Migräne beeinträchtigt berufliche Leistung

Mann mit Aktenkoffer auf dem Bahnsteig. (Bild: berlin-pics/pixelio.de)
Je nach Ausprägung der Migräne kann die berufliche Karriere der Patienten aus dem Tritt geraten. (Bild: berlin-pics/pixelio.de)

In Deutschland leben etwa neun Millionen Menschen mit Migräne. Viele von ihnen sind nicht nur in ihrem Alltag, sondern auch in ihrer Arbeitsleistung eingeschränkt. Betroffene können vom Versorgungsamt den Grad der Behinderung (GdB) respektive den Grad der Schädigungsfolgen (GdS) feststellen lassen.

Die Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Sie äußert sich in erster Linie in wiederkehrenden Kopfschmerzattacken. Die Schmerzen sind in der Regel pochend oder pulsierend und treten häufig einseitig auf. Hinzu kommen häufig Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Bei einem Teil der Patienten treten auch neurologische, also durch das Nervensystem bedingte Ausfallerscheinungen auf.

Schwerbehindertenausweis bei Einschränkung der Arbeitsleistung

Die Ausprägung und Symptomatik der Attacken ist von Patient zu Patient verschieden. Das Leben mit Migräne belastet aber den Alltag, schränkt die Lebensqualität ein und die berufliche Tätigkeit kann darunter stark leiden. Ist die Arbeit durch eine hohe Attackenfrequenz eingeschränkt, sollten sich Betroffene um die Feststellung des Behindertengrads und einen Schwerbehindertenausweis kümmern.

Hierzu müssten sie einen Antrag nach dem Schwerbehindertengesetz (SchwbG) an das für den Wohnort zuständige Versorgungsamt stellen. Ausschlaggebend für einen erfolgreichen Antrag ist unter anderem das aussagekräftige Gutachten des behandelnden Arztes, mit dem der Antrag auch abgesprochen sein sollte.  

Das Versorgungsamt richtet sich bei der Feststellung der Behinderung nach den "Versorgungsmedizinischen Grundsätzen". Diese enthalten Anhaltswerte über die Höhe des Grads der Behinderung (GdB) respektive des Grads der Schädigungsfolgen (GdS).

Grade der Schwerbehinderung

Je nach Häufigkeit und Dauer der Anfälle sowie Ausprägung der Begleiterscheinungen ist bei Migräne die Anerkennung folgender Grade von Schwerbehinderung möglich:

  • GdB   0-10: leichte Verlaufsform (Anfälle durchschnittlich einmal monatlich)
  • GdB 20-40: mittelgradige Verlaufsform (häufigere Anfälle, jeweils einen oder mehrere Tage anhaltend)
  • GdB 50-60: schwere Verlaufsform (langdauernde Anfälle mit stark ausgeprägten Begleiterscheinungen, Anfallspausen von nur wenigen Tagen)

Falls mehrere Funktionsbeeinträchtigungen vorliegen, werden diese einzeln eingeschätzt und zum Schluss ein Gesamtgrad der Behinderung fixiert.

Ab einem Grad der Behinderung von 50 gilt diese als „Schwerbehinderung“. Wer mindestens eine Behinderung von 30 hat, kann einer Person mit Schwerbehinderung gleichgestellt werden, wenn er oder sie nur auf diese Weise einen bestimmten Arbeitsplatz erhalten oder bekommen kann.

Leerer Stuhl vor einem Schreibtisch. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)
Das für den Wohnort zuständige Versorgungsamt entscheidet über möglichen Grad von Schwerbehinderung. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

Ausgleich des „krankheitsbedingten Nachteiles“

Generell soll das Schwerbehindertengesetz die Rechtsstellung des Arbeitnehmers durch die Auflage besonderer Pflichten für den Arbeitgeber verbessern. Wird ein Grad der Behinderung festgestellt, haben betroffene Migräne-Patienten nicht Anspruch auf eine Rente, sondern auf einen Ausgleich des „krankheitsbedingten Nachteiles“.

Besserer Kündigungsschutz, Zusatzurlaub und mehr

Je nach Behinderungsgrad sind beispielsweise steuerliche Vorteile möglich, ein stärkerer Kündigungsschutz oder andere spezielle Vergünstigungen. Bei Anerkennung der Behinderung mit 50 Prozent besteht das Recht auf eine bevorzugte Einstellung in ein Arbeitsverhältnis, auf Kündigungsschutz, berufliche Förderung durch den Arbeitgeber, Zusatzurlaub oder begleitete Hilfen im Arbeitsleben.

Gültigkeitsdauer von fünf Jahren

Wird der Schwerbehindertenausweis ausgestellt, so gilt er im Fall von Migräne meistens für längstens fünf Jahre. Die Gültigkeit kann auf Antrag höchstens zweimal verlängert werden, dann muss ein neuer Ausweis beantragt werden. Wenn sich der Gesundheitszustand der betroffenen Migräne-Patienten verschlechtert oder wenn eine dauerhafte Einschränkung dazukommt, kann beim Versorgungsamt ein Antrag auf Erhöhung des GdB gestellt werden.

Stethoskop, Brille und Schreibutensilien auf einem Tisch. (Bild: Hautumn/pixelio.de)
Mit ausschlaggebend für einen erfolgreichen Antrag ist das aussagekräftige Gutachten des behandelnden Arztes. (Bild: Hautumn/pixelio.de)

Vorzeitiges Ruhegeld oder Erwerbsminderungsrente

Ein Migräne-Betroffener mit einem GdB über 50 kann mit Vollendung des 60. oder des 63. Lebensjahres (je nach rentenversicherungsrechtlichen Voraussetzungen) einen Antrag auf vorgezogenes Ruhegeld stellen.

Bei einer schweren Verlaufsform der Migräne kann auch eine Abgestufte Erwerbsminderungsrente beantragt werden. Eine „Volle Erwerbsminderungsrente“ kann unter verschiedenen versicherungsrechtlichen und medizinischen Voraussetzungen erhalten, wer nur noch weniger als 3 Stunden täglich arbeiten kann. Wer 3 bis unter 6 Stunden arbeiten kann, kann eine „Teilweise Erwerbsminderungsrente“ beantragen.

Mit dem Arbeitgeber sprechen

Während einer Migräneattacke ist es in der Regel nicht möglich, die berufliche Leistung uneingeschränkt zu erbringen. Rasende Schmerzen, Seh- oder Konzentrationsstörungen beeinträchtigen nicht nur die Leistung, sie sind je nach beruflicher Tätigkeit auch sehr riskant. Dies gilt auch bei der Einnahme von Medikamenten gegen Migräne. Dennoch arbeiten viele Betroffene – nicht zuletzt aus Angst um den Arbeitsplatz – auch während Attacken weiter.

Es ist aber nicht zwangsläufig notwendig, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Wichtig ist, dass sowohl Arbeitgeber wie auch Arbeitskollegen sich des Themas bewusst sind.

Migränepatienten sollten deshalb offen über ihre Krankheit sprechen. Im Dialog mit den Vorgesetzten lassen sich möglicherweise Lösungen finden, wie Leistungsschwankungen ausgeglichen oder Ausfälle aufgefangen werden können.


Text: Patrick Gunti - 11/2011

Bilder: pixelio.de

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