Diabetische Polyneuropathie - Folge erhöhten Blutzuckerspiegels

Die diabetische Polyneuropathie schädigt die Nerven des Patienten (Bild: Tashatuvango / shutterstock.com)
Die diabetische Polyneuropathie schädigt die Nerven des Patienten (Bild: Tashatuvango / shutterstock.com)

Bei der diabetischen Polyneurophatie handelt es sich um eine Erkrankung mehrerer (poly = viele) peripherer Nerven mit zum Teil lebensbedrohlichen Folgen. Als periphere Nerven werden alle Nerven bezeichnet, die ausgehend vom Gehirn oder Rückenmark zu bestimmten Organen verlaufen. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte (Hyperglykämie) können eine irreversible Schädigung peripherer Nerven zur Folge haben.

Eine Hyperglykämie kann eine Mikroangiopathie auslösen. Das heißt, der?erhöhte Blutzuckerspiegel verursacht einen Verschluss der kleinen Blutgefäße, wodurch ein Sauerstoffmangel in den Nervenzellen entsteht. Dabei können sowohl somatische Nervensysteme ( steuerbar) sowie autonome (vegetative) Nervensysteme betroffen sein, die unter anderem die Funktionen der inneren Organe steuern. Allerdings kommt es nur selten zu einem Befall der autonomen Nervensysteme.

Symptomatik der Polyneuropathie

Die Symptomatik der diabetischen Neurophatie ist breit gefächert und oft ist eine Überlappung feststellbar. So kann eine periphere Neuropathie eine Störung des Schmerz-, Berührungs- und Temperaturempfindens verursachen. Häufig sind auch chronische Schmerzen, Missempfindungen, Lähmungen sowie Herzrhythmusstörungen diagnostizierbar.

Zu den typischen Symptomen zählen:

  • Kribbeln
  • Taubheitsgefühl
  • verringerte Empfindungsreize zum Beispiel für Temperaturen
  • reduzierte Schmerzempfindung
  • brennender, stechender Schmerz

Teilweise sind auch Anzeichen für das sogenannte Restless-Legs-Syndrom feststellbar. Dabei handelt?es sich um Spannungs- und Druckgefühle in den Beinregionen, die vorwiegend im Ruhezustand am Abend auftreten. Zudem klagten Patienten über Kribbeln und krampfartige Schmerzen. Da Bewegung die Störungen reduziert, entwickeln die Betroffenen in der Regel einen krankhaften Bewegungsdrang ( "Restless Legs"). Sensomotorisch tritt die Beschwerdesymptomatik meist von den Zehen, Füßen und Unterschenkeln nach oben verlaufend auf. Ist die Beinmuskulatur in Mitleidenschaft gezogen, kann es?zu Unsicherheiten in der motorischen Fortbewegung oder zu einer ungewohnten Stolperanfälligkeit kommen.?

Sollte das autonome Nervensystem von der Neuropathie betroffen sei, hängt die Symptomatik von den beeinträchtigten Organen ab. Pulsveränderungen oder ein gestörter Blutdruck lassen meist auf Nervenschäden im Bereich des Herz-Kreislaufsystems schießen. Zudem treten bei einer polyneuropathisch bedingten Schädigung des vegetativen Nervensystems häufig Schluckstörungen, Sodbrennen und Übelkeit sowie Blasenschwäche auf. Je nach Ausprägung der Erkrankung kann das Leben der Betroffenen erheblich eingeschränkt werden. Gerade Störungen der Nervenbahnen und damit verbundene Empfindungseinschränkungen sowie Lähmungen senken die Lebensqualität enorm.

Das diabetische Fußsyndrom

Häufig ist die Hyperglykämie die Ursache für das sogenannte diabetische Fußsyndrom. Aufgrund?der reduzierten Schmerzempfindlichkeit bleiben Verletzungen an den Füßen von den an Diabetes Erkrankten unbemerkt. Meist kommt es dann zu einer Entzündung der meist schlecht heilenden Wunden, die sich bis in die tieferliegende Gewebestruktur ausbreitet. Im schlimmsten Fall kann das eine Amputation zur Folge haben.

Prävalenz der klinischen diabetischen Polyneurophatie

Medizinisch steht heute außer Frage, dass die Hyperglykämie ein Hauptauslöser für die peripheren und viszeralen Nervenschädigungen ist. Dies wird durch die Ergebnisse der wissenschaftlichen der DCCT Studie (Diabetes Control and Complications Trail) bestätigt. Die Wahrscheinlichkeit an einer diabetischen Polyneurophatie zu erkranken hängt demnach von verschiedenen Faktoren ab. Unzweifelhaft ist, dass der Blutzuckerwert eine entscheidende Rolle spielt. Dabei gibt es keine wesentlichen Unterschiede zwischen Typ 1 und Typ 2 Diabetes.

Diagnose

Die diabetischen Polyneurophatie gehört zu den schleichenden Erkrankungen. Das bedeutet, es gibt nicht immer einen wahrnehmbaren Anhalt für eine Nervenschädigung. Daher sollten Menschen mit Diabetes regelmäßig ihre Nerven durch den Hausarzt oder Diabetologen untersuchen lassen.?Ob eine Schädigung der sensomotorischen Nerven gegeben ist, lässt sich durch einfache Untersuchungsmethoden leicht feststellen.

Dabei prüft der Arzt unter anderem:

  • Schmerzsensorik
  • Berührungssensibilität
  • Temperaturempfindlichkeit
  • Reflexe der Achilles-und Kniesehnen
  • Druckpunkt- und Berührungssensibilität am Fuß

Liegt ein Anhalt für eine diabetischen Polyneurophatie vor, leitet der Arzt weitere Untersuchungen ein, um die Erkrankung der sensomotorischen Nerven zu manifestieren.

Wesentlich schwieriger ist die Diagnose bei Schäden der vegetativen Nerven. Hier spielt die?Anamnese (Patientengeschichte) eine wichtige Rolle. Durch ein EKG beziehungsweise ein 24-Stunden-EKG lässt sich kardiologisch eine eventuelle Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems feststellen. Bei einer autonomen Neuropathie der Magennerven stehen dem Arzt unter anderem folgende Untersuchungsmethoden zur Verfügung:

  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie)
  • Magenspiegelung (Gastrokopie)
  • Messung der Magenentleerungsgeschwindigkeit

Therapie

Hat der Arzt eine diabetischen Polyneurophatie diagnostiziert, gilt es vorrangig die Weiterentwicklung der Nervenschädigung zu verhindern. Dafür ist es unabdingbar, dass der Betroffene das Rauchen einstellt und auf Alkohol verzichtet. Zudem muss eine Optimierung der Blutzucker-, Blutfett- und Blutdruckwerte erfolgen. Eine vom Arzt kontrolliert eingeleitete Schmerztherapie hilft, die durch die diabetische Polyneurophatie?verursachten Beschwerden, zu lindern und hilft die Lebensqualität des Patienten zu erhalten.

Quellen:

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