Demenz: Kompetenzen der Angehörigen stärken

Eine Gruppe von Menschen unterhält sich. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)
Ein intensiver Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen trägt zur eigenen Kompetenzstärkung bei. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

In der Schweiz werden rund 60 Prozent der an Demenz beziehungsweise Alzheimer erkrankten Personen von ihren Familien, hauptsächlich Partnern und Kindern, betreut. Die Unterstützung und Pflege ist für alle Angehörigen eine enorme Herausforderung. Die eigenen Kompetenzen zu stärken erleichtert den Umgang mit der Krankheit und das Leben aller Beteiligten.

Die Pflege und Betreuung eines geliebten, an Demenz erkrankten Menschen belastet die Angehörigen psychisch und physisch sehr stark, mit Dauer und Fortschreiten der Krankheit und Behinderung oft auch weit über die Belastbarkeitsgrenzen hinaus.

Angehörige vor gewaltigen Herausforderungen

Denn die Probleme, die sich für Angehörige bei der Pflege eines an Alzheimer erkrankten Menschen ergeben, türmen sich regelrecht auf. Da ist nicht nur die psychische Belastung dadurch, dass ein geliebter Mensch langsam "entschwindet" oder die körperliche Belastung der Pflege. Hinzu kommen durch die Demenz Erkrankung auch Faktoren wie die Anpassung des Zuhauses an die Betreuungssituation, die Beschaffung von Hilfsmitteln, die Klärung allfälliger finanzieller Ansprüche, Kommunikationsprobleme und generell belastende Konfliktsituationen.

Deshalb ist es wichtig, nicht nur die neue Rolle als betreuender Angehöriger, sondern auch Hilfe anzunehmen und sich der enormen Herausforderung nicht alleine zu stellen. Dabei geht es nicht nur um Unterstützung und Entlastung im Alltag, sondern auch um die eigene Kompetenzstärkung, sich beraten zu lassen, die verschiedenen Aspekte der Krankheit zu kennen, Kurse zu belegen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Wissen über Demenz und Hilfe im Zentrum

Angehörige von Menschen mit Demenz sollten ihre Kompetenzen stärken, sich einerseits Wissen über die Krankheit aneignen, andererseits auch über ihre Sorgen und Probleme sprechen, sich Rat und Hilfe organisieren, nachfragen und handeln. Es ist erwiesen, dass das Wissen um die Krankheit mit allem was sie mit sich bringt bei der Betreuung der Betroffenen hilft und man ihre veränderten Verhaltensweisen besser verstehen kann.

Je mehr pflegende Angehörige über eine Krankheit wissen, desto sicherer sind sie im Umgang mit den Erkrankten. Die Kompetenzstärkung ist nicht nur für die pflegenden Angehörigen selber wichtig, sondern auch eben auch für die erkrankte Person und die Mitarbeitenden der Pflege (z.B. Spitex), in Spitälern oder in Pflegeheimen etc.

Eine Reihe von Büchern auf einem Gestell. (Bild: Lupo /pixelio.de)
Angehörige von Demenz-Patienten sollten sich Wissen aneigenen. (Bild: Lupo/pixelio.de)

Kompetenzstärkung: Mehr Angebote notwendig

Den Bedarf an Kompetenzbildung und Kompetenzstärkung abzuklären ist ein Projekt der Nationalen Demenzstrategie 2014-2017 des Bundes. Dass der Bedarf da ist, steht ausser Frage. Das heutige Angebot ist ausbaufähig, doch heißt das nicht, dass es keine Angebote gibt: Erste Adresse für Information und Beratung von Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ist die Schweizerische Alzheimervereinigung.

So bietet sie zum Beispiel verschiedene Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch an. In allen Sektionen der Alzheimervereinigung treffen sich Angehörige regelmäßig, informieren sich und tauschen ihre Erfahrungen aus und unterstützen sich gegenseitig. Außerdem ergänzen Kurse und Veranstaltungen das Angebot.  

Austausch in Angehörigengruppen

Auch am Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich treffen sich Angehörige von pflegebedürftigen Menschen in einer Angehörigengruppe zu Gesprächsrunden. Das Angebot richtet sich an alle Personen, die in engem Kontakt mit pflegebedürftigen Personen stehen und in diesem Zusammenhang Belastung erfahren beziehungsweise Unterstützung suchen, wobei sich die Zielgruppe nicht auf Angehörige von Menschen mit Demenz beschränkt.

Pflegeorganisationen der öffentlichen und privaten Spitex verweisen ebenfalls darauf, dass die Stärkung der pflegenden Angehörigen im Interesse der Allgemeinheit ist, und engagieren sich entsprechend. So hat zum Beispiel Home Instead ein Schulungsprogramm entwickelt, in dessen Mittelpunkt die Ausbildung professioneller Betreuer und die Weiterbildung der Angehörigen steht. Pflegende Angehörige lernen dabei praxisnahe Erkenntnisse sowie Instrumente kennen, die ihre tägliche Arbeit erleichtern und unterstützen sollen.

Fachexperten wissen Rat

Eine wichtige Rolle bei der Bewältigung dieser schwierigen Situation spielt auch das Internet. Nicht nur lassen sich viele wichtige Informationen über die Krankheit sammeln, es findet auch ein aktiver Austausch statt. Auch im MyHandicap-Forum können Fragen gestellt werden und auch unsere Fachexperten stehen Ihnen gerne zur Verfügung.

Text: Patrick Gunti 06/2014
Bilder: pixelio.de

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