Prothesen-Reha am Unfallkrankenhaus Berlin

Dr. Insa Matthes, Dagmar Maria Marth und andere Professionalisten und Teilnehmer der Prothese-Reha im Gespräch
In Gesprächsrunden tauschen sich Patienten, Ärzte, Therapeuten und Orthopädietechniker aus (Foto: Unfallkrankenhause Berlin)

Prothesen-Rehabilitation am Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) sorgt für neue Lebensqualität der Teilnehmer in privaten und beruflichen Bereichen.

Amputierte Menschen haben es nicht leicht. Sowohl bei der sozialen als auch beruflichen Reintegration sind sie mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert. Die am Unfallkrankenhaus Berlin etablierte Prothesen-Rehabilitation setzt sich mit diesen Problemen auseinander und möchte eine gezielte und individuell angepasste Wiedereingliederung der amputierten Patienten erreichen.

Zielgruppen und Voraussetzungen

Die Möglichkeit der Prothesen-Rehabilitation gibt es am Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) seit Mai 2010. Hauptzielgruppe sind frisch amputierte Menschen mit Interimsversorgung der unteren Extremitäten, Patienten mit Problemen am Amputationsstumpf, Patienten mit Balance- und Gangunsicherheiten und Patienten mit Problemen bei der aktuellen prothetischen Versorgung.

Bisher wurde die Prothesen-Reha von 62 Personen durchlaufen. Es wird angestrebt, dass alle frisch amputierten Patienten des ukb eine Prothesen-Reha erhalten, wenn sie vom Kostenträger übernommen wird. Bei berufsgenossenschaftlich und privat versicherten Patienten werden die Kosten in der Regel übernommen. Bei gesetzlich versicherten Patienten bedarf es der Einzelfallentscheidung.

 „Bisher waren alle Teilnehmer begeistert. Die Patienten fühlen sich nach der Prothesen-Rehabilitation selbstsicherer und trauen sich mehr zu“, erzählt die Chirurgin Dr. Insa Matthes, Leiterin der Prothesen-Rehabilitation und Fachexpertin bei MyHandicap. „Die Tragezeit der Prothese hat sich verlängert und auch die Wegstrecke, die die Patienten mit der Prothese zurücklegen können, ausgeweitet“, berichtet Dr. Matthes.

Ein Mann mit Beinprothese und ein Therapeut übern im Stiegenhaus Treppensteigen
In der Gangschule werden unter anderem Koordination und Balance trainiert (Foto: Unfallkrankenhaus Berlin)

Maßgeschneiderte Therapie für maximalen Rehabilitations-Erfolg

Während der dreiwöchigen Rehabilitation werden die Patienten zu jeder Zeit aus erster Hand versorgt. Spezialisierte Ärzte, Physiotherapeuten und Orthopädietechniker sind vor Ort und stehen dem Patienten bei Problemen zur Seite.

Während der Zeit der Prothesenrehabilitation wird versucht, die Teilnehmer möglichst wenig in ein krankenhausähnliches Umfeld zu bringen. Dies schätzen viele Patienten sehr. 

Die Unterbringung der Teilnehmer erfolgt im Gästehaus des ukb. „Wir möchten, dass die Patienten hier bleiben und sich ohne fremde Hilfe auf dem Gelände bewegen. So können sie den Kontakt zu den anderen Teilnehmern intensivieren. Die Patienten sprechen viel miteinander und verbringen auch ihre Freizeit gemeinsam. Es sind schon neue Freundschaften entstanden“, erzählt Dr. Matthes.

Vielfältige Aktivitäten in Einzel- und Gruppeneinheiten

Die Therapie- und Behandlungseinheiten finden sowohl in der Gruppe als auch in Einzelsitzungen statt. Die Gruppengröße liegt bei maximal fünf Teilnehmern. Für jeden Patienten wird in Absprache mit Ärzten und Therapeuten ein individueller Therapieplan erstellt. Mithilfe dieses maßgeschneiderten Behandlungskonzepts können der Heilverlauf optimiert und persönliche sowie berufliche Lebensumstände des Patienten miteinbezogen werden.

Das Programm ist sehr umfangreich und wird montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr sowie am Samstag von 9 bis 13 Uhr durchgeführt.

Sportliche Aktivitäten, die Gangschule, themenbezogene Vorträge und eine Übungsküche sind wesentliche Bestandteile der Prothesen-Rehabilitation.

Porträtfoto von Dr. Insa Matthes
Die Chirurgin Dr. Insa Matthes leitet die Prothesen-Rehabilitation am Unfallkrankenhaus Berlin (Foto: Unfallkrankenhaus Berlin)

Erfolgreiche Prothesen-Rehabilitation

MyHandicap-Botschafterin Dagmar Maria Marth ist während einiger Einheiten der Prothesen-Reha anwesend. Die begeisterte Freizeitschwimmerin gibt den Teilnehmern zum Beispiel Tipps und Hilfestellungen rund ums Schwimmen mit Amputation.

Gegen Ende der Protheserehabilitation wird ein Ausflug ins „echte“ Leben ins Science Center von Otto Bock unternommen. Bei diesem speziellen Outdoortraining können die Teilnehmer üben, wie sie die Rolltreppennutzung optimieren, bei schnell schaltenden Fußgängerampeln am effizientesten die Fahrbahn überqueren und vieles mehr.

Das Angebot der Prothesen-Rehabilitation ist in Deutschland bisher einzigartig. Dr. Insa Matthes und Katja Thielemann wurden im November 2011 für ihre Arbeit „Die semistationäre Prothesen-Rehabilitation“ mit dem Wissenschaftspreis der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie ausgezeichnet.

Für die Zukunft wünscht sich die Leiterin der Prothesen-Reha Dr. Matthes, dass das Angebot der Prothesen-Rehabilitation von möglichst vielen Patienten in Anspruch genommen werden kann. Eine Voraussetzung dafür ist unter anderem die Finanzierung durch die gesetzlichen Krankenversicherungen.


Text: Michaela Hawlik - 11/2011

Fotos: Prothesen-Rehabilitation Unfallkrankenhaus Berlin
 

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