Inkontinenz ist heilbar – wenn man die Ursache kennt

Moveen Rollibeutel (Bild: Coloplast)
Inkontinenzversorgung mit einem sterilen Beinbeutel (Bild: Coloplast)

In Deutschland leiden rund neun Millionen Menschen an Inkontinenz. Bei den über 60-Jährigen ist jede vierte Frau und jeder zehnte Mann betroffen. Nur zehn Prozent werden adäquat behandelt. Das Problem: Viele Betroffene beschäftigen sich zu wenig mit der Krankheit - die Inkontinenz wird tabuisiert.

Inkontinenz ist heilbar. Mit der richtigen Versorgung kann man Beschwerden lindern und dafür sorgen, dass Betroffene mit der Krankheit im Alltag besser umgehen können. Um ein wirksames Mittel gegen die Blasenschwäche zu finden, muss man allerdings deren Ursache kennen. "Das ist die erste Herausforderung. Vielen Patienten machen sich gar nicht bewusst, welche Formen von Inkontinenz es gibt und wann sie auftreten", sagt Uwe Papenkordt, Medical Advisor beim Medizinprodukte-Hersteller Coloplast.

Beckenbodentraining bei Belastungsinkontinenz

Man unterscheidet drei Hauptformen der Inkontinenz: Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz und Überlaufinkontinenz. Bei der so genannten Belastungsinkontinenz ist die Beckenbodenmuskulatur geschwächt, sodass der Schließmuskel der Harnröhre nicht mehr richtig funktioniert. Kommt es zu einem erhöhten Bauchinnendruck bei Belastung - etwa beim Heben, Halten, Tragen, Treppensteigen, Husten oder Lachen - wird der Harnverlust ausgelöst. Diese Form der Inkontinenz ist bei Frauen sehr viel weiter verbreitet als bei Männern. Rund 70 Prozent der Betroffenen sind weiblich. Als Ursache gilt häufig die Überdehnung und Erschlaffung der Haltebänder und des Beckenbodens, die oft als Folge einer Schwangerschaft auftritt. Bei Männern hingegen tritt die Belastungsinkontinenz durch eine Schädigung des äußeren Blasenschließmuskels durch Operationen oder Unfälle auf.

Um den Haltemechanismus zu unterstützen, sollten Patienten mit einer Belastungsinkontinenz regelmäßig die Beckenbodenmuskulatur trainieren. Zudem gibt es Medikamente, die vor allem bei Stressinkontinenz eingesetzt werden. In schweren Fällen kann auch eine Operation infrage kommen. Welche Maßnahmen geeignet sind, um die Belastungsinkontinenz zu behandeln, sollte man durch eine Untersuchung beim Facharzt abklären - auch um die geeigneten Medizinprodukte wählen zu können.

Dranginkontinenz häufig durch Entzündungen verursacht

Bei der Dranginkontinenz ist die Blase überaktiv. Durch eine Kontraktion der Blasenentleerungsmuskulatur kommt es zu plötzlichem Harndrang, sodass die Toilette häufig nicht rechtzeitig erreicht werden kann. Grund für diese Kontraktion sind häufig Entzündungen der Blase, aber auch Übergewicht, Diabetes mellitus oder eine Schädigung der Nerven, zum Beispiel bei Multiplen Sklerose, Altsheimer, Parkinson oder nach einem Schlaganfall.

Bei Dranginkontinenz geht es also auch darum, die Entzündung im Körper zu bekämpfen. "Es ist es ratsam, viel zu trinken. Besonders geeignet sind bestimmte Tees oder Säfte, die den Urin ‚ansäuern', beispielsweise Cranberry-Saft", sagt Papenkordt, der als Urotherapeuth bei Coloplast viele Patienten berät.

Überlaufinkontinenz bei ständig voller Harnblase

Die Überlaufinkontinenz, auch als "chronische Retention" bezeichnet entsteht durch eine ständig übervolle Harnblase. Ursache dafür sind häufig Veränderungen der Organe Blase und Prostata aber auch das Erschlaffen von Muskulatur. Auch bei der Überlaufinkontinenz sollte man zunächst die Ursache herausfinden, um mögliche organische Schäden richtig behandeln zu können. Bei irreversiblen Veränderungen kann auch ein Dauerkatheter zum Einsatz kommen, um die Folgen der Erkrankung für den Patienten im Alltag zu minimieren. Und noch einen Rat hat Urotherapeuth Uwe Papenkordt: "Betroffene sollten dann zur Toilette gehen, wenn sie müssen und nicht den Urin zurückhalten. Der weit verbreitete Glaube, damit könne man die Blase trainieren, ist eine Mär."

Inkontinenz-Patienten sollten sich genau beobachten

Um herauszufinden, welche Form der Inkontinenz vorliegt, ist eine gute Zusammenarbeit von Patient, Arzt und Medizinprodukte-Hersteller hilfreich. Nur so kann die Behandlung individuell abgestimmt und größtmöglicher Erfolg erzielt werden. Deshalb sollten Betroffene sich folgende Fragen stellen und die Antworten notieren:

  • Zu welchen Zeiten verliere ich Urin?
  • In welchen Situationen verliere ich Urin?
  • Wie viel Urin verliere ich?
  • Wie sieht der Harnstrahl beim Wasserlassen aus und wie hört er sich an?
  • Wie viel trinke ich?

Diese Informationen helfen dem Facharzt dabei, eine sichere Diagnose zu stellen und Betroffenen die richtige Therapie und Versorgung mit Hilfsmitteln zu empfehlen.

Text: Philipp Jauch - 03/2014
Bild: Coloplast

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