Demenz: Behandlung und Therapie

Eine alte Frau in schwarzweiß
Demenz ist nicht heilbar, aber deren Fortschritt kann durch verschiedene Therapien verlangsamt werden. (Gerd Altmann/pixelio.de)

Demenz ist nicht heilbar. Dennoch gibt es Möglichkeiten der Behandlung und Therapie, durch die ein Fortschreiten der Erkrankung verzögert werden kann. Das Ziel dieser Maßnahmen ist, die Fähigkeiten der Betroffenen zu erhalten und deren Selbstständigkeit so lange wie möglich zu bewahren.

Demenz und ihre Ursachen: Alzheimer-Erkrankung ist die häufigste Form der Demenz

Mit einem Anteil von 60 Prozent ist die Alzheimer-Erkrankung die häufigste Form der Demenz. Dabei verlieren Nervenzellen im Gehirn ihre Funktionsfähigkeit und sterben ab. 20 Prozent der Betroffenen haben eine vaskuläre Demenz, eine Form die aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn entsteht. Eine Demenz ist nach dem heutigen Stand der Medizin nicht heilbar. Schäden, die bereits entstanden sind, können nicht wieder behoben werden.

Daher zielt die Behandlung darauf ab, das Fortschreiten der Demenz zu verlangsamen und die Fähigkeiten der Betroffenen zu erhalten. Die Therapieansätze unterscheiden sich auch danach, welche Form der Demenz vorliegt. Deshalb ist es notwendig, bei Auftreten von Demenz-Symptomen einen Facharzt zu konsultieren, der die Diagnose stellt und weitere Maßnahmen gemeinsam mit dem Patienten festlegt.

Demenz mit Medikamenten behandeln

Bei einer vaskulären Demenz können Medikamente eingesetzt werden, die das Blut verdünnen und damit dessen Fließfähigkeit verbessern. Dadurch soll die Durchblutung des Gehirns verbessert werden. Die Wirkung von Antidementika wie Domepezil, Rivastigmin und Galatamin ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

In der klinischen Anwendung hat sich gezeigt, dass einige Patienten sehr gut auf die Medikamente ansprechen, andere überhaupt nicht. Um das geeignete Präparat zu finden, sollte der Betroffene in regelmäßigen Abständen neuropsychologisch untersucht werden. Dadurch kann man herausfinden, ob sich die Demenz verschlechtert hat und das Arzneimittel gegebenenfalls in der Dosierung anpassen oder ersetzen.

Neben den Medikamenten in Tablettenform stehen auch wirkstoffhaltige Pflaster zur Verfügung. Sie geben den Wirkstoff gleichmäßig ab und erlauben eine höhere Dosierung bei gleichzeitig geringeren Nebenwirkungen. Da ein wesentliches Ziel der Behandlung darin besteht, die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten, wirken beruhigende Medikamente, wie sie beispielsweise bei Schlafstörungen eingenommen werden, kontraproduktiv. Daher müssen Neben- und Wechselwirkungen der Arzneimittel unbedingt mit dem Facharzt abgeklärt werden.

Nicht-medikamentöse Behandlungsansätze bei Demenz

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es eine Reihe von Therapieansätzen, die darauf abzielen, die kognitive Leistungsfähigkeit von Demenzkranken zu verbessern oder zumindest zu erhalten. So kann Gedächtnistraining dazu beitragen, das Erinnerungsvermögen zu stabilisieren. Hierbei kann man Betroffenen beispielsweise Fotos von Verwandten zeigen oder Bilder von Gegenständen aus der gewohnten Umgebung.

Durch die Biographiearbeit lässt sich herausfinden, welche Bedeutung verschiedene Verhaltensweisen für Demenzkranke haben. Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens häufig Rituale, die ihr Handeln bestimmen. Dazu zählt beispielsweise das Glas Wein vor dem Schlafengehen. Je mehr dieser Handlungen bekannt sind, umso besser können sich Angehörige oder Pflegekräfte auf den Betroffenen einstellen.

Kommunikation ist für Demenzkranke ebenfalls wichtig. Zum einen wird dadurch der soziale Kontakt sichergestellt, der Betroffenen ein Gefühl der Geborgenheit gibt, zum anderen die Sprachfähigkeit geübt und erhalten. Wichtig dabei ist allerdings, dass man gegenüber Fehlern des Betroffenen nachsichtig ist. Da die kognitive Leistungsfähigkeit aufgrund der Erkrankung nachlässt, kommt es zu „Wortvergessen“ oder Unzulänglichkeiten in der Artikulation.

Wer Menschen mit Demenz sehr direkt auf Fehler hinweist, sie gewissermaßen belehrt, löst häufig Traurigkeit aus. Da Demenzkranke wissen, dass sie körperlich und geistig abbauen, leiden sie häufig an einer Depression. Um diese nicht zu verstärken, sollten Angehörige, Bekannte und Pfleger über manche Schwäche hinwegsehen oder allenfalls vorsichtig Hinweise zur Verbesserung geben. Der Betroffene soll das Gefühl haben, dass mit ihm „auf Augenhöhe“ gesprochen wird.

Weitere Therapieansätze sind die Basale Stimmulation, bei der die Reizarmut von an Demenz erkrankten Personen verhindert werden soll, die Förderung des Wissens rund um die eigene Person und deren Beziehungsumfeld (Selbsterhaltungstherapie) sowie das Realitäts-Orientierungs-Training, das jedoch vor allem in einem frühen Stadium der Demenz erfolgversprechend ist. Um die Wahrnehmung von Demenzkranken zu schulen, können auch musisch-künstlerische Therapieansätze verfolgt werden. Hierzu zählen die Kunsttherapie, Musiktherapie, Tanztherapie. Welche Aktivitäten ausgeübt werden, hängt von den Interessen des Betroffenen und dem Stadium der Demenz ab.

In der Ergotherapie lassen sich die motorischen Fähigkeiten von Demenzkranken trainieren. Außerdem können sie ihre Körperwahrnehmung trainieren und gleichzeitig individuellen Interessen nachgehen, zumal in den Therapiesitzungen sehr unterschiedliche Übungen gemacht werden können, die persönliche Neigungen berücksichtigen (beispielsweise handwerkliche Arbeiten).

Neben den aktivierenden Behandlungsmethoden kann sich auch Entspannung positiv auf den Gesundheitszustand von Menschen mit Demenz auswirken. So lässt sich beispielsweise durch eine Aromatherapie eine Besserung von depressiven Stimmungen erzeugen, die bei Demenz häufig auftreten. Um keine unerwünschten Neben- oder Wechselwirkungen zu erzielen, sollten alle Maßnahmen mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.


Text: Philipp Jauch – 09/2012

Fotos: pixelio.de

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