Mit Parkinson leben lernen

Schild mit Aufschrift Wartezimmer. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)
Bis zur Diagnose Parkinson können Monate vergehen. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

Parkinson gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Durch die Krankheit werden vor allem die Beweglichkeit und der Bewegungsablauf der Betroffenen gestört. Heilbar ist Parkinson nicht, aber die Symptome können gelindert und die Lebensqualität verbessert werden.

Die Parkinson Krankheit ist nach dem englischen Arzt, Apotheker und Palänthologen Dr. James Parkinson benannt. Er hat die Erkrankung 1817 in seiner Arbeit „An Essay on the Shaking Palsy“ erstmals beschrieben. Parkinson selbst bezeichnete er wegen des bei vielen Patienten auffälligen Ruhetremors als „Schüttellähmung“. Der Ausdruck „Parkinson-Krankheit“ („Parkinson-Syndrom“ oder „Morbus Parkinson“) wurde vermutlich zum ersten Mal 1884 vom französischen Psychiater Jean-Martin Charcot benutzt.

Bei einer Parkinson-Erkrankung kommt es zu einem fortschreitenden Verlust von Dopamin produzierenden Zellen im Gehirn. Dieses kann den Botenstoff (Neurotransmitter) nicht mehr in ausreichender Menge produzieren.

Die Dopamin-Armut führt zu den klassischen Symptomen der Parkinson-Krankheit:

  • Bewegungsarmut und Bewegungsverlangsamung (Akinese)
  • Zittern (Tremor)
  • Muskelsteifheit (Rigor)
  • Gang- oder Gleichgewichtsstörungen

Zu den weiteren Beschwerden gehören Depressionen, Fehlregulationen im Herz-Kreislauf-System mit Schwindel und Blutdruckschwankungen, Verdauungsstörungen und andere Störungen des vegetativen Nervensystems, verlangsamte Denkabläufe, Impotenz oder Schlafstörungen.

Diesen typischen Parkinson-Symptomen können im Vorlauf über mehrere Jahre hinweg unspezifische Symptome vorausgehen. Dazu gehören Persönlichkeitsveränderungen verschiedenster Art wie Depressionen, gesellschaftlicher Rückzug, zwanghaftes Verhalten, Missempfindungen oder Schmerzen im Nacken- oder Rückenbereich, an Armen oder Beinen, sowie schnelle Ermüdung, plötzlich auftretende Ungeschicklichkeit und Geruchsinnsstörungen.

Menschen zwischen 50 und 60 am stärksten betroffen

Von Parkinson betroffen sind vorwiegend Menschen im höheren Lebensalter, wobei Männer etwas häufiger erkranken als Frauen. Die Häufigkeit der Erkrankung nimmt mit dem Alter zu, in der Regel wird sie zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr festgestellt. Nur in etwa zehn Prozent aller Fälle bricht die Krankheit vor dem 40. Lebensjahr aus.

Auf die Gesamtbevölkerung gerechnet, erkranken zwischen 100 und 200 pro 100.000 Personen. Bei Menschen über 60 liegt die Wahrscheinlichkeit, an Parkinson zu erkranken, bei einem Prozent, bei Personen über 80 Jahren bei drei Prozent. In Deutschen leiden ungefähr 200.000 Menschen an der Krankheit, in der Schweiz sind es ca. 15.000.

Genaue Ursache nicht bekannt

Die genaue Ursache für die Parkinson-Erkrankung ist trotz intensivster Forschung und gewisser Hinweise bislang noch nicht geklärt. Bekannt ist, dass es sich um eine Erkrankung der sogenannten Basalganglien handelt, einem Netzwerk, das aus mehreren Gruppen von Nervenzellen im Vorder-, Zwischen- und Mittelhirn besteht. Dieses Netzwerk ist eine Schaltzentrale für unsere Bewegungen.

Nervenzellen sterben ab

Zu den Basalganglien zählt die Substantia nigra (Schwarze Substanz). In deren Nervenzellen wird der Botenstoff Dopamin gebildet, das wiederum für die Übertragung von Signalen von einer Nervenzelle zur nächsten verantwortlich ist. Ein weiterer Teil der Basalganglien ist der so genannte Streifenkörper.

Hier wird das von den Zellen der Schwarzen Substanz produzierte und freigesetzte Dopamin von den Rezeptoren aufgenommen und an das Großhirn weitergeleitet. Bei der Parkinson-Krankheit sterben die Zellen in der Schwarzen Substanz ab. Entsprechend wird zu wenig Dopamin für den Streifenkörper produziert und die Weiterleitung von Signalen im Gehirn entsprechend gestört.

Weshalb diese Nervenzellen absterben, ist nicht klar. Man geht heute davon aus, dass es dafür mehrere Ursachen gibt. In unterschiedlicher Kombination und Ausprägung führen sie zu den verschiedenen Krankheitsbildern.

verschiedene Medikamente gegen Dopamin-Mangel. (Bild: Andrea Damm/pixelio.de)
Dopamin-Mangel lässt sich mit Medikamenten ausgleichen. (Bild: Andrea Damm/pixelio.de)

Vererbung in seltenen Fällen möglich

Eine Vererbung von Parkinson ist möglich, aber äußerst selten. Es wird angenommen, dass das Zusammenspiel mehrerer Erbanlagen manche Menschen anfälliger macht, zu erkranken. Parkinson ist sicher nicht ansteckend und es gibt auch keine Hinweise, dass Parkinson von einem Virus oder einem anderen infektiösen Organismus verursacht wird.

Wenn keine Ursachen für die Parkinson-Erkrankung erkennbar sind, sprechen Mediziner von Idiopathischen Parkinson-Syndrom IPS. Ist eine Ursache für die klassischen Symptome eines Patienten bekannt, handelt es sich um das sekundäre Parkinson-Syndrom. Dieses kann unter anderem durch Nervengifte wie MPTP, Mangan, Kohlenmonoxid oder bestimmte Gehirnentzündungen hervorgerufen werden. Möglich sind aber auch häufig wiederkehrende Hirnverletzungen beziehungsweise harte Schläge gegen Kopf und Gehirn. Diese Form ist als „Boxerparkinson“ bekannt, woran auch Schwergewichts-Boxlegende Muhammad Ali erkrankt ist.

Vielschichtige Diagnosemöglichkeiten

Die Diagnose „Parkinson“ wird klinisch anhand der oben beschriebenen Symptome gestellt, dazu gehören neurologische und körperliche Untersuchungen. Mit der Computertomographie und/oder der Kernspintomographie müssen andere Erkrankungen (z.B. Tumore) ausgeschlossen werden. Das Stellen der Diagnose ist für den Patienten und den Arzt sehr anspruchsvoll und kann Monate dauern. Besonders herausfordernd ist die Abgrenzung von einem breiten Spektrum anderer möglicher Krankheiten, die sich im frühen Stadium nur schwer von Parkinson unterscheiden lassen.

Eine Diagnose ist einfacher, wenn eine Bewegungsunfähigkeit, eine Muskelsteifheit oder ein Zittern feststellbar ist. Treten diese Symptome zunächst nur auf einer Körperseite auf, ist dies ein zusätzlicher Hinweis auf eine Parkinson-Erkrankung.

L-Dopa-Test kann Klarheit bringen

Ein häufig angewandtes Verfahren zur Diagnose von Parkinson ist der sogenannte Levodopa-Test (L-Dopa-Test). Levodopa ist eine Vorstufe von Dopamin. Bei den Tests wird Patienten L-Dopa verabreicht. Verbessern sich deren Symptome danach, ist dies ein Hinweis auf eine mögliche Parkinson-Erkrankung, aber noch keine endgültige Diagnose.

Zusätzliche Hinweise liefern eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomographie. Damit können allfällige Gehirnerkrankungen wie Gefäßveränderungen, Schlaganfälle oder Tumore im Gehirn sowie Störungen der Zirkulation der Gehirnflüssigkeit ausgeschlossen werden. Die Diagnose der Parkinson-Krankheit kann auch durch eine nuklearmedizinische Untersuchung des Gehirns gestützt werden.

Bilder: pixelio.de