Spastische Lähmung: Behandlung und Therapie

Die spastische Lähmung ist nicht heilbar. Daher ist das Ziel der Therapie, die Folgeschäden zu vermindern und eine Besserung zu erzielen. Durch eine Spastik kann es unter anderem zur Verkürzung von Muskeln kommen. Zudem haben Betroffene oft Haltungsschäden und Fehlstellungen der Gelenke, die bis zur Deformation von Gelenken reichen können. Aufgrund der Fehlbelastung kommt es zu einem schnelleren Verschleiß von Gelenken. Auch Probleme mit der Lunge aufgrund einer ausgeprägten Skoliose (häufige Folge einer einseitig betonten Spastik) und Druckgeschwüre durch mangelnde Bewegung können auftreten.

Um eine Besserung zu erzielen sind Menschen mit einer spastischen Lähmung auf eine intensive Physiotherapie angewiesen. Dabei wird versucht, die Gelenke zu mobilisieren und zu bewegen. Außerdem werden verkürzte Muskeln gedehnt und durch gezielte Kräftigungsübungen zu einer Balance zwischen der betroffenen und weniger betroffenen Extremitäten beigetragen. Dadurch werden einerseits vorhandene Muskeln gestärkt, andererseits Haltungsschäden und Fehlbelastungen bestmöglich gemildert.

Welche Form der Therapie angezeigt ist, muss im Einzelfall vom behandelnden Arzt und dem betreuenden Physiotherapeuten bestimmt werden. Gerade bei einer Schädigung des Zentralen Nervensystems kommt häufig Krankengymnastik nach Bobath in Betracht. Möglich sind zum Beispiel auch die manuelle Therapie oder Krankengymnastik an Geräten. Je nach Ausprägung der Spastik wird auch Bewegungstherapie im Wasser eingesetzt, da Betroffene sich hier häufig leichter fortbewegen können (geringerer Kraftwiderstand).

Bei ausgeprägten Spasmen werden ergänzend zur Physiotherapie auch Medikamente eingesetzt. Durch Muskelrelaxanzien wird eine Entspannung der Skelettmuskulatur bewirkt. Jedoch sollten Betroffene sich über die Nebenwirkungen (z.B. Müdigkeit) des Präparats informieren und prüfen, inwieweit sie durch die Medikamente im Alltag eingeschränkt sind - etwa, wenn sie am Straßenverkehr teilnehmen oder eine Maschine bedienen möchten.

In der Behandlung von Patienten mit Spastik wird auch Botulinumtoxin - besser bekannt als Botox - eingesetzt. Durch die Injektion des Nervengiftes in stark verdünnter Form wird die Reizweiterleitung von den Nervenfasern auf die Muskeln gehemmt. Für den Zeitraum von drei bis sechs Monaten lassen die Verspannungen deutlich nach. In Kombination mit einer intensiven Physiotherapie lassen sich so deutliche Behandlungserfolge erzielen. Botox kann langfristig eingesetzt werden. Allerdings ist noch nicht vollständig erforscht, nach welcher Zeit die Wirkung dauerhaft abnimmt, da der Körper Resistenzen gegen den Wirkstoff bildet.

Schwerbehinderung:

Da eine spastische Lähmung nicht heilbar ist, und der Betroffene dadurch dauerhaft im Alltag eingeschränkt ist, liegt eine chronische Erkrankung vor, die als Schwerbehinderung gilt. Der Grad der Behinderung (GDB) liegt bei mindestens 50. Je nach Schwere kann vom Versorgungsamt oder der örtlich zuständigen Behörde jedoch auch ein höherer Grad der Behinderung anerkannt werden. Wer von einer Spastik betroffen ist, erhält einen Schwerbehindertenausweis und hat Anspruch auf Nachteilsausgleiche - unter anderem eine vergünstigte Beförderung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und steuerliche Entlastungen.

Text: Philipp Jauch - 12/2012 

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