Kontrollierte Darmentleerung sorgt für Selbstständigkeit

Das Darmentleerungssystem von Coloplast: Peristeen® (Bild: Coloplast)
Das Darmentleerungssystem von Coloplast: Peristeen® (Bild: Coloplast)

Bei zwei Drittel aller Querschnittgelähmten entleert sich der Darm ungeplant, 90 Prozent haben Schwierigkeiten bei der Darmentleerung. Um die Lebensqualität dieser Menschen zu verbessern und soziale Einschränkungen zu reduzieren, bedarf es eines Darmmanagements, das individuell auf den Patienten abgestimmt ist. Moderne Darmentleerungssysteme wie Peristeen sorgen für mehr Selbstständigkeit von Menschen mit Handicap.

Bei gesunden Menschen vergehen von der Nahrungsaufnahme bis zum Ausscheiden durch den Darm zwischen 34 und 44 Stunden. Pro Woche kommt es zu zwei bis drei vollständigen Stuhlentleerungen, wobei der Drang auf die Toilette zu gehen natürlich ist. Ist die Darmfunktion gestört, liegen Nervenschädigungen oder zentralneurologische Erkrankungen vor, kann es dazu kommen, dass keine natürliche, kontrollierte Darmentleerung möglich ist. Dann kommt es darauf an, ein individuelles Darmmanagement für den Patienten zu entwickeln.  

Darmmanagement von Spezialisten entwickelt

Unter Darmmanagement versteht man alle Aktivitäten, die dazu dienen eine regelmäßige, planbare sowie zeitlich begrenzte Darmentleerung mit zwischenzeitlicher Kontinenz zu erreichen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für ein selbstständiges, selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe. Welche Maßnahmen geeignet sind, richtet sich stets nach der Situation des Betroffenen. Deshalb sollte die Therapie immer von Experten entwickelt werden – idealerweise in enger Zusammenarbeit von Ärzten und Fachleuten für Medizinprodukte.

Richtige Ernährung wirkt sich positiv auf die Verdauung aus

Menschen mit Beschwerden des Verdauungstrakts sollten besonders auf ihre Ernährung achten. Durch eine ausgewogene Kost mit Obst, Gemüse, Ballaststoffen und Flüssigkeit, lassen sich die Konsistenz des Stuhls beeinflussen und die Zeit von der Nahrungsaufnahme bis zum Ausscheiden regulieren. Eine allgemeingültige Formel, wie viel man essen darf, gibt es jedoch nicht. „Das hängt von vielen Faktoren ab“, sagt Uwe Papenkordt, Medical Advisor vom Medizintechnikhersteller Coloplast. „Personen, die im Rollstuhl sitzen, haben beispielsweise einen geringeren Brennwert als diejenigen, die körperlich aktiv sein können. Menschen, die untergewichtig sind, brauchen eine andere Ernährung als Übergewichtige.“ Um der unterschiedlichen Lebenssituation gerecht zu werden, entwickeln Experten verschiedener Fachgebiete für den Patienten einen individuellen Ernährungsplan und helfen ihm, das Gewicht langfristig zu stabilisieren.

Medikamente beeinflussen die Darmfunktion

Nicht nur die Ernährung hat Einfluss auf die Darmfunktion. Auch Medikamente können die Darmfunktion stören. So besteht beispielsweise bei Antibiotika die Gefahr einer Zerstörung der Bakterienflora im Dickdarm, Anticholinergika verlangsamen die Passagezeit durch den Darm und Antidepressiva können zu Verstopfung führen. Diese Nebenwirkungen müssen bei der Entwicklung des Darmmanagements berücksichtigt werden. Ärzte und medizinisches Fachpersonal kennen die Einflussfaktoren auf die Verdauung und helfen dabei, die geeigneten Maßnahmen zur Darmentleerung zu finden.

Darmentleerung durch anale Stimulation

Die Ernährung und der Verzicht auf bestimmte Medikamente können die Konsistenz des Stuhls und die Passagezeit zwar beeinflussen, führen bei einem Patienten mit gastroenterologischen Bechwerden jedoch nicht alleine zur Entleerung des Darms. Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten: Bei der Anal- und Rektalstimulation, auch digitale Stimulation genannt, wird ein Finger in den Mastdarm eingeführt. Kreisende Bewegungen entlang der Darmwand führen dazu, dass der interne Schließmuskel gedehnt wird. Nach circa 15 bis 20 Sekunden kommt es zu einer Entspannungsreaktion, wodurch Stuhl austreten kann. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis der Darm vollständig entleert ist.  

Darmentleerung durch Zäpfchen

Neben der Anal- und Rektalstimulation können auch Medikamente zur Entleerung des Darms eingesetzt werden, beispielsweise in Form von Zäpfchen. Die Abführmittel wirken meist dadurch, dass sie das Volumen im Darm vergrößern. So wird der Druck auf den Darm erhöht, sodass Wellenbewegungen ausgelöst werden, die den Nahrungsbrei im Darm befördern. Vor allem Jugendlichen und Erwachsenen gehen zur Entleerung auf die Toilette und  unterstützen den Vorgang durch Bauchpressen, sofern die neurologischen Fähigkeiten und die Möglichkeit zur aktiven Mitarbeit bestehen.

Darmentleerung durch Transanale Irrigation   

Eine komfortable Möglichkeit der Darmentleerung ist die sogenannte transanale Irrigation. Vereinfacht gesagt, besteht das Prinzip darin, dass Wasser in den Darm gepumpt wird. Hierdurch werden wellenförmige Bewegungen des Darms auslöst und der Stuhl in Richtung Rektum bewegt. Moderne Systeme zur Darmentleerung wie beispielsweise Peristeen von Coloplast sind so konzipiert, dass Betroffene sie nach einer Einweisung durch den Arzt oder medizinisches Fachpersonal ohne Hilfe nutzen können.

Selbstständige Darmentleerung mit einem einfach zu bedienenden System

Die Anwendung ist denkbar einfach: Zunächst wird ein Behälter mit 36 bis 38 Grad warmem Wasser gefüllt. Die Temperatur ist wichtig, da zu heißes Wasser die Darmwand verletzen und zu kaltes Wasser Krämpfe auslösen könnte. Anschließend wird der Wasserbehälter mit einer Pumpeinheit befestigt, an deren Ende ein Rektalkatheter befestigt wird. Der Katheter ist bereits beschichtet, sodass er ohne zusätzliches Gleitmittel problemlos in das Rektum eingeführt werden kann. Nachdem der Katheter eingeführt wurde, pumpt man einen kleinen Ballon auf, um den Katheter zu fixieren. Anschließend wird Wasser aus dem Behälter in das Rektum gepumpt. Dieses lässt man einige Zeit einwirken.

Sobald man die richtige Menge Wasser in das Rektum gepumpt hat, lässt man die Luft aus dem Ballon, sodass der Katheter hinausgleiten kann. Das Wasser verursacht wellenförmige Bewegungen des Darms, wodurch der Stuhl Richtung Rektum transportiert wird, was zu einer Entleerung des Darms führt. Wie lange das dauert, ist sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt sind etwa zehn bis 30 Minuten nötig. Ein Darmentleerungssystem wie Peristeen kann immer wieder verwendet werden und erhöht durch seine einfache Handhabung die Selbstständigkeit von Menschen mit Behinderung.

Text: Philipp Jauch - 05/2014
Bild: Coloplast


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