Multiple Sklerose – Definition und Beschwerden

Nervenfasern
Nervenfasern sind von einer dicken Myelinschicht umhüllt, ähnlich wie bei einem Stromkabel. Bei der Multiplen Sklerose wird diese Isolierschicht vom Immunsystem angegriffen und abgebaut. (Th. Reinhardt / pixelio.de)

Die Multiple Sklerose (MS) - auch Enzephalomyelitis disseminata genannt - ist eine chronisch-entzündliche  Erkrankung des zentralen Nervensystems und die zweithäufigste neurologische Krankheit im frühen und mittleren Erwachsenenalter. Sie äußert sich bei jedem Betroffenen anders, von wenigen Erstbeschwerden bis hin zu einer schweren Behinderung.

Weltweit sind über 2,5 Millionen Menschen an Multipler Sklerose (MS) erkrankt, rund 130.000 davon leben in Deutschland. In der Schweiz geht man von rund 10.000 Betroffenen aus. Eine genaue Ursache für Multiple Sklerose konnte trotz intensiver Forschung bislang nicht bestimmt werden. Was aber bei der Erkrankung geschieht, konnte man relativ genau eruieren.

Multiple Sklerose ist die Folge von zwei Prozessen:

  • Zum einen wird die eigene Nervenisolierschicht irrtümlicherweise vom Immunsystem angegriffen und abgebaut. Zellen des Immunsystems durchdringen dabei die Wände der Blutgefäße im Gehirn und treten in das Gehirngewebe und das Rückenmark ein. Dort verursachen sie lokale Entzündungsherde und zerstören die Myelinschicht, die die Nervenfasern umhüllt und eine Voraussetzung für die schnelle und wirksame Signalübertragung im Nervensystem ist.
  •  Zum anderen spielen auch abbauende Vorgänge eine Rolle, bei denen die Nervenfasern und -zellen beschädigt werden. Auch dadurch treten Störungen in der Signalweiterleitung auf.

Ob und welche Beschwerden durch diese Prozesse auftreten, hängt von der Lage der akuten Entzündungsherde oder zurückbleibender Narben im Zentralen Nervensystem ab. Deshalb äußern sich sowohl die Symptome als auch die Ausprägung der Multiplen Sklerose bei jeder Person anders. Die Störungen können relativ gering sein, sodass die Betroffenen relativ lange ein fast normales Leben führen können. Es kann aber auch schon früh zu bleibenden Schäden und einer Behinderung kommen.

Grafik zur Veranschaulichung der MS
MS greift die Nervenbahnen an (Bild: MS Gesellschaft)

Das Beschwerdebild der Multiplen Sklerose

Die Erstbeschwerden sind sehr unterschiedlich und treten meist überraschend innerhalb von Stunden bis Tagen auf. Häufig sind Sehstörungen und Gefühlsstörungen wie beispielsweise Taubheits- oder Kribbelgefühle in Armen oder Beinen. Weitere Behinderungen können Gang- und Gleichgewichtsstörungen sowie Kraftlosigkeit sein. Seltener sind Schmerzen und Hirnleistungs-Schwächen.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung können verschiedene Beschwerden kommen und gehen. Diese sind mehr oder weniger ausgeprägt. Mehr als die Hälfte der Betroffenen haben Gang- und Gleichgewichtsstörungen, Gefühlsstörungen, Muskelverkrampfung (Spastik), Müdigkeit (Fatigue), Schwäche in Armen und Beinen, Blasenstörungen oder Sexualstörungen.
Auch Koordinationsstörungen der Arme und Beine, Doppelbilder, Schmerzen sowie Einbußen der kognitiven Leistungsfähigkeit wie Konzentrationsstörungen und andere psychische Symptome sind möglich. Bei einigen Betroffenen treten nur wenige Beschwerden auf, bei anderen mehrere gleichzeitig.


Text: Patrick Gunti / Schweizerische MS-Gesellschaft
Foto: pixelio.de, MS Gesellschaft

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