Einschränkungen sind oft nur Kopfsache: Markus Rehm

Markus Rehm beim Weitsprung
Markus Rehm trainiert sechsmal in der Woche und hat als Leistungssportler noch viel Ziele (Foto: Markus Rehm)

Markus Rehm steht noch am Anfang seiner sportlichen Karriere. Als er 14 war, übersah ihn ein Boot beim Wakeboarden. Sein rechtes Bein musste unterhalb des Knies amputiert werden. „Im ersten Moment hatte ich noch Zweifel, ob ich jemals wieder Sport treiben kann. Aber dann bekam ich Besuche von Selbstbetroffenen, die mir zeigten, was alles möglich ist. Da dachte ich mir, wenn die das können, dann kann ich das auch“, erzählt der Leistungssportler.

Im Winter nach seiner Amputation stand Rehm bereits auf dem Snowboard. „Ich habe alles ausprobiert, ich wollte immer mehr machen“, sagt Rehm. Dabei hat er nichts gefunden, was er nicht konnte.

„Sport ist das beste Mittel, um aus dem Tief nach einer Amputation rauszukommen. Man tut etwas für seinen Körper und es macht Spaß“, ist der Sportler überzeugt.

Der 21-Jährige stellte im Juni 2009 den Weltrekord im Weitsprung auf und hat noch viele Ziele. 2011 will er bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Südkorea antreten, 2012 bei den Paralympics in London.

Als Orthopädiemechaniker und Bandagist weiß Rehm, wie wesentlich Bewegung für Menschen mit Behinderung ist. Egal ob Walken oder Tischtennisspielen, wichtig ist, dass man Spaß dabei hat und die eigenen Blockaden im Kopf gelockert werden. Rehm ist überzeugt: „Einschränkungen sind oft nur eine Kopfsache“.

Meinen Humor habe ich nie verloren: Heinz B.

Heinz B. verlor mit 16 Jahren sein linkes Bein unterhalb des Knies. Grund war ein Unfall und ein ärztlicher Fehler.

Sein Hobby, das Fußballspielen, musste er aufgeben. Die Fußballclique hat sich schnell von ihm abgewandt. Auch der Betrieb, in dem er seine Ausbildung machen wollte, lehnte seine Ausbildung nach Bekanntwerden des Unfalls ab.

Das ist mittlerweile dreißig Jahre her. „Am Anfang ist es oft schwierig und braucht Zeit“, sagt Heinz B.: „Nachdem ich gelernt hatte, mit den Auf und Abs, die durch die Behinderung da sind, zu leben und diese auch akzeptiert habe, ist vieles leichter geworden“.

Eine Frau klatscht in die Hände
Katharina S. vermisst als Frau mit Armamputation die kleinen Dinge im Leben (Uta+Herbert/pixelio.de)

Heinz B. unternahm Rucksackreisen in alle Welt, übt einen Beruf aus, mit dem er sich identifizieren kann und auch bei seinen Partnerinnen spielt seine Behinderung eine untergeordnete Rolle.

Über viele Jahre hatte Heinz B. durch seine Amputation bis auf ein paar leichte Druckstellen keinerlei körperliche Folgen. Dies hat sich jedoch geändert. Durch die starke Belastung seines „gesunden“ Beins kam es zu Kniefunktionsstörungen, einem Bandscheibenvorfall mit Nervenreizung im „gesunden“ Bein und einer Meniskusentfernung. Seit einigen Monaten benützt er daher zuhause einen Rollstuhl und nimmt auch Schmerzmittel.

Seinen Humor hat er jedoch nicht verloren, auch wenn dieser mit den Jahren mit einer Prise „schwarzem Humor“ bereichert wurde.

Mir ist wohl, so wie ich bin: Viktor R.

Viktor R. ist heute 54 Jahre alt. Mit vier Jahren wurde sein von Geburt aus nicht richtig ausgebildetes Bein oberhalb des Knies amputiert.

Als Kind empfand sich Viktor R. voll integriert. Erst in der Pubertät begann er sich vermehrt mit seiner Behinderung und den damit verbundenen „Sinnfragen“ zu beschäftigen.

„Ich habe mich nie gefragt, was ist nicht möglich, sondern immer gesucht, was möglich ist“, erzählt Viktor R. und ist überzeugt: „Wer positiv denkt, sich fokussiert und sich klare Ziele setzt, erreicht meist auch das, was er möchte.“

Auch Viktor R. leidet unter Abnutzungserscheinungen seines „gesunden“ Beins. Im Moment hält alternative und komplementärmedizinische Medizin den Körper „stabil“. Viktor R. ist sich jedoch bewusst, dass sich irgendwann Probleme mit dem Hüft- beziehungsweise Kniegelenk einstellen werden.

Katharina S, Heinz K. und Viktor R. sehen ihre Behinderung für ihre persönliche Entwicklung insgesamt als Gewinn. Sie sind dadurch selbstsicherere und selbstbewusstere Menschen geworden. Sie versuchen ihre Wünsche durchzusetzen und leben ihre zwischenmenschlichen Beziehungen mit mehr Tiefe und Sensibilität.

„Ich wäre heute ohne Behinderung ein anderer Mensch. Und mir ist es wohl, so wie ich jetzt bin.“, sagt Viktor R.

 

Text: MHA - 7/10

Fotos: Pixelio.de, Andrea Scherney, Markus Rehm

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