Sportlich aktiv trotz Inkontinenz

Ein Anal-Tampon liegt in einer Handfläche (Bild: Coloplast)
Ein Anal-Tampon verschafft Menschen mit Inkontinenz ein ganz neues Freiheitsgefühl (Bild: Coloplast)

Sport zu treiben ist gesund. Wer sich fit hält, kräftigt das Herz, baut Fett ab, stärkt die Muskulatur und beugt Krankheiten vor. Gerade Menschen mit einer Inkontinenz können vom Sport profitieren - wenn sie einige Ratschläge beherzigen.

Der Sommer bietet optimale Bedingungen, sich draußen zu bewegen und Sport zu treiben: Ob joggen im Park, Fahrrad fahren in der Natur oder schwimmen im Freibad. Was für die meisten eine schöne Freizeitbeschäftigung ist, löst bei Menschen mit Inkontinenz jedoch häufig Unsicherheit und Ängste aus. Die neun Millionen Betroffenen in Deutschland fürchten sich vor peinlichen Situationen, wenn sie die Blase oder den Darm nicht kontrollieren können. Viele treiben deshalb keinen Sport oder ziehen sich aus der Öffentlichkeit gar ganz zurück. Das muss nicht sein. Mit ein paar Tipps und den geeigneten Hilfsmitteln können sie sich problemlos sportlich betätigen - und dadurch sogar gegen die Inkontinenz ankämpfen.

Bei Belastungsinkontinenz Überdruck im Bauch vermeiden

Entscheidend für Menschen mit einer Inkontinenz ist zunächst, sich bewusst zu machen, in welchen Situationen sie Urin oder Stuhl verlieren. Häufig passiert das beim Heben, Halten, Tragen, Treppensteigen, Husten oder Lachen. Grund dafür ist, dass bei Belastung ein erhöhter Bauchinnendruck entsteht. Ist dann die Beckenbodenmuskulatur geschwächt, kann der Schließmuskel diesem Druck nicht standhalten und es kommt zu Harnverlust wie bei der sogenannten Belastungsinkontinenz.

Die richtige Atemtechnik: Ausatmen bei Belastung

Um das zu verhindern, rät Uwe Papenkordt, Medical Advisor beim Medizinprodukte Hersteller Coloplast, von Sportarten ab, bei denen ein erhöhter Bauchinnendruck erzeugt wird. Gewichtheben beispielsweise ist für Menschen mit Inkontinenz nicht geeignet, und auch beim Tennis sollte man darauf achten, beim Schlag stets auszuatmen, anstatt tief Luft zu holen.

Anal-Tampon hilft bei Stuhlinkontinenz

Schwimmen hingegen ist bei Inkontinenz kein Problem. Bevor man ins Becken steigt, sollte man die Blase einmal möglichst komplett entleeren. So senkt man das Risiko des Harnverlustes. Bei Stuhlinkontinenz hilft ein Anal-Tampon. Tief in das Rektum eingeführt, kann er festen Stuhl bis zu zwölf Stunden zurückhalten, sodass Betroffene sorgenfrei Sport treiben oder sich in der Natur bewegen können.

Anal-Tampon für Kinder und Erwachsene

Der Analtampon ist in zwei Größen erhältlich und kann damit sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen genutzt werden. Lediglich Menschen mit Darmerkrankungen müssen vorsichtig sein. Um den Anal-Tampon richtig anzuwenden empfiehlt es sich, mit dem Arzt oder einem Fachberater Rücksprache zu halten. Mit ihm können mögliche Fragen geklärt werden, sodass der Anal-Tampon optimal genutzt wird.

Das schafft Menschen mit Inkontinenz ein ganz neues Freiheitsgefühl. In vielen Schwimmbädern und Reha-Einrichtungen dürfen sie nämlich nur ins Becken, wenn sichergestellt ist, dass sie keinen Stuhl verlieren. Und das ist durch den Anal-Tampon bis zu zwölf Stunden lang gewährleistet. Danach scheidet man ihn entweder mit dem Stuhl aus, oder man entfernt den Analtampon, indem man an dem dünnen Rückholfaden zieht.

"Sport zu treiben ist gesund", sagt Uwe Papenkordt, "dadurch wird unter anderem die Beckenbodenmuskulatur gestärkt, wodurch Inkontinenz verhindert werden kann." Schon aus diesem Grund rät der Urotherapeut zur körperlichen Betätigung. Allerdings sollte man die passende Sportart wählen - und Hilfsmittel nutzen, die zu einem sorgenfreien Freizeitvergnügen beitragen.

Text: Philipp Jauch - 06/2014
Bild: Coloplast

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