Betreuungs- und Wohnformen für Menschen mit Demenz

Ein alter Mann schaut aus dem Fenster
Wohin im Alter? Die steigende Zahl demenzkranker Menschen erfordert alternative Wohnformen zu Alters- und Pflegeheimen (Damaris/pixelio.de)

Die Zahl der Menschen mit einer Demenzerkrankung wird in den nächsten Jahrzehnten stark steigen. Bei der Betreuung dieser Menschen gewinnen neue und spezialisierte Wohnformen an Bedeutung.

Menschen mit Formen von Demenz wie Alzheimer können im frühen oder mittleren Stadium der Krankheit in der Regel noch in ihren eigenen vier Wänden leben. Nach Angaben des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend leben in Deutschland etwa zwei von drei Demenzkranken zu Hause. Diese Zahl zeigt den Wunsch der meisten Menschen auf, im Alter in der gewohnten Umgebung zu bleiben.

Betreuungsgruppen in einer ersten Phase

Unterstützt werden sie in ihrem Alltag in der Regel vom Partner, Familienangehörigen oder Freunden. Mit dem Fortschreiten der Krankheit steigen die Anforderungen und Unterstützungs- und Entlastungsangebote sowie alternative Wohnformen gewinnen an Bedeutung. Dazu gehören Betreuungsgruppen, in denen sich Betroffene austauschen und beschäftigen können. Entsprechende Angebote kommen den Erkrankten zugute, aber auch den für einige Stunden entlasteten Pflegenden.

Diese Entlastung kann auch durch ambulante Pflegedienste erbracht werden, die sich stunden- oder tageweise um die Erkrankten kümmern. Eine weitere Alternative ist die Tagespflege. Sie sieht vor, dass Demenzkranke die Tage in einer Einrichtung verbringen, jedoch am Abend zu ihren Familien zurückkehren.

Professionelle Betreuung rund um die Uhr

Aber – der Schweregrad der Demenzkrankheit nimmt sukzessive zu. Und mit den Jahren sind die Anforderungen so hoch, dass die Patienten kaum mehr in ihrer angestammten Umgebung leben können. Sie brauchen rund um die Uhr professionelle Pflege und Betreuung. Sehr häufig bekommen sie diese in einem Pflegeheim.

In der Schweiz hat diese Entwicklung dazu geführt, dass heute mindestens zwei von fünf Heimbewohner an einer Demenzkrankheit leiden. In den Pflegezentren der Stadt Zürich sind es nach Angaben des Verbandes Heime und Institutionen Schweiz (Curaviva) sogar knapp 70 Prozent.

Herausforderungen für Alters- und Pflegeheime

Alters- und Pflegeheime müssen sich mit der steigenden Zahl von Demenzpatienten an die veränderten Ansprüche anpassen. Immer mehr Pflegeheime verfügen bereits heute über auf Demenzkranke zugeschnittene Wohn- und Betreuungsangebote, die den veränderten Wohnbedürfnissen der Patienten gerecht werden.

Eine Pflegerin drückt die die Hand einer Patientin
WG's & betreutes Wohnen sichern ein gewisses Maß an Privatsphäre. (Maren Bessler/pixelio.de)

Angepasste Wohnformen wie betreutes Wohnen …

Die Alternative zum Leben zu Hause in den eigenen vier Wänden muss aber nicht zwangsläufig Pflegeheim heißen. Eine Möglichkeit ist auch das betreute Wohnen. Diese Form richtet sich zwar noch häufig in erster Linie an Menschen, die wegen ihrer körperlichen Beschwerden in eine angepasste Umgebung ziehen wollen.

Heute und in Zukunft immer mehr benötigt die Gesellschaft jedoch ein angepasstes Angebot für das betreute Wohnen für Demenzkranke. Hier können sie in einem Wohnhaus oder einem Gebäudekomplex in ihren eigenen Wohnungen leben, aber Pflege, Mahlzeitendienst und hauswirtschaftliche Unterstützung in Anspruch nehmen.

… Wohngemeinschaften für Demenzerkrankte

Eine weitere Form ist die Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz. Hier teilen sich mehrere Erkrankte eine Wohnung. Sie haben ihre eigenen Zimmer mit ihren eigenen Möbeln, nutzen aber Wohnzimmer, Küche und Bad gemeinsam und beteiligen sich am Leben der Gemeinschaft.  Dabei werden sie rund um die Uhr von professionellem Pflegepersonal betreut.

Sowohl das Konzept des betreuten Wohnens als auch die Wohngemeinschaft ermöglicht es den Demenzkranken, länger selbstbestimmt zu leben. Außerdem werden die Angehörigen entlastet, können zugleich aber Einfluss ausüben und Verantwortung übernehmen.

Tempelanlage in Thailand
Im Norden Thailands hat der Schweizer Martin Woodtli eine Alternative zur Pflege von Demenzpatienten in unserer Gesellschaft aufgezeigt (Katharina Wieland Müller/pixelio.de)

„Begleitung des Herzens“

Einen ganz anderen Weg sind die demenzkranken Personen gegangen, die im Anwesen „Baan Kamlangchay“ in Chiang Mai im Norden Thailands leben. „Baan Kamlangchay“ kann mit „Begleitung des Herzens“ übersetzt werden und soll den liebevollen, herzlichen und respektvollen Umgang der Thais mit älteren Menschen betonen.

Gegründet wurde „Baan Kamlangchay“ 2003 vom Schweizer Martin Woodtli. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 2002 die Betreuung seiner an Alzheimer erkrankten Mutter. Er entschloss sich, mit ihr nach Thailand auszuwandern, wo er in den 1990er Jahren bereits für die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ tätig gewesen war.

Wie Woodtli berichtet, bewogen ihn seine positiven Erfahrungen mit dem thailändischen Betreuungspersonal, „Baan Kamlangchay“ zu gründen und Ferien und Langzeitaufenthalte für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in Nordthailand anzubieten.

Herzliche Betreuung rund um die Uhr

Heute ist das Anwesen für rund zehn Gäste, wie Woodtli die Patienten zu nennen pflegt, der Lebensmittelpunkt. Jeder Gast wird von jeweils drei lokalen Pflegerinnen betreut. Sie sorgen sich rund um die Uhr um „ihren“ Patienten. Auch in der Nacht schläft eine Betreuungspersonen zur Bereitschaft neben dem Bett des Gastes. Wegleitend sind für „Baan Kamlangchay“ das aktive Erleben der Umgebung und der Umwelt und das Entwickeln der Beziehung zwischen den Betreuungspersonen und dem Gast.

Eine herausragende Eigenschaft in der Pflege und Betreuung ist der herzliche, zärtliche und körperlich nahe Umgang des thailändischen Personals mit älteren und hilfsbedürftigen Menschen. Mit diesen Fähigkeiten decken sie ein zentrales Bedürfnis von Menschen mit Demenz ab, das in hiesigen Einrichtungen aus zeitlichen Gründen oftmals auf der Strecke bleibt.

 

Text: Patrick Gunti – 03/2012

Fotos: pixelio.de

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