Alzheimer – Krankheit des Vergessens

Alte Frau. (Bild: Gerd Altmann/pixelio.de)
Alzheimer ist eine typische Alterskrankheit. (Bild: Gerd Altmann/pixelio.de)

Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz und eine typische Alterserkrankung. Durch die steigende Lebenserwartung gehören Demenzerkrankungen zu den größten Herausforderungen der Zukunft in unserer Gesellschaft.

Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl der an Demenz erkrankten Personen in Deutschland bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln wird. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft geht in knapp 40 Jahren von 2,6 Millionen Betroffenen aus.

Die Schweizer Alzheimervereinigung rechnet gar mit einer Verdoppelung bis 2030 und einer Verdreifachung bis 2050. Heute leben in der Schweiz knapp 110.00 Menschen mit einer Form von Demenz wie Alzheimer. Weltweit sind über 30 Millionen Menschen betroffen. Man geht davon aus, dass es 2050 über 100 Millionen sein könnten.

Ein zunehmendes Hirnversagen

Das Wort Demenz hat seinen Ursprung im lateinischen Dementia, was übersetzt in etwa „ohne Geist“ oder „abnehmender Verstand“ bedeutet. Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungsbilder, die mit einem schrittweisen Verlust des Gedächtnisses, des Denkens, der Erinnerung, der Orientierung oder der Verknüpfung von Denkinhalten einhergehen.

In fortgeschrittenen Stadien schließen sich ein Verlust von Erlebnisfähigkeit, Interessen oder Gefühlen an. Oft ist damit eine Wesensveränderung verbunden. In einem weiteren Stadium kann es zu körperlichen Behinderungen und dem Verlust über Körperfunktionen kommen.

Demenz ist in den meisten Fällen auf eine Erkrankung des Gehirns zurückzuführen, oder anders gesagt: Bei Demenz-Erkrankungen handelt es sich um ein zunehmendes Hirnversagen.

Alter Mann hält sich die Hand vors Gesicht. (Bild: Gerd Altmann/pixelio.de)
Bei Demenz kommt es zu einem Verlust des Gedächtnisses. (Bild: Gerd Altmann/pixelio.de)

Alzheimer die häufigste Demenzerkrankung

Die weitaus häufigste Form der Demenz ist Alzheimer (Morbus Alzheimer), eine neurodegenerative Erkrankung, die für ungefähr 60 Prozent aller Demenzerkrankungen verantwortlich ist. Nach der IDC-10, der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten, gibt es als weitere Demenzformen die Vaskuläre Demenz sowie die Sekundäre Demenz.

Die Vaskuläre Demenz kann aufgrund von Durchblutungsstörungen entstehen, Sekundäre Demenzen werden durch nicht hirn-organische Grunderkrankungen wie beispielsweise Stoffwechselstörungen, Schilddrüsenerkrankungen oder Infektionskrankheiten hervorgerufen.

Eine eigentliche Alterskrankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer benannt, der 1907 als Erster die Krankheitssymptome und die typischen krankhaften Veränderungen im Gehirn beschrieben hat. Alzheimer kann zwar auch bei Personen im Alter von 50 Jahren auftreten, ist aber eine eigentliche Alterskrankheit. Sie tritt in der Regel nach dem 65. Lebensjahr auf und die Erkrankungshäufigkeit nimmt mit steigendem Lebensalter zu.

Was bei Alzheimer passiert

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich im Laufe der Alzheimer-Krankheit immer mehr Eiweiß-Spaltprodukte im Gehirn ablagern. Sie beeinträchtigen die Reizübertragung zwischen den Nervenzellen, auch Neuronen genannt. Im Laufe der Zeit sterben dann Nervenzellen vor allem in den Regionen des Gehirns ab, die an der Entwicklung von Gedächtnis, Sprache und Denkfähigkeit beteiligt sind.

Warum dies geschieht, ist noch immer nicht vollständig geklärt. Unklar ist auch, ob die Ablagerungen die eigentliche Ursache oder aber eine Begleiterscheinung des Zelltodes darstellen.

Bäume im Nebel. (Bild: Gabriele P./pixelio.de)
Alzheimer: Wenn die Erinnerungen verblassen – und schließlich ganz entschwinden. (Bild: Gabriele P./pixelio.de)

Mangelnde Botenstoff-Produktion

Ein weiteres Merkmal sind Veränderungen der Gehirnbotenstoffe, den sogenannten Neurotransmittern. Bei Alzheimer sind vor allem Glutamat und Azetylcholin bedeutend. Bei Alzheimer-Patienten wird im Laufe ihrer Erkrankung immer weniger Azetylcholin produziert. Der zunehmende Botenstoffmangel macht sich dann durch Gedächtnisstörungen, Konzentrations- und Aufmerksamkeits-Schwierigkeiten bemerkbar.

Die Medizin geht heute davon aus, dass die Alzheimer-Krankheit eintritt, wenn mehrere Schädigungsfaktoren zusammenkommen. Außerdem besteht bei den Patienten vermutlich eine Veranlagung für diese Erkrankung. Festgestellt wurde eine genetische Komponente, denn etwa fünf bis zehn Prozent der Betroffenen zeigen eine familiäre Häufung.

Medizinisch verläuft Alzheimer in drei Phasen:

  1. Im Anfangsstadium sind erste geistige Defizite erkennbar. Betroffene werden vergesslich, vor allem bei Dingen, die noch nicht lange zurückliegen. Es entstehen Orientierungsschwierigkeiten und Verwirrung. Die Unsicherheit und die Frustration darüber, was mit einem passiert, können zu starken Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen führen.

  2. In der zweiten Phase und mit dem Verlust der geistigen Fähigkeiten wird das selbstständige Erledigen alltäglicher Aufgaben bereits schwierig. Die Selbständigkeit lässt nach. Es kommt zu Störungen bei Haushaltsaufgaben oder beim Ankleiden, eventuell wird die Hygiene vernachlässigt. Die Vergesslichkeit steigt, die Desorientierung wird größer. Es kann zu Sprach- und Erkennungsstörungen kommen.

  3. Im dritten Stadium kommt es zu einem Verlust der Alltagskompetenz, die Patienten sind vollkommen von Hilfe abhängig. Das Gedächtnis zerfällt, auch das Langzeitgedächtnis ist nun betroffen. Die Kranken nehmen sich selbst und ihre Umgebung kaum noch wahr. Auch organische Funktionen sind zunehmend beeinträchtigt: Die Kontrolle über die Darm- und Blasentätigkeit versagt, der Tag-Nacht-Rhythmus ist gestört, es kann ausserdem zu Muskelzuckungen, Schluckstörungen oder Krampfanfällen kommen.

Begleitet werden die Alzheimer-Stadien häufig von psychischen Symptomen wie Depressionen, Ängsten bis hin zu Wahnvorstellungen, in Folge der beeinträchtigten Hirnleistung.

Lesen Sie im Januar im 2. Teil unserer Serie zu Alzheimer/Demenz alles über erste Warnzeichen der Krankheit, die Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten, aber auch über Vorbeugung. Im 3. Teil im Februar thematisiert MyHandicap das Thema „Rat und Unterstützung für Betroffene und Angehörige“.


Text: Patrick Gunti - 12/2011

Bilder: pixelio.de

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