Epilepsie: Diagnose und Therapie

Medikamenten-Box mit einzelnen Pillen
Antiepileptische Medikamente ermöglichen den meisten Betroffenen ein Leben frei von Anfällen (Egon Häbich/pixelio.de)

Bevor eine Epilepsie erfolgreich therapiert werden kann, muss sie eindeutig diagnostiziert werden. Dabei ist es wichtig, dass die Dokumentation möglichst umfangreich ist und die Erkrankung genau beobachtet wird.

Ob jemand an Epilepsie leidet, können Fachärzte anhand einer Reihe von Untersuchungen feststellen. Für die Diagnose sehr wichtig ist vor allem eine möglichst genaue Beschreibung der Krankengeschichte und der Anfälle. Aufgrund der Bewusstseinsstörungen bei Epilepsien oder epileptischen Anfällen ist der Arzt in der Regel auf die Beobachtung von Drittpersonen, die den Anfall bei dem Patienten beobachtet haben, angewiesen. Um den Anfall einordnen zu können, ist es wichtig, möglichst viele Einzelheiten des Anfalls zu kennen.

EEG misst elektrische Aktivität des Gehirns

Das zweite wichtige Standbein einer Epilepsie-Diagnose ist die Elektroenzephalografie EEG. Das EEG ist eine Methode zur Messung der summierten elektrischen Aktivität des Gehirns durch Aufzeichnung der Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche. Das EEG kann diese Schwankungen graphisch darstellen. Mit Hilfe des EEG kann so beim Patienten die Bereitschaft zu epileptischen Anfällen festgestellt werden. Neben der klassischen EEG-Diagnostik können in speziellen neurophysiologischen Laboratorien auch stunden- oder tagelange Telemetrien durchgeführt werden.

Mit dem Einsatz von bildgebenden Verfahren wie der Magnet-Resonanz-Tomographie MRT oder der Computer-Tomographie CT kann der Arzt feststellen, ob die Betroffenen an einer Hirnschädigung leiden. Wenn schließlich alle Angaben vorliegen, wozu zur Abklärung einer möglichen Vererbung von Epilepsie auch die Familiengeschichte gehört, kann die Diagnose einer bestimmten Epilepsieform der ILAE-Klassifikation gestellt werden.

Medikamente bringen Linderung

Die Behandlung von Patienten mit Epilepsie erfolgt durch  Ärzte aus verschiedenen Fachgebieten wie Neurologen, Kinderärzten, Kinderneurologen, Internisten und Hausärzten sowie auch von Neurochirurgen. Im Vordergrund der Therapie stehen eine Normalisierung des Alltags, die Verhinderung von Langzeitschäden, die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit und das Vermeiden von Unfällen oder Verletzungen.

Die Behandlung erfolgt im Normalfall durch die Abgabe von antiepileptischen Medikamenten. Die Wahl der sogenannten Antileptika richtet sich nach der Art der Epilepsie sowie der Art der Begleiterkrankungen. Vor Beginn der medikamentösen Behandlung werden die möglichen Risiken der Behandlung und die möglichen Nebenwirkungen der Medikamente gegen die Risiken der Anfälle abgewogen.

Eine spezialisierte und intensive Betreuung ist in großen Kliniken und neurologischen Ambulatorien möglich. Viele Epilepsiebehandlungszentren sind an Universitätskliniken angegliedert, die neben der ärztlichen Versorgung auch Forschung betreiben. Eine medikamentöse Therapie kann durch eine angepasste Lebensweise mit der Beobachtung und Vermeidung von anfallsauslösenden Situationen und Faktoren unterstützt werden.

Operation mögliche Alternative

Wenn sich Anfälle mit Medikamenten nicht ausreichend kontrollieren lassen, wird unter Umständen ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen. Der Entscheid pro oder contra einer Operation hängt ab von der Art der Anfälle, welche Hirnregion betroffen ist und wie wichtig diese Region für das alltägliche Leben ist.

Bis heute ist eine Beherrschung der Epilepsie nicht immer möglich. Je nach Art der Epilepsie sind bis zu 90 Prozent der Betroffenen frei von Anfällen, bei anderen nur etwa ein Drittel. Etwa zwei Drittel der Betroffenen führen medikamentös unterstützt ein normales Leben. Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen lassen sich die Anfälle nicht ausreichend oder gar nicht beeinflussen. Die Erforschung der Ursachen von Epilepsie bringt aber immer mehr und neue Erkenntnisse, so dass in Zukunft wirksamere Methoden zur Behandlung oder sogar Möglichkeiten zur Vorbeugung einer Epilepsie entwickelt werden könnten.

Text: Patrick Gunti – 08/2011

Fotos: pixelio.de

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!