Amputation: Interview mit Katharina S.

Lesen Sie hier das vollständige Interview mit Katharina S. zu ihrem Leben mit Amputation.

Wie lange liegt Ihre Amputation zurück?

Sie liegt fast drei Jahre zurück.

Wie alt waren Sie damals?

Ich war 19 Jahre.

Welche Amputation hatten Sie?

Mein rechter Arm wurde amputiert.

Welche Rehabilitationsmaßnahmen hatten Sie damals bekommen? (medizinische, berufliche, soziale Rehabilitation).

Ich bekam eine Anschlussheilbehandlung.

Haben sie Ihnen geholfen? Inwiefern?

Ja sehr, durch Ergotherapie und Krankengymnastik bekam ich ein besseres Gleichgewicht und meine linke Hand wurde trainiert.

Bekommen Sie heute noch Reha?

Nein

Würdest Sie sich dies wünschen?

Ja

Wie lange hat es gebraucht, bis Sie Ihre Amputation „akzeptiert“ haben?

Komischerweise nicht lange. Als ich nach drei Tagen Koma aufgewacht bin, habe ich gesehen, dass der Arm fehlt. Dann wollte ich unbedingt wieder einschlafen, hab mir eingeredet, das wird schon wieder. Ich träum nur. Aber das war auch nur an dem einen Tag so.

Ich bin kein Mensch, der traurig da sitzen kann, wenn alle um mich herum schon traurig sind. Also habe ich gelächelt. Keiner hat es verstanden. Aber es ein Sprichwort sagt ja: „Das sind die Starken, die unter Tränen lachen, eigene Sorgen verbergen und andere glücklich machen!“ Das hat mir auf alle Fälle auch geholfen.

Hat sich Ihr Freundeskreis durch Ihre Amputation verändert?

Nein.

Hat sich Ihre Beziehung zu Ihrem Partner durch Ihre Amputation verändert?

Nein, wir haben uns zwar relativ danach getrennt aber aus anderen Gründen nun wieder gefunden.

Hat sich Ihr Beruf durch Ihre Amputation verändert?

Nein, aber nur weil ich so hartnäckig war und unbedingt diesen Beruf ausüben wollte.

Gibt es etwas, das Sie durch Ihre Amputation nicht mehr machen können?

Gitarre spielen habe ich fast ein Jahr lang total vermisst, bis mir mein Orthopädiemechaniker eine Prothese zum Gitarre spielen gemacht hat. Ich kann nicht mehr in die Hände klatschen, die Hände zum Beten falten, im Kreis den Kindern die Hand geben.

Wenn ja, vermissen Sie das?

Ich vermisse diese Kleinigkeiten sehr und auch das Gitarrespielen hatte ich vermisst.

Gibt es etwas, das Sie nach Ihrer Amputation begonnen haben, das Sie vorher nicht gemacht haben?

Vor Publikum sprechen, Gedichte vortragen und Reden halten. Ich arbeite auch einmal im Jahr als Referentin in meiner ehemaligen Schule.

Warum haben Sie damit begonnen?

Referentin habe ich begonnen, weil ich da über Amputation erzähle. Und das allgemein vor Publikumreden einfach aus dem Grund, da ich mich mehr getraut hab als früher. Ich habe halt festgestellt, dass das Leben nur einmal da ist und dann sollte man das Bestmöglichste raus holen.

Suchen Sie den Kontakt zu anderen Menschen mit Amputation?

Ja, Austausch empfinde ich als Bereicherung und sehr wichtig.

Sind Sie Mitglied einer Selbsthilfegruppe oder ähnlichem?

Nein, weil es bei mir in der Nähe leider keine gibt.

Welche gesundheitlichen/körperlichen Folgen hatte Ihre Amputation?

Nackenverspannungen, Phantomschmerzen

Bereitet Ihnen Ihre Prothese manchmal Probleme  - zum Beispiel wenn es heiß ist, wenn sich der Stumpf entzündet…

Wenn es zu heiß ist, rutscht sie runter.

Welche Tipps haben Sie, wie man mit derartigen Problemen am besten umgeht?

Ich wüsste es selber gerne.

Was ist sind die negativen Seiten Ihrer Amputation?

Das ich viele Dinge nicht mehr oder nur eingeschränkt tun kann. Dass man Mitleid bekommt, das man gar nicht haben möchte. Außerdem ist man in gewisser Art und Weise abhängig. Das empfinde ich als das Schwerste, um Hilfe bitten zu können.

Was die positiven?

Ich bin dadurch selbstbewusster und selbstsicherer geworden. Ich versuche nun mehr, meine Wünsche auch durchzusetzen.

Welchen Rat/Tipp/Lebensweisheit können Sie durch Ihre Erfahrung frisch amputierten Menschen mit auf den Weg geben?

Sucht euch Menschen, denen es so geht wie euch. Tauscht euch aus. Ihr dürft traurig darüber sein und das auch ruhig zulassen, denn es war ein Teil von euch und das hinterlässt eine sichtbare und unsichtbare Lücke. Aber man muss auch nach vorne schauen. Setzt euch Ziele und denkt daran, dass der ganze Weg zum Ziel dazu gehört. Hindernisse, Steine, Berge und Täler. Und seid stolz auf jeden noch so kleinen Erfolg, denn ihr habt ihn euch hart erarbeitet.