Alzheimer: Rechtzeitig vorsorgen

Eine ältere Person liest, in der rechten Hand hat sie eine Brille. (Xenia B./pixelio.de)
An Demenz erkrankte Menschen sollten rechtzeitig bestimmen, wer eines Tages für sie entscheiden soll. (Xenia B./pixelio.de)

Wer an Alzheimer erkrankt, wird mit großer Wahr- scheinlichkeit eines Tages nicht mehr selbstverantwortlich handeln können. Deshalb sollten Betroffene rechtzeitig bestimmen, wer in der Zukunft für sie entscheiden und handeln soll.

An einer Demenz-Form wie Alzheimer zu erkranken, ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen ein Schock. Der Verlust des Gedächtnisses, die nachlassende Selbstständigkeit, die Abhängigkeit von Dritten und die zunehmende Desorientierung ängstigen die Betroffenen.

Vorsorgevollmacht schafft Klarheit

Im Gegensatz zu anderen Krankheiten und Ereignissen, die zu einer Behinderung führen können, verläuft Alzheimer aber in Etappen. Für demenzkranke Menschen ist es wichtig, diese Zeit zu nutzen und mit einer juristisch korrekten Vorsorgevollmacht oder einer Betreuungsverfügung zu regeln, welche Personen ihres Vertrauens sie rechtsverbindlich vertreten sollen, wenn sie selber dazu nicht mehr in der Lage sind.

Liegen diese Vollmachten im Ernstfall nicht vor, setzt das Amtsgericht für die betroffene Person einen Betreuer ein. Dieser kann zwar aus der eigenen Familie kommen, garantiert ist das aber nicht. Es kann auch sein, dass ein fremder Berufsbetreuer die Vollmachten erhält.

Wer eine Vorsorgevollmacht ausstellt, sollte sich vorher genau überlegen, wen er zu seinem rechtlichen Vertreter bestimmt und wen er ablehnt. Ebenso wichtig ist es, genau zu überlegen, welche Aufgaben der Bevollmächtigte erfüllen soll.

Mit Abschluss einer Vollmacht nicht zögern

In einer Vorsorgevollmacht bestimmt die an Alzheimer erkrankte Person ihre gesetzliche Vertretung. Die Vorsorgevollmacht muss erstellt werden, wenn der Betroffene noch sogenannt "geschäftsfähig" ist. Diese Feststellung kann durch den behandelnden Arzt bestätigt werden. Die Vorsorgevollmacht regelt verschiedene Bereiche wie Finanzielles, Vertretung in Steuer- und Rentenangelegenheiten oder Verwaltung von Grundbesitz, aber auch Betreuung und Pflege.

Grundsätzlich wird empfohlen, die Vorsorgevollmacht möglichst umfassend zu erteilen, damit die bevollmächtigte Person oder mehrere Personen die volle Entscheidungsgewalt besitzen. Bereiche und Zuständigkeiten, die in der Vollmacht nicht geregelt wurden, müssen später eventuell in einem gerichtlichen Betreuungsverfahren geklärt werden.

Ein älterer Mann schaut aus dem offenen Fenster in den Garten. (Damaris/pixelio.de)
Für Menschen ohne Vertrauensperson ist die Betreuungsverfügung eine Alternative zur Versorgungsvollmacht. (Damaris/pixelio.de)

Beglaubigung sorgt für Klarheit

Die Unterschrift unter eine Vorsorgevollmacht ist rechtlich bindend. Eigentlich ist es also nicht nötig, die Vollmacht notariell beglaubigen zu lassen. Allerdings verleiht dies der Vorsorgevollmacht im Zweifel - gerade bei der Regelung finanzieller Angelegenheiten mit Finanzinstituten - mehr Durchsetzungskraft.

Aber auch eine notariell beglaubigte Versorgungsvollmacht hat ihre Grenzen: Bei schwerwiegenden medizinischen Eingriffen oder bei Freiheitsentziehung hat auch der Bevollmächtigte eine vormundschaftsgerichtliche Genehmigung einzuholen.

Menschen mit Demenz können aber auch eine zusätzliche Gesundheitsvollmacht ausstellen. Diese berechtigt den oder die Bevollmächtigten, darüber zu entscheiden, welche medizinischen Behandlungen oder Untersuchungen an der erkrankten Person durchgeführt werden dürfen.

Die Betreuungsverfügung

Eine Alternative zur Vorsorgevollmacht ist die Betreuungsverfügung. Sie ist dann sinnvoll, wenn keine Vertrauensperson existiert, der man eine Vorsorgevollmacht erteilen kann, oder wenn es zweckmäßig erscheint, die Regelung seiner Angelegenheiten einer gerichtlichen Kontrolle zu unterstellen.

Eine rechtzeitig ausgestellte Betreuungsverfügung legt also fest, wer der Betreuer sein soll, falls eine rechtliche Betreuung notwendig wird. Umgekehrt kann in einer Betreuungsverfügung auch festgehalten werden, wer auf keinen Fall als Betreuungsperson eingesetzt werden soll. In der Betreuungsverfügung können Demenzkranke auch Wünsche für ihre spätere Lebensgestaltung hinterlegen, zum Beispiel hinsichtlich Unterbringung in einem Heim.

Im Gegensatz zur Vorsorgevollmacht können Menschen mit Demenz eine separate Betreuungsverfügung auch dann noch aufsetzen oder auch ändern, wenn sie nicht mehr als voll geschäftsfähig gelten. Sie müssen aber noch einsichtsfähig sein, also noch in der Lage sein, ihren Willen in irgendeiner Weise deutlich zu machen. Die Verfügung sollte wie die Versorgungsvollmacht schriftlich abgefasst und unterzeichnet sein.

 

Text: Patrick Gunti - 06/2013

Fotos: pixelio.de

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