Wenn der Diabetes ins Auge geht

Das Sehen verblasster Farben, verschwommenes oder verzerrtes Sehen und Ausfälle im Gesichtsfeld können Anzeichen von diabetischen Netzhauterkrankungen sein. (Bild: Pixabay.com)

Je länger ein Diabetes besteht, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Augen in Mitleidenschaft gezogen werden. Dabei sind Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 gleichermaßen betroffen.

Das menschliche Auge ermöglicht mit dem Sehen eine der wichtigsten Sinneswahrnehmungen. Gutes Sehen ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Vor allem im Alter oder durch chronische Erkrankungen wie Diabetes können Veränderungen am Auge entstehen, die das Sehen beeinträchtigen können. Zum Beispiel sind das grauer und grüner Star, altersbedingte Makuladegeneration und diabetesbedingte Netzhauterkrankungen. PD Dr. med. Dr. phil. Daniel Barthelmes, Leitender Arzt an der Augenklinik des UniversitätsSpitals Zürich erklärt, weshalb Menschen mit Diabetes ihre Augen unbedingt im Blick behalten sollten.

Menschen mit Diabetes müssen auf Vieles achten, warum auch auf die Augen?

Bei fast allen Menschen mit Diabetes – insbesondere wenn die Erkrankung schon lange besteht – stellen wir Veränderungen der Netzhaut fest. Das Auge ist das am häufigsten und frühesten betroffene Organ, das durch die Zuckerkrankheit geschädigt wird. Diabetische Netzhauterkrankungen können zu einer schweren Sehbehinderung oder sogar zur Erblindung führen. Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass Menschen mit Diabetes auf ihre Augen aufmerksam gemacht werden.

Wie erkennen Menschen mit Diabetes eine Erkrankung im Auge?

Bis betroffene Patienten Sehstörungen bemerken, können mehrere Jahre vergehen – und das ist genau das Problem! Zu Beginn der Diabeteserkrankung stellen die Patienten in der Regel keine Beeinträchtigungen fest, obwohl bei einer augenärztlichen Untersuchung schon Veränderungen nachweisbar sein können. Es kann auch sein, dass sich die Sehschärfe langsam über Wochen oder Monate verschlechtert. Wer ein vermindertes Sehvermögen feststellt – auch wenn dieses gering ist – sollte dringend einen Augenarzt aufsuchen.

Wer eine Veränderung der Sehkraft feststellt, sollte dringend einen Augenarzt aufsuchen. (Bild: Pixabay.com)

Wann sollten sich Menschen mit Diabetes zur Routinekontrolle beim Augenarzt anmelden?

Wir wissen durch Studien, dass Patienten bereits bei der Diabetesdiagnose Veränderungen der Netzhaut aufweisen können. Deshalb empfehlen wir, die Augen sofort kontrollieren zu lassen, sobald die Diagnose feststeht. Bei der Terminvereinbarung ist es wichtig zu erwähnen, dass eine Diabeteserkrankung vorliegt. So kann der Augenarzt die Dringlichkeit der Kontrolle richtig einschätzen und man bekommt in der Regel schneller einen Termin. Eine andere Möglichkeit ist, dass die Hausärztin beziehungsweise der Hausarzt den Patienten direkt überweist.

Wie eröffnen Sie einem Patienten die Diagnose?

Ich erkläre dem Patienten, dass sich am Augenhintergrund aufgrund der Zuckerkrankheit die kleinen Blutgefässe und auch das Nervengewebe verändert haben. Diese Veränderungen können unbehandelt zu schweren Sehstörungen führen. Können wir aber frühzeitig intervenieren, kann das Sehvermögen oft lange auf einem guten Niveau gehalten oder sogar verbessert werden. Diabetes ist eine chronische Erkrankung. Patienten müssen jeden Tag etwas dafür tun und an Vieles denken. Das ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich! Sie steigern ihre Lebensqualität, können länger im Berufsleben bleiben und die Zeit mit der Familie und Freunden aktiv geniessen.

Was können Sie Menschen mit Diabetes mit auf den Weg geben?

Das A und O ist eine gute Einstellung des Blutzuckers und des Blutdrucks. Je besser diese eingestellt sind, desto positiver wirkt sich das auf mögliche Folgeerkrankungen aus. Zudem rate ich, Bewegung in den Alltag einzubauen. Dabei reichen normales Gehen, Velofahren und Treppensteigen. Wer körperlich aktiv ist, unterstützt die Blutzuckereinstellung und auch das Wohlbefinden. Daneben sollten regelmässig augenärztliche Kontrollen stattfinden, um Veränderungen möglichst früh erkennen zu können.

Das Interview wurde geführt durch die Bayer (Schweiz) AG.

 

Text: Medical Tribune public / 12 - 2017

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