fall aufgrund der Komplexität der beteiligten Faktoren nur schwer getroffen werden.

Profilfoto Manfred Smeja (Foto: Manfred Smeja)
Manfred Smeja hat langjährige Erfahrung in der beruflichen Rehabilitation behinderter Menschen (Foto: Manfred Smeja)

Vernetzung aller im Rehaprozess beteiligten Personen

Um dies zu gewährleisten, bedarf es eines individuellen und langfristigen Coachings, das sich an den Problemen des Einzelnen orientiert und sowohl weiterführende medizinische Therapien, das reale Berufsfeld als auch das aktuelle soziale Umfeld des Betroffenen in den rehabilitativen Prozess aktiv mit einbezieht.

Durch einen nahtlosen Übergang von der stationär-klinischen zur beruflichen Rehabilitation und unter Einbeziehung aller am Rehabilitationsprozess beteiligten Personen und Therapeuten kann im Rahmen ambulanter-beruflicher Rehabilitationsprogramme dem Risiko von Fehlentwicklungen und Misserfolgen vorgebeugt und eine dauerhafte berufliche Integration zu erzielt werden.

Eine enge und zeitnahe Kooperation zwischen den Kliniken, dem Träger der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und dem Leistungserbringer führt zu einem zielgerichteten und beschleunigten Verfahren der Zulassung des Betroffenen zu einer beruflichen Integrationsmaßnahme. Durch die vernetzte Tätigkeit sowie die Erstellung und Umsetzung eines individuellen Integrationsplans werden die Ressourcen und Kompetenzen der unterschiedlichen Träger- und Fachrichtungen effizienter und effektiver genutzt und die Gesamtkosten und die Dauer des Rehabilitationsprozesses gesenkt.

Attraktives Ziel: erster Arbeitsmarkt

Die im Verlauf der medizinischen Rehabilitation erworbene Leistungsfähigkeit soll durch das unmittelbare Anknüpfen eines gezielten beruflichen Reintegrationsprozesses optimal genutzt und zielgerichtet weiterentwickelt werden.

Die ausschließlich am Heimatort und im sozialen Umfeld des Rehabilitanden ausgerichtete Maßnahme konfrontiert unter fachlicher Leitung frühzeitig und begleitend mit der betrieblichen und sozialen Realität. Dieser Weg der Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt ist für viele Betroffene häufig ein attraktiverer und chancenreicherer Weg zurück in den Beruf, als ein oft langwieriger Integrationsverlauf mit außerbetrieblicher Prägung und unsicherer Prognose.

 

Dieser Text wurde freundlicherweise von Manfred Smeja zur Verfügung gestellt und von der MyHandicap-Redaktion leicht angepasst.

Fotos: pixelio.de, Manfred Smeja

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