Diabetiker haben bessere Chancen auf Schwerbehindertenausweis

Vorderdruck eines Schwerbehindertenausweises, auf unbefristet ausgestellt
Diabetiker können einen SB-Ausweis beantragen, wenn sie sich mindestens viermal täglich Insulin spritzen. (Foto: MyHandicap)

In Deutschland haben rund sieben Millionen Menschen Diabetes. Für sie ist es nun leichter geworden, einen Schwerbehindertenausweis zu erhalten. Entscheidend dafür sind der Therapieaufwand und die damit einhergehende Beeinträchtigung im Alltag.

Um als schwerbehindert anerkannt zu werden (ab einem Grad der Behinderung von 50) mussten Diabetiker bislang nachweisen, dass sich ihre Stoffwechselerkrankung schlecht einstellen lässt und es daher häufig zu einer Unterzuckerung kommen kann. Mit der „zweiten Verordnung zur Veränderung der Versorgungsmedizin-Verordnung“, die im Juli 2010 in Kraft getreten ist, hat sich das geändert. Seither ist der Therapieaufwand entscheidend.

Betroffene, die ihren Blutzuckerspiegel selbst messen und sich mindestens viermal täglich Insulin in der jeweils nötigen Menge spritzen, gelten als „gravierend in der Lebensführung beeinträchtigt“ und damit als schwerbehindert. Voraussetzung, um einen GdB (Grad der Behinderung) von 50 zu erhalten, ist allerdings, dass Betroffene die Blutzuckermessung über einen längeren Zeitraum (meist mehrere Wochen) dokumentieren und die Insulindosen entsprechend individuell anpassen.

Schwerbehindertenausweis bringt überwiegend Vorteile

Für Diabetiker bringt ein Schwerbehindertenausweis einige Vorteile. Ab einem Grad der Behinderung (GdB) von 50, bei dem die Schwerbehinderteneigenschaft zuerkannt wird, erhalten Betroffene verschiedene Formen des Nachteilsausgleiches. Dazu zählen beispielsweise Sonderurlaub (in der Regel fünf Tage pro Jahr), Steuererleichterungen (bei einem GdB von 45-50 sind es 570 Euro pro Jahr) oder die kostenlose Beförderung in Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs (mit gültiger Wertmarke).

Außerdem kann es vorkommen, dass Betroffene sich schlecht fühlen, wenn ihnen ihr Handicap vom Amt offiziell „bescheinigt“ wird. Daher ist es ratsam, vor der Beantragung des Schwerbehindertenausweises die persönliche Situation zu überdenken und dabei auch das eigene Wohlbefinden einzubeziehen.