Chronische Schmerzen unbedingt behandeln

Ein Arzt im Gespräch mit einem Patienten
Bei länger anhaltenden Schmerzen sollte unbedingt ein Schmerzspezialist aufgesucht werden. (Foto: DAK Gesundheit)

Chronische Schmerzen sind eine komplexe Erkrankung, die von Beginn an gezielt behandelt werden sollte. Dies geschieht leider viel zu selten. Dabei stehen eine ganze Reihe effektiver Behandlungsoptionen zur Verfügung.

Fast alle chronischen Schmerzen haben eine Gemeinsamkeit: Sie werden zu spät, oftmals gar nicht und wenn doch, vielfach nicht von ausgebildeten Schmerztherapeuten behandelt.

Eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der Initiative "Wege aus dem Schmerz" ergab im vergangenen Jahr, dass von rund zwölf Millionen Deutschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, rund 40 Prozent gar nicht therapiert werden. Frauen befinden sich etwas häufiger in Behandlung (68 Prozent) als Männer (56 Prozent) und ältere Betroffene (78 Prozent) häufiger als junge (38 Prozent). Die Umfrage zeigte außerdem auf, dass rund zwei Drittel der Betroffenen nicht bei einem ausgebildeten Schmerztherapeuten in Behandlung sind, sondern bei ihrem Hausarzt.

Obwohl chronische Schmerzen alle Aspekte der Gesundheit und des Wohlbefindens beeinträchtigen und eine große Behinderung im Alltag sein könne, werden sie also nicht ausreichend bekämpft.

Verheerende Auswirkungen chronischer Schmerzen

Mit chronischen Schmerzen einfach leben zu lernen, kann keine Option sein. Wenn der Schmerz zum ständigen Begleiter wird, sollten Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen. Denn die Auswirkungen sind gravierend. Der Schmerz dominiert das Leben. Chronische Schmerzen haben verheerende Auswirkungen auf das Privat- und Berufsleben, Betroffene leiden an psychischen Problemen - und das Umfeld leidet mit.

Umfassende Diagnose

Für die meisten Betroffenen ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Verfügt dieser über eine Ausbildung als Schmerztherapeut, kann er die Diagnose und Therapie selber starten, ansonsten sollte er die Patienten an einen Spezialisten verweisen. Ausgebildete Schmerztherapeuten versuchen, dem Schmerz mit einer umfassenden Diagnose auf die Schliche zu kommen. Im Mittelpunkt steht dabei die Schmerzanamnese, die eigentliche Krankengeschichte.

Grüne Pillenbox mit verschiedenen Medikamenten
Schmerzmittel bilden in den meisten Fällen die Grundlage für Therapiemassnahmen bei chronischen Schmerzen. (Foto: DAK Gesundheit)

Die Schmerzanamnese

Die Erhebung der Anamnese beinhaltet eine möglichst genaue Lokalisation des Schmerzes und dessen Ausstrahlung, die Einschätzung der Schmerzstärke anhand einer Skala von 1 bis 10, die Feststellung von Art, Form und Verlauf des Schmerzes, die Suche nach auslösenden und verstärkenden Faktoren sowie die Begleitsymptome. Vielfach wird der Patient aufgefordert, ein sogenanntes Schmerztagebuch zu führen. Weiter zieht der Arzt allfällige frühere Befunde, Arztberichte und Röntgenbilder zur Diagnose heran. Und er informiert sich über die berufliche und private Lebenssituation des Patienten.

Je nach lokalisiertem Schmerzort oder Grunderkrankung führt der Spezialist zusätzlich eine eingehende körperliche Untersuchung durch, schwergewichtig neurologisch und orthopädisch.

Schmerzbahn beeinflussen, Schmerzwahrnehmung verändern

Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse schlägt der Schmerztherapeut in der Folge eine auf die vielfältigen Ursachen und verstärkende, Faktoren abgestimmte Schmerztherapie vor. Im Zentrum stehen eine Beeinflussung der Schmerzbahn respektive die Unterbrechung der Schmerzleitung sowie eine Veränderung der Schmerzwahrnehmung.

Kombination verschiedener Therapien

Schmerzexperten empfehlen zur Bekämpfung chronischer Schmerzen eine Therapie, die auf vier Säulen basiert, nämlich eine medizinische Therapie, die medikamentöse Behandlung, Physiotherapie und Psychotherapie. Korrigierende, operative Eingriffe können zur Schmerzlinderung führen, wenn dadurch eine dem Schmerz zu Grunde liegende Störung wie zum Beispiel ein Bandscheibenschaden behoben werden kann. Meistens bilden aber Schmerzmittel die Grundlage für Therapiemaßnahmen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt zur medikamentösen Schmerztherapie ein Vorgehen in drei Stufen:

Stufe 1: Nichtsteroidale Antirheumatika (zum Beispiel Ibuprofen, Acetylsalicylsäure)
Stufe 2: Schwächere Opioide (zum Beispiel Tramadol, Tilidin)
Stufe 3: Stärkere Opioide (zum Beispiel Morphin, Hydromorphon)

Neben den Schmerzmitteln können bestimmte Antidepressiva unabhängig von ihrer stimmungsaufhellenden Wirkung einen positiven Effekt auf die Schmerzempfindung haben.

Invasive Maßnahmen

Schmerztherapeutische Maßnahmen können auch invasiv erfolgen. Zum Beispiel können Schmerzpumpen implantiert werden, oder mit einer Infiltration wird versucht, eine Nervenblockade zu erreichen.

Eine schmerzleidende Frau und ein sich um das gemeinsame Kind kümmernder Vater.
Eine schnellstmögliche Arztkonsultation bei andauernden Schmerzen ist nicht nur für die Betroffenen wichtig, sondern auch für deren Umfeld. (Foto: DAK Gesundheit)

Behandlung mit Elektrostimulation

Schmerzempfindungen in bestimmten Körperregionen können auch mit Hilfe elektrischer Stimulation gelindert werden. Bei der transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) werden die Nervenstrukturen durch das Anlegen von Stromimpulsen auf der Haut gereizt, wodurch ein körpereigenes Schmerzhemmsystem aktiviert wird.

Weitere Schmerztherapien

Eine wichtige Rolle bei der Behandlung chronischer Schmerzen spielt auch die Physiotherapie. Kontrollierte Bewegungen und Übungen schmerzender Körperteile können helfen, die Funktion steifer Gelenke und Muskeln wieder herzustellen. Durch bestimmte Massagetechniken wird eine Durchblutungsverbesserung und Muskelentspannung erreicht. Außerdem werden durch die bessere Durchblutung die Substanzen schneller abtransportiert, die bei einem Gewebeschaden die Schmerzrezeptoren reizen.

Mit dem Schmerz umgehen

Der Schmerz als Krankheit bedeutet für die meisten Betroffenen auch eine enorme psychische Belastung. Ängste, Aggressionen, Verweigerung und Vermeidung sind häufige Folgen. Eine Psychotherapie hat zum Ziel, die Schmerzpatienten bei der Bewältigung der Schmerzen und deren Folgen zu unterstützen. Der Patient lernt, Ängste abzubauen, das Schmerzempfinden zu kontrollieren und Techniken der Ablenkung, Entspannung und Problemlösung anzuwenden - immer mit dem übergeordneten Ziel, die Schmerzintensität zu verringern und die Lebensqualität zu verbessern.

Menschen mit chronischen Schmerzen finden in unserem Forum Rat und können sich mit anderen Betroffenen austauschen.


Text: Patrick Gunti 09/2012
Fotos: DAK Gesundheit

 

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